Vor ungefähr knapp einem Jahr habe ich in der Inetbibliste einen Kommentar zum Thema Ebooks abgegeben, der ungefähr so lautete: „Ob es nun gefällt oder nicht, der Sony eBook-Reader wird für eBooks das sein was der Apple iPod für MP3s war.“ Damals war der eBook-Reader – das Vorgängermodell – der erste, der in Deutschland auf dem Markt war. Geliebäugelt mit dem Kauf eines solchen Geräts hatte ich schon als es noch sowas wie des Rocket Ebook oder den Franklin eBookman gab – lang, lang, ist das her.
An dieser Stelle möchte ich übrigens Apple einmal ausführlich danken: Da ja jeder hippe Kommunikationsjunkie jetzt meint ein iPad besitzen zu müssen sinken die Preise für die reinen Ebookreader momentan so, dass man die sich auch leisten kann. Wenn man etwas dafür spart.
Mein Exemplar habe ich seit einer knappen Woche, es ist nicht silbern und auch nicht pink sondern tiefblau mit einem Stich ins Schwarze. Das Gerät selbst ist etwas größer als DIN-A-5, im Lieferumfang enthalten das USB-Kabel und Handbuch. Sony war so nett das Gerät etwas voraufzuladen, so dass man gleich nach dem Entpacken loslegen kann. Vorinstalliert sind einige Auszüge aus mehr oder weniger aktuellen Bestsellern sowie zwei französische Public-Domain-Titel. Netterweise ist Douglas Adams Hitchiker als Auszug in Englisch dabei. Gute Wahl also.

Wie bei UMTS-Sticks hat das Gerät die Software in sich selbst – USB-Kabel an Rechner anschließen, Gerät wird als USB-Device erkannt, dann Software installieren – fertig. Die Software – klick aufs Bild machts größer – funktioniert übrigens. Das ist nun keine Selbstverständlichkeit bei elektronischen Geräten und ich habe das bisher auch nur bei der FLIP erlebt, dass eine mitgelieferte Software keine Murren und Macken hat sondern genau das tut was sie soll. In diesem Fall dient sie zur Befüllung des Ebookreaders und zum Lesen von ePub-Dokumenten auf dem Rechner. Und nicht nur von denen, schließlich kann der Sony ja auch andere Formate. PDFs zum Beispiel. Oder WORD-Dokumente.
Ich könnte natürlich eBooks auch mit dem Netbook lesen. Habe ich auch ausprobiert, das ist aber eindeutig unkomfortabel. Entweder kann man das Teil auf den Bauch legen oder aufs Bett. Ich lese aber selten Bücher auf dem Rücken, ich lese die Dinger meistens wenn ich auf der Seite liege. Schon mal versucht das Netbook so hinzustellen dass man bequem von der Seite… Ebend. Und bei aller Liebe: Ich will ja nur lesen. Ich will nicht surfen nebenbei, ich will keine Texte im Bett schreiben, ich will keine Exceltabellen bearbeiten – ich will nur eBooks lesen. Und genau das und nicht mehr macht das Ding, die Touchvariante kann ja auch noch ein bißchen mehr, aber wie gesagt: Ich will nur eBooks lesen. Bequem. Im Bett. Oder in der Bahn. Oder anderswo wo das Netbook nicht hinpasst und hingehört.
Genau das macht der Reader: Er stellt eBooks dar. Hat 512 MB, was für 330 Bücher reicht. Nicht, dass ich jemals glaube da dran zu kommen. Deswegen habe ich auch nicht die Touchvariante gekauft, die ist erweiterbar. Der PRS-300 halt nicht, damit kann ich leben. Innerhalb dieser einen Woche nach Vollaufladung habe ich sämtliche fünf Bücher des Anhalters von Adams gelesen plus die Hälfte vom kleinen Hobbit plus – weil ich neugierig war – ein Taschenbuch über Vampire, Killer und okkulte Bedrohungen – Romantasy-Teil, ganz witzig eigentlich. Akkuladebalken ging in dieser Woche dann bis zu Hälfte runter. Wer also zwei Wochen Urlaub hat könnte mit dem Akku wohl ganz auskommen.
Angenehm überrascht war ich, als der Reader von PDF-Dokumenten ohne Inhaltsverzeichnis welche erstellte. Gut, bei Shakespeares sämtlichen Werken aus der Gutenberg.org-Seite klappte das nicht ganz so, weil der Reader offenbar die fettformatierten Überschriften nimmt und sie fürs Verzeichnis verwendet – mit dem Ergebnis, dass ich jetzt fünzigmal SCENE 1 für den Shakespeare habe, aber gut. Bei den PDFs aber funktioniert das. Ebenfalls angenehm: Der Reader merkt sich an welcher Stelle man war wen man ihn ausschaltet. Das heißt, wenn man zwischendurch nicht das Buch gewechselt hat. Dafür gibts aber die Lesezeichenfunktion.
Das ist so das Einzige was ich nicht so ganz gelungen finde: Man kann mit der Software keine Lesezeichen setzen oder ich habs noch nicht gesehen. Das wäre praktisch, weil man dann nämlich die ganzen Lesezeichen, die man per Hand mit dem Reader gemacht hat auf einen Schlag löschen könnte – so muss man immer zuerst zum Lesezeichen, nochmal drücken, dann ist das gelöscht, dann zum anderen… Ihr versteht.
Drei Schriftarten kann man einstellen: Klein, mittel, groß. Wobei – und hier muss man das wieder etwas einschränken, ein weiteres Manko, man bei PDFs, die der Reader automatisch umrechnet für die Darstellung manchmal nur die Wahl zwischen zweien hat. Ebenfalls kanns passieren, dass das PDF nach dem Umrechnen einige Leerseiten hat, Sätze manchmal allein auf einer Seite stehen oder Zwischenräume nicht beachtet werden. Das stört zwar etwas beim Lesefluß, aber meistens klappt das Umbrechen der Seiten dann doch einigermaßen vernünftig. Wobei: Selbst bei dem gekauften Ebook hat der Verlag gerne mal die letzten Sätze des Kapitelendes auf eine Seite gepackt… Insofern.
Total aufgeben muss der Reader allerdings bei der Scroll-Edition von der WELT Kompakt. Das klappt so man gar nicht. Erstens wegen der Schriftgröße – klein ist echt zu klein und mittel sorgt dafür, dass der Text nicht richtig untereinander sondern nebenbeiander formatiert wird – und ab Seite 3 geht dann gar nichts mehr. Soweit zu gegen den Strich gebürsteten Formaten…
Übrigens: Wer jetzt noch meint er brauche eine gesonderte Software um diese Adobe-ID-Scheiße bei DRM-eBooks mitzumachen – der braucht sich die gar nicht zu installieren, weil die Software des Readers das nämlich auch alleine kann. Ich hab ja DRM-eBooks auch nur gekauft um zu gucken wie das mit der Übertragung und Installation klappt – und das klappt trotz der verwirrenden Anleitungen der verschiedenen Onlineshops problemlos. Ebook kaufen, bezahlen, Link gibts dann per Mail oder im eigenen Konto, runterladen, in die Software des Readers schmeißen, gegebenenfalls aktivieren – fertig.
Da es eine Menge von freien Texten im Internet gibt, die auch schon ePub-Format formatiert sind – gut, mein Französisch dürfte für die Troi Musquetaires etwas begrenzt sein, aber es gibt ja Gutenberg.org
– ist für reichlich freies Lesefutter gesorgt. Zudem kann man dann endlich auch mal die PDFs bequem lesen, die man immer schon mal lesen wollte und die am Rechner ja dann doch doof sind. Vorteil des Readers nämlich: Den kann man auch in die Sonne mitnehmen, weil der kein verspiegeltes Display hat. Und die Technologie zur Darstellung der Tinte ist wirklich gut. Selbst nach drei Stunden keine Kopfschmerzen, keine tränenden Augen. Wirklich faszinierend das.
Und ob ich immer noch glaube, dass der Sony Reader dem ersten Apple iPod beigestellt werden kann? Auf jeden Fall. Natürlich, jetzt durch die Erfindung des iPads und der ganzen Smartphones, die auch schon vorher Ebooks lesen konnten stellt sich die Frage ob ein einzelnes Gerät wirklich heutzutage noch sein muss. Ich glaube schon, dass das noch seine Berechtigunge hat – es gibt nämlich Leute wie mich, die einfach nur bequem ihre eBooks leben möchten ohne gleichzeitig zu surfen, twittern, sich mit Apples iOs rumzuschlagen oder Heidengeld für einen neuen Datentarif auszugeben… Gut, die Dinger sind nicht so populär geworden wie ich dachte, aber man kommt heutzutage an ihnen nicht mehr vorbei. Oder man kauft sich halt gleich ein iTab, aber ob das so viel besser fürs Bett ist?