Kreative: Eure Zielgruppe ist breiter als XXL!


Ich ärgere mich schon wieder mal schwarz. Da hat ein*e Kreative*r endlich einen Shop für seine Merchandisingprodukte – die Pullover sehen toll aus, die T-Shirts auch und klar: Ich bin so beeinflussbar, dass ich das haben wollen würde. Allerdings weiß ich auch, dass ich damit Leute unterstütze. Also mal sehen … ARGH! Spiel zu Ende! Der Shop bietet nur Sachen bis XXL an. Die Höchstgrenze überhaupt bei sowas: 3XXL.

Der Shop oder die Firma können nicht jenseits von 3XXL produzieren? – Lasse ich nicht gelten. Wer sich bemüht, der findet auch Hersteller*innen die durchaus einige Größen größer produzieren. Es gibt erstens genügend Anbieter dafür, zweitens schafft es EMP bis 8XXL. Natürlich sind die eine große, große Firma und so, aber … es ist ein praktischer Beweis dafür, dass es durchaus machbar ist. Also. Lagerkosten entstehen ja vermute ich eh nicht, weil ja erst hergestellt und gedruckt wird, wenn eine Bestellung vorliegt.

Dass ihr nicht daran gedacht habt, das ist übrigens auch keine Entschuldigung.

Übrigens: Das gilt auch für euch, liebe Barcamp-Organisatoren*innen. Es wäre einfach bei der Anmeldung abzufragen, in welcher Größe ein T-Shirt gewünscht wird und das dann bereit zu halten. Dass das nicht immer aufgrund der Finanzlage machbar ist, okay, kann man ja sagen. Oder halt per se für alle keine Shirts anbieten. Muss ja auch nicht unbedingt sein, aber wenn, dann bitte auch daran denken, dass eine Menge von Besucher*innen nicht die Maße von Supermodels haben.

Ich habe übrigens genügend Tassen im Schrank.

Ich brauch deinen Diätratschlag für einen Sommer-Strand-Körper nicht, Tante Erika

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In diesem Jahr ist das besonders schlimm und ich habe den Eindruck, dass seit Januar schon über nichts Anderes geredet und geschrieben wird als darüber, wie man irgendwelche Kilos loswerden kann. Die Diät-Industrie versucht – bisher erfolglos, zum Glück – ja sogar Ostern als neuen Bezugspunkt für einen schlanken Körper zu etablieren. Jesus wäre es wohl egal, wie der BMI ausgesehen hätte, aber wenn man sich so Darstellung von Jesus in Kirchen anschaut ist Jesus erstens immer weiß, zweitens hat er immer einen Körper, bei dem der Bullshit-Index vermutlich eher stark untergewichtig anzeigen würde. Meine Güte, so oft wie die Rippen-Knochen bei der Kreuzdarstellung zu sehen sind … Jesus hat ja nicht extra fürs Kreuz abgenommen. (Er wurde ja vom Kreuz abgenommen, ha, ha, schlechtes Wortspiel. Ich darf das, ich arbeite bei der Kirche.)

Da die Temperaturen wieder steigen, mehren sich auch wieder die Stimmen, die erstens darauf bestehen, dass Dick_Fette Menschen sich gefälligst in lange, wallende Gewänder zu kleiden haben, schließlich möchte man ja das wabbelnde Fett nicht auf der Straße sehen und die zweitens fordern, dass kurze Hosen auch ein No-Go im Sommer sind. Dass solche Stimmen auch nicht immer sehr schick aussehen in ihren Tank-Tops oder mit ihren textilfreien Oberkörpern sei mal dahingestellt. Ich wohne im Ruhrgebiet, der Jogginghosen-Schlabber-Adiletten-Look ist hier normal. Nicht, dass ich das für mich so anziehen würde, aber es ist auch eigentlich entspannend so rumlaufen zu können, wie man möchte.

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Eigentlich angespannt ist die Situation ja erst dann, wenn man anfängt zu schwitzen – ja, sorry, kann ich nicht abstellen und ich möchte auch nicht das Hunde-Hecheln-Zunge-System übernehmen und wenn man es wagt, sich ein wenig luftiger zu kleiden. Kurze Hosen. Eventuell aufgeknöpftes Hemd, das verspielt über die prallen Windungen des Körpers dahingleitet, wenn der Wind auf kommt … Hach, bei jedem Six-Pack-Romanzen-Helden gerät da das Blut in Wallung. Bei Dick_Fetten auch, aber eher regen die das Blut von anderen an, weil ja das Fett zu sehen ist.

Mein Körper ist kein Fat-Suit, den ich nach Belieben an- oder ablegen kann wie es der Gesellschaft gerade passt. Mein Körper ist auch keine Pinnwand für Kommentare, Blicke oder für abstoßende respektloses Verhalten. Wann ist eigentlich die gute Kinderstube aus der Mode gekommen, in der man noch lernte, dass man fremden Onkels und Tanten gegenüber sich einigermaßen respektvoll benahm? Ah, das waren die Tage …

Wenn mir danach ist, dann laufe ich mit lose zugeknöpftem Hemd über meinem fetten Bauch durch die Gegend. Wenn mir danach ist, dann sind kurze Hosen fürs Wetter angemessen. Ja, wenn mir danach ist lasse ich den Oberkörper frei. Dass dazu eine ganze Menge Mut gehört weiß ich, aber bitte keine Komplimente. Mache ich ja auch nicht anders herum. „Du, ich finde das total mutig, dass so mit deinem Six-Pack-Oberkörper frei durch die Gegend läufst, boah, klasse!“

Ich sehe auch nicht ein meinen Körper zu verstecken, nur weil es Leuten nicht gefällt was sie sehen. Nur, weil ich nicht der Norm entspreche und auch nicht entsprechen will heißt das nicht, dass ich den ganzen Tag nicht ins Freie gehe. Wobei: Wir Dick_Fetten sollen ja uns bewegen, aber dann wiederum bitte so, dass es keinen Anstoß erregt … Ich errege immer Anstoß. Ich werde immer auf meinen Körper zurückgeworfen. Diese Erfahrung kann halt keiner nachvollziehen, der das Schlankheitsprivileg gepachtet hat. Wobei es noch schlimmer ist: Ich werde immer auf meinen Körper reduziert. Außer, ich bin irgendwie komisch. Dann reicht es vielleicht für den lustigen Sidekick im Hollywood-Film.

Einigen wir uns doch einfach darauf: Ich behalte meine Meinung über euer Aussehen für mich und ihr eure Meinung über mein Aussehen für euch. Deal? Deal!

Wobei: In welchen Größen gibt es eigentlich diese – wie heißen die Dinger noch – na – was mit Leder – für den Oberkörper – na – ich komm nicht drauf …

Die sehr lange, sehr gewundene Straße: Kirche und Bodypositivity

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Ich bin hart im Nehmen. Ich habe mir „Leben leicht gemacht“ angeschaut – okay, zwei Folgen reichten da aber auch – und ich schaue mir jede Doku über Magenverkleinerungen, Diäten oder irgendwelche Ernährungsmythen an. Weil ich natürlich vor eigenen Denkfehlern nicht gefeit bin und weil Karl Popper einfach Recht hatte. Mag auch sein, dass ich das mit der Falsifikation falsch verstanden habe …

Worüber ich mich aber ziemliche echauffiert habe ist, dass eine christliche Influencerin auf YouTube – bewußt keine Verlinkung und keine Namen, es geht um die Sache, nicht die Person an sich – unreflektiert Ernährungshalbweisheiten im Rahmen einer Abnehmaktion verteilt. Also sie selbst entschied, sie würde sich mit zu vielen Kilos nicht mögen und wollte eine bestimmte Summe abnehmen. Ob das gelungen ist oder nicht – unspannend.

Das Video zeigt leider, wie stark die Diätkultur uns prägt. Eine Pfarrerin kann zwar auch eine Ernährungsexpertin sein – in dem Fall aber eher nicht. Das eigentlich Problem, das ich sehe ist: In dem Moment, in dem sie bewußt entscheidet öffentlich abzunehmen – sie hätte das auch persönlich ohne Zeugen tun können – ist sie noch mehr für ihre Aussagen und Taten verantwortlich als ohnehin schon.

Ohnehin ist es fraglich, ob die Diätkultur – die ja dann gerne auch „Ernährungsreligionen“ mit Verboten, Geboten, Sühne, Scham, Reue und Buße anbietet – etwas in der Kirche an sich verloren hat. Nein. Jesus hat jetzt zum Thema Diät nicht viel gesagt – außer an einer Stelle äußert er sich laut der Bibel zu Johannes und zum Thema Fasten, aber damit ist keine Abnahme gemeint. Zudem: „Nicht, was in den Menschen reinkommt, macht ihn rein oder unrein …“ Und ein Fresser und Säufer war er laut den Pharisäern ja auch. Zudem ist das Reich Gottes ja wie ein Fest und so weiter und so gleichnishaft.

Wenn ich – wissentlich oder wie in dem Fall hier leider unwissentlich – die Denkweise der Diätkultur in die Kirche bringe, bringe ich ein System der Diskriminierung in die Kirche. Ein System das abgrenzt, ausweist. Was übrigens auch zum völligen Kontrast zur aktuellen Jahreslosung steht, „wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.“ Es sollte daher mir als Pfarrer*in nicht daran gelegen sein, dass diese Werte wie auch immer in die Kirche kommen. Kirche sollte ein Safe Space sein. Kirche sollte zudem einladend sein. Kirche sollte – was oft nicht passiert – auch Spass machen. Vor allem: Jesus hat sich Allen zugewandt. Er hat keinen ausgeschlossen.

Sollte man also über Diäten und Ernährungsreligionen – ich frage mich gerade, ob es dafür eine Stelle in der Kirche gibt analog zum oder zur Sektenbeauftragte*n – in der Kirche nicht reden? Das bedeutende Wort ist – wie beim Rassismus – wohl „über“. Natürlich sollte man über Ernährungen, Diäten reden. Man sollte aber nicht die Vokabeln der Diätkultur benutzen, ihre Verhaltensweisen übernehmen oder sie unterstützen. Bodyshaming sollte in der Kirche keinen Platz haben. Fettshaming schon gar nicht. Bewußt auch da eingreifen, wo sich Diätkultur im Umgang mit Kindern, Jugendlichen oder Alten zeigt – das ist der Kasus Knaxus. Kochkurse sind kein Problem, wenn damit nicht die Moralkeule verbunden ist, wenn nur festgestellt wird, dass es Lebensmittel gibt, die dem Einen besser schmecken als dem Anderen. Die der Eine besser verträgt als der Andere. Wenn akzeptiert wird: Eine Diät, Ernährungsumstellung ist nicht unbedingt die gesündeste Art und Weise mit dem Körper umzugehen – Jo-Jo-Effekt, Verstärkung von Herz-Kreislaufkrankheiten etc. pp. Wenn sensibilisiert wird: Es ist okay, wenn nicht jeder Mensch die gleiche Leistung erbringen kann – und das sollte im Rahmen von Kirche auch nicht notwendig sein, aber protestantisches Arbeitsethos halt … Und so weiter. Und so fort.

Bis es allerdings soweit ist, wird es noch etwas dauern. Zumindest wäre schon mal damit weitergeholfen, dass HAES und IE als Alternative zu den DGE-Ernährungsregeln oder -Pyramide vorgestellt werden. Dazu fehlt momentan aber noch das Netzwerk, dass diese Experten*innen mit kirchlichen Einrichtungen zusammenbringt. Vielleicht mal ein persönliches Ziel für dieses Jahr …

Die falschen Versprechen von „Leben leicht gemacht“ aka The Biggest Loser

In knapp einer Minute das zusammenzufassen, wofür die Diätkultur steht ist schon eine Meisterleistung. Aber man kann das durchaus machen: Man kann all die Vorverurteilungen und die GesundheitTM-Denkungsart nicht nur perfekt in einem Teaser zusammenfassen – man kann das auch natürlich auch noch textlich dazupacken. Leben leicht gemacht – besser bekannt als The Biggest Loser – kriegt beides problemlos hin. Dass dann bei den empfohlenen Videos lauter Sachen aus „Das große Backen“ zu finden sind, das ist dann natürlich … ironisch?

Erstmal allerdings muss ich darauf aufmerksam machen, dass The Biggest Loser eigentlich ja gar nicht mehr so heißt. „Leben leicht gemacht“ – das klingt nach Wellness, nach Problemösen. Natürlich ist die Sendung nach wie vor Trash-TV, in dem Menschen niedergemacht werden. Mehrgewichtige Menschen natürlich. Aber es klingt halt viel besser, wenn es „Leben leicht gemacht“ heißt. Und wenn die ersten Ergebnisse auf der Waage nach einer Woche zu sehen sind. Das klingt natürlich super, aber jede Diät – jede Art von Ernährungsumstellung – funktioniert erstmal. Erstmal. Auf kurze Sicht gesehen. Wenn wir logisch denken würden, müsste es ja eigentlich nur eine Diät geben, die wir alle machen müssten und schon wären wir schlank. Stattdessen aber gibt es jetzt im Januar natürlich jede Menge von Vorschlägen, wie man rank und vor allem „gesund“ werden kann. Wie geschrieben: Übersichtstudien zeigen, dass es egal ist, was man macht – eine Diät hat erstmal kurzfristige Erfolge. (TW: Diätkultur, Diätsprache) Erstmal.

Genau diese Übersichtstudien zeigen aber auch: Längerfristig funktionieren Diäten nicht. Längerfristig: Fünf, sechs, sieben bis zehn Jahre. Diäten scheitern. Oder um es anders zu formulieren: Für den Großteil der Bevölkerung ist ein dauerhafter Gewichtsverlust nicht erreichbar und bleibt ein unerfülltes Versprechen.
Und bevor jetzt der Einwand kommt – was ja völlig mit dem Trailer für dieses Trash-TV-Format übereinfällt – es läge halt an den Diäthaltenden, die keinen Willen hätten … Nein. Es kommt beim Abnehmen – sofern man es denn möchte – nicht auf den „eisernen Willen an“. Dazu sind die Faktoren zu vielfältig. (TW: Diätsprache, Diätkultur.) Es gibt mit an die 18 Gründe, warum Diäten scheitern. (TW: Diätkultur) Unter anderen hat der NHS 2007 auch festgestellt, (TW: Starke Diätsprache!)) dass es weitaus über 100 Faktoren fürs Mehrgewicht gibt. Es gibt da eine ganze Doppelseite. Das Fiese daran: Meistens wirken die Faktoren zusammen und auf einander ein, es sind ganze Systeme, die zum Mehrgewicht führen können. Und der National-Health-Service der Briten ist nun nicht irgendwer, irgendwas, irgendjemand. Aber bei The Biggest Loser ist zumindestens im Trailer das ja schon wieder hinfällig: „Du kannst das schaffen, wenn du es nur willst.“ – Nein. Ich kann mit meinen 45 Jahren auch kein Astronaut mehr werden, für einige Dinge ist der Zug definitiv abgefahren im Leben und das sollte man akzeptieren.

Die „Biggest Loser Studie“

Eine Frage, die ich mir stelle und die selten beantwortet wird: Wie lange haben die Teilnehmer eigentlich ihr Gewicht gehalten? Im April letzten Jahres jedenfalls habe, so meldet Gala, ein Gewinner wieder zugenommen. Zwar „nur“ sechs Kilo und das sei ja nicht dramatisch und überhaupt und so: Einmal auf der Gewinnerstraße, nie aufgeben! Jedenfalls ist das die Attitüde des Artikels. Ich finde auch nur wenige Beispiele für Gewinner*innen, die ihr Gewicht gehalten haben. (TW: Überaus schlecht gemachtes Video! ) Aber bei der Unmenge von Kandidaten müssten das doch weitaus mehr sein? Schließlich haben die doch alle „gelernt“ wie man dünn bleibt? Wie war das noch mit „Großteil der Bevölkerung hat keinen Erfolg bei Diäten auf lange Sicht gesehen“?

„Persistent Metabolic Adaptation 6 Years After “The BiggestLoser” Competition“ ist die Antwort, warum man so selten von Leuten liest, die dauerhaft ihr Gewicht nach der Show gehalten haben. Die Studie untersuchte 14 von 16 Teilnehmern einer Staffel nach 6 Jahren. Leider gibt es sie nicht auf deutsch und ist daher nur in Fachkreisen bekannt, aber deren Ergebnisse sind durchaus von Relevanz. Es geht um den Grundumsatz, den der Körper automatisch während einer Diät senkt und den er offenbar nicht wieder hochfährt. Deswegen nimmt man auch wieder zu. Oder um Dr. Antonia Post zu zitieren: „Eine umfangreiche Studie mit 14 Teilnehmer:innen der achten Staffel der amerikanischen Ausgabe zeigte, dass selbst nach sechs Jahren der Grundumsatz durchschnittlich 704 Kalorien pro Tag geringer war als vor der Teilnahme, obwohl alle 14 (bis auf eine Ausnahme) einen Großteil des verlorenen Gewichtes wieder zugenommen hatten. Mach dir das mal bewusst: Die Teilnehmer:innen mussten nach der Show eine ganze Hauptmahlzeit täglich „einsparen“, um ihr Gewicht zu halten, obwohl sie teilweise sogar dicker waren als vor der Show.“ Allmählich wird klar, warum es keine Reunion-Sendungen gibt: „Menschen, die einmal adipös waren, bleiben es, auch wenn sie ihren BMI deutlich gesenkt oder sogar normalisiert haben,“ stellte dann auch das Ärzteblatt aufgrund der Studie fest. Warum, wieso, weswegen? Darüber rätselt der Fachmann und der Laie wundert sich.

Etikettenschwindel: Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen

Wissenschaftlich gesehen heißt das also: „The Biggest Loser“ funktioniert so schlecht wie alle anderen Diäten – auf die Dauer gesehen. Dass die Sendung von kurzfristigen Erfolgen voll ist, kein Wunder. Aber es gibt die adaptive Thermogenese des Grundumsatzes. Man kann sich vorstellen, was passiert, wenn man eine Diät nach der anderen macht …


Wobei der neue Name ja tatsächlich – ich hatte das schon anklingen lassen – eher so nach „Wellnessformat“ klingt, das „Loser“ hat man dezent nach hinten geschoben. Und dafür gibt es natürlich einen Grund. Nicht, dass man das Konzept an sich geändert hätte – ach, i wo, aber man habe aufs Feedback gehört. So Christine Theiss in der Prisma: „Wir reagieren zum einem auf die jahrelange Kritik an dem „Loser“. Auch wenn dies nur als Wortspiel gemeint war, haben dies viele Menschen als despektierlich gegenüber unseren Kandidaten empfunden und das ist natürlich das Letzte, was wir wollen. Zudem ist unsere Sendung mittlerweile so viel mehr als nur ein Abnehmformat. Es geht nicht nur um das Gewicht, viele unserer Teilnehmenden krempeln ihr Leben komplett um. Das wollen wir mit dem neuen Titel unterstreichen. Weg von der Fixierung auf die bloßen Kilos.“ – Klingt vertraut. Jedenfalls, wenn man sich anschaut, wie die großen Abnehmprogramme in den letzten Jahren sich aufgestellt haben: WW ist ja nicht mehr Weight-Watchers und da geht es enorm um Wellness – Noom ist total das Nicht-Diät-Programm. Mit Diäten möchte man nicht mehr so in Verbindung gebracht werden, man tarnt sich also als „Ernähungsumstellungs-Wohlfühl-Ganzgesundheitlich“-Programm. Letzten Endes ist das aber nur Fassade. Natürlich geht es um das Abnehmen. Natürlich steht das auch bei der Crash-Sendung immer noch im Vordergrund – niemand möchte Dick_Fette sehen, die sich am Pool mit einer Pina-Colada entspannt einer Massage hingeben … Oder? Dass es im Endeffekt um den Mythos von „Mehr bewegen, weniger essen“ geht, genau das macht Theiss ja auch nochmal deutlich in der Prisma: „Das funktionale Training geht natürlich auch immer zu Hause. Die einzigen Dinge, die man dafür benötigt, sind der Wille, damit anzufangen und die Disziplin, es durchzuziehen.“ – Das mit dem Willen, wissen wir mittlerweile, ist so eine Sache und selbst wenn: Er ist nur eine Stellschraube in einem ganzen System, in dem die Kandidaten*innen sich im Alltag bewegen. Soziologische, psychologische und andere Aspekte klammert „The Biggest Loser“ immer komplett aus. Wobei das im „neuen Ansatz“ vielleicht doch noch als Mäntelchen dazukommt. Letzten Endes aber: Teilnehmer*innen werden sozusagen aus der Gosse aufgelesen, in ein neues Selbst transformiert und dann wieder in die Gosse zurückkatapultiert. Die Klage von Eliza Doolittle kommt da durchaus zupass: „You know I can’t go back to the gutter, as you call it, and that I have no real friends in the world but you and the Colonel. You know well I couldn’t bear to live with a low common man after you two; and it’s wicked and cruel of you to insult me by pretending I could. You think I must go back to Wimpole Street because I have nowhere else to go but father’s.“

Eliza Doolittle aus „Pygmalion“? Doch. Weil Eliza genau das deutlich macht, was auch mit ein Problem der Sendung ist: Wenn man eine Weile abgeschieden von der eigenen Lebenswelt agiert, fällt es einem enorm leicht die Gewohnheiten der fremden Welt anzunehmen. Kochen, Putzen, Kinder großziehen, sich mit dem Ehegespons herumstreiten, der Stress der Arbeitswelt – das alles spielt ja für die Sendung keine Rolle. Nur: Das alles bleibt auch bestehen, nachdem die Sendung zu Ende ist. Eliza hat allerdings Glück, dass sie Freddy heiraten kann – nein, die Musical-Fassung kenne ich, macht aber laut Shaw keinen Sinn und der ist der Autor des Stücks. Wer nach der Sendung wieder in den Alltag kommt und gewohnt ist, drei, vier, fünf Stunden im Fitness-Studio zu verbringen … Ich frage mich, wie man das regeln soll, wenn man Kinder hat, einen Beruf, eventuell sogar noch Hobbys! Insofern: Klar, dass die Teilnehmer*innen schnell und einfach abnehmen, weil alles andere ihnen wie bei der Verwandlung von Eliza abgenommen wird. Da war doch was mit Verbrennen von Elizas Kleidern …

Genau das ist ja das Konzept der Crash-Sendung: Man macht aus einem Dick_Fetten einen Schwan. Was dann später passiert ist den Machern der Sendung genauso egal wie Higgins der Werdegang von Eliza nach der gewonnen Wette. Hauptsache die Zuschauenden hatten ihren Spaß – beim Zusehen, wie Menschen erniedrigt, gedemütigt und gestresst werden. Weil bekanntlich ALLE Dick_Fetten faul sind, sich ungesund ernähren und nur auf dem Sofa rumgammeln. Dass es da auch andere Beispiele gibt, das wird unterschlagen. Aber es passt halt nicht ins Konzept der Sendung. Mit Goethe stöhnen die Trainer*innen hier nämlich: „Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen.“ Denn wenn die Kandidat*innen es schaffen – dann schafft es jeder. Was ja Frau Theiss so auch propagiert: Es ist alles ganz einfach. Folge nur diesen Rezepten, dann klappt das schon. Hier wird ein Ideal angepriesen. Eines, das – wie die Wissenschaft mittlerweile Studie um Studie festgestellt hat – auf längerfristige Sicht gesehen nicht erreicht werden kann.

Eine Sendung, die schiere Verzweiflung schafft

Gerade aber weil das Ideal der Diätkultur propagiert wird, erschafft die Sendung schiere Verzweiflung. Denn schließlich ist man selbst ja Schuld, wenn die Diät nicht funktioniert. Immer. Ausnahmslos. Es sind nicht die Diäten, die nicht funktionieren: Man selbst ist ungenügend.
„Warum schaffe ich das nicht, was die so spielend leicht schaffen?“, ist die Frage all Jene*r, die eben nicht genügend Geld zur Verfügung haben, um sich Trainer*innen zu leisten. Die ihr Fleisch nicht beim Biobauern um die Ecke kaufen können. Die sich nicht das tolle Abo irgendwelcher gesundheitlich unbedenklichen Abo-Kisten leisten können. Alle, die einen Alltag zu bewältigen haben, schon genügend unter Druck stehen und die angesichts der Sendung an sich zu zweifeln beginnen, alle fragen sich: „Warum schaffen die das? Warum ich nicht?“ Die Antwort der Sendung: „Weil du ein Versager bist! Deswegen!“

„Schau mal, die haben in der Sendung so viele Kilos verloren, warum kannst du das nicht?“ ist dann das, was in den nächsten Wochen dank der Medienberichterstattung an das Ohr von Dick_Fetten gelangt. „Wenn du nur ein wenig schlanker wärst, dann wärst du gesünder.“ Tante Erna, die sich ja schon immer um dich gesorgt hat, schaut noch ein wenig besorgter. „Und schau mal, das ist doch alles ganz einfach. Das kann jeder. Warum du nicht?“ – Womit man automatisch in den Augen der Gesellschaft als Versager abgestempelt wird, weil es ja so einfach ist. Von geistiger Gesundheit hält man in Deutschland nun wirklich nicht viel, aber nichts ist toller als einfach mal auf der geistigen Gesundheit von Anderen herumzutrampeln – Ratschläge sind auch Schläge. Dabei weiß man doch, dass das Beschämen von anderen Personen total den Erfolg hat … Nicht. Und motivierend ist da alles nun gar nicht.

Narrativ-Streuung

Aber das hält das Trash-Format nicht davon ab, genau das zu tun. Beziehungsweise immer wieder herauszuarbeiten, wie unfähig eigentlich Dick_Fette sind. Undiszipliniert ja auf jeden Fall. Vermutlich sind die das auch auf der Arbeit. Bestimmt. Dick_Fette lassen sich gehen, sie hassen Sport, sie essen nur Fast-Food, sie sind zudem stets in der Unterschicht anzutreffen … Dick_Fette sind so gesehen der Abschaum, auf dem man ungestraft herumtrampeln darf, weil die Gesellschaft schlank automatisch mit gesund gleichsetzt.

Wobei: Dicke Frauen verdienen tatsächlich weniger als ihre schlanken Gegenparts. Es ist für dicke Frauen auch erheblich problematischer, einen Job zu bekommen. Weil dicken Menschen auch weniger zugemutet wird – denn wer undiszipliniert beim Essen ist, der ist es sicherlich doch auch im Job. Dass daher Dick_Fette zur Unterschicht gehören, liegt vielleicht eher an diesem vorhandenen Gehalts-Abgrund – wer weniger verdient, kann weniger für Dinge ausgeben, die für die eigene Gesundheit nötig sind. Er lebt dann vermutlich auch in einer nicht so tollen Wohngegend, weil die Mieten da billiger sind. Allerdings gibts halt nur den Discounter im Block. Klar, der hat auch genügen Gemüse und so, aber man soll ja möglichst alles frisch kaufen, weil … Zudem: Nicht Jede*r kann kochen, weil die Eltern oder die Schule einem das nicht beigebracht hat. Also greift man, auch weil es billiger ist, zu Lebensmitteln, die nach der allgemeinen Meinung nicht „gesund“ sind. Hmm, bildet sich da vielleicht ein System aus, bei dem den Frauen eher damit geholfen wäre, dass sie gleich viel bekommen wie ihre schlanken Gegenstücke? Nur so eine Mutmaßung … Vermutlich werden Frauen aber weniger bezahlt, weil da eine Diskriminierung mitschwingt.

Eine Diskriminierung, die gerade durch diese Sendung ge- und befördert wird. Wenn alle Narrative bedient werden, die die Dick_Fetten als „Abschaum“ darstellen, die man anbrüllen darf, die man quälen darf – die schlussendlich den Menschen dehumanisieren in einem System, das es nicht auf die Förderung von gesundheitspositiven Verhaltensweisen abgesehen hat – ist es da ein Wunder, dass Diskriminerung im Alltag permanent und dauernd geschieht? Dass schiere und reine Verzweiflung so massiv wird, wenn man die Öffentlichkeit als Jemand tritt, der mehrgewichtig ist? Sich von Blicken verfolgt fühlt? Von einem Tuscheln, das nicht abbricht?

Natürlich nicht. Aber es wird nicht thematisiert. Ebenso wenig wie der Einfluss der Sendung auf Personen, die gerade aus einer Ess-Störung kommen oder eventuell durch die Sendung überhaupt auf eine Ess-Störung hinsteuern. Diäten sind der beste Einstieg dafür.

Und schließlich, aber nicht schlussendlich: Ess-Störungen

Dass Fernsehen immer noch einen großen Einfluss hat, ist unbestritten. Zudem die Verlängerung der Sendung in die Sozialen Medien ja nochmal den Druck verstärkt. In „Warum seh ich nicht so aus – Fernsehen im Kontext von Ess-Störungen“ wird dokumentiert, wie auch diese Abnehmsendung wirkt. „Denn mit der Sendung wird unhinterfragt der Zusammenhang von Dünnsein und Beliebtsein hergestellt. In Einzelfällen führte dies zu einem schlechten Gewissen und zur Motivation, ebenfalls so rapide abnehmen zu wollen. … Die Sendungen kultivieren die Themen Ernährung und Körperoptimierung als zentrale Kategorie für Identität, Anerkennung und Erfolg.“

Nur wenn ich schlank bin, bin ich beliebt. Nur wenn ich so bin wie alle Anderen bin ich etwas Wert. Nur, wenn ich dieses Challenge bei TikTok bestehe, habe ich Freunde*innen. Nur, wenn ich nicht so bin, wie ich eigentlich bin, bin ich in der Gesellschaft willkommen. Genau das bekommen Dick_Fette permanent aufs Brot geschmiert, dass sie dann noch nicht mal in der Öffentlichkeit wagen zu essen. Das „The Biggest Loser“ nicht per se in eine Ess-Störung führt, dass da auch die Wege vielfältig sind – unbestritten. Aber: Diese Sendung ist sicherlich auch mit für Etliches verantwortlich, was angeblich gesund sein soll. Tipps zum Abnehmen bietet die Sendung ja.

Es bleibt nur der Boykott von diesem Schrott

„The Biggest Loser“ verkauft das Ideal der Diätkultur: „Wir können alles schaffen genau wie die tollen dressierten Affen, wir müssen nur wollen.“ Sangen „Wir sind Helden“. Wie dressierte Affen werden die Teilnehmer*innen vorgeführt. Die Zirkus-Freak-Show der Vergangenheit reinkarniert sich als Unterhaltung für die Wenigen, die privilegiert genug sind – weil sie die richtigen Gene, die richtige Erziehung, die richtige Umgebung genossen haben. Gleichzeitig schafft die Sendung Verzweiflung. Sie erhöht den Druck auf alle „Versager“, sie bestätigt die Vorurteile, die gegenüber Dick_Fetten in der Gesellschaft herrschen. Schamlos frech eignet sich die Sendung den falschen Anschein an, dass es nicht mehr nur um die Kilos gehen würde. Wenn dem so wäre, warum das Preisgeld für die beste Abnahme? Sie entlässt zudem die Teilnehmer*innen ohne Handwerkszeug zurück in ihren Alltag – mit einem deutlich gesenkten Grundumsatz, der dazu führt, dass die Kilos zurückkehren werden auf längere Sicht und ja, dass es auch Gewinner*innen gibt, die immer noch schlank sind ist richtig. Aber wenn man bedenkt, wieviele Staffeln es mittlerweile und wie wenige Beispiele es für das Halten des Gewichtes gibt … dann darf man das als die Fälle an einem der Rand der Gauss’schen Normalverteilung ansehen. Wie es extrem Mehrgewichtige gibt, gibt es auch genügen Untergewichtige, die verzweifelt zunehmen möchten und es einfach nicht schaffen. Nur dass deren Geschichten immer nur dann hervorgekramt werden, wenn es um Soziale Medien und weibliche Teenager geht …

Letzten Endes bleibt nur das Abschalten von dieser Art des Trash-TVs. Was leider aber nicht so schnell passieren wird, weil die Quoten immer noch gut sind. Macht ja auch Spaß zuzusehen, wie mal auf Anderen herumgehackt wird als nur auf einem selbst – wenn man es dem Chef nicht zeigen kann, dann aber schon diesen faulen, gefrässigen Dick_Fetten das nächste Mal, wenn man sie wieder Burger in sich hineinstopfen sieht …

Nein, Herr Peters, mehr Sport ist nicht die Lösung

„Der Bewegungsmangel multipliziert sich in einem hochtechnologisierten Land, wenn Kinder stundenlang nur vor Computer, Smartphone oder Rechner sitzen. Die verlorene Zeit an Training ist nicht so leicht aufzuholen. Wann endlich versteht die Politik, die Gesundheitspolitik, dass dies ein gesellschaftliches Problem wird, wenn in unserem Krankenkassen-Versorgungssystemen schon bei Kindern Übergewicht und Diabetes brutal zunehmen. Da brauchen die Verbände und Vereine viel mehr finanzielle Unterstützung, um präventiv durch Sport Einhalt zu gebieten.“

Dieser Absatz findet sich in einem Interview der Sportschau mit Bernhard Peters. Es geht um eine Bilanz von Olympia und warum die Mannschaftssportarten so miserabel abgeschnitten haben. Herr Peters war mal Hockey-Trainer und ist jetzt zuständig für die Nachwuchsförderung. Seine flammende Rede wird sicherlich mal wieder Eindruck schinden und ich sehe schon alle Köpfe nicken: Ja, die Kinder sind ja sowas von inaktiv, die sind gar nicht so wir damals immer im Freien, die spielen nicht auf der Straße Fussball und überhaupt die böse, böse Playstation.

Gut, fangen wir mit der Vergangenheitsverklärung an. DAMALS lebten wir ja alle auf dem Dorf und da gab es VIEL Platz und man konnte klettern und spielen und so. Wenn Astrid Lindgren die Kindheit schildert, dann seufzen Etliche und sagen: Ja, so war das damals. – Ja, damals lebten aber auch schon Kinder in der Stadt und da ist das mit dem Klettern auf Bäume wohl etwas schwierig. Ebenfalls lebten damals Kinder auch schon in Stadtbereichen, in denen es allenfalls mal einen Spielplatz inmitten von Hochhäusern gab, die auch weit außerhalb des Stadtkerns lagen und wo es keine Sportvereine oder andere Angebote gab. Abgesehen davon, dass dieser Spielplatz eher den Junkies diente als dass man da seine Kinder hätte guten Gewissens hinlassen können. Dazu kommt noch der Leistungsdruck, den wir auf die Kinder ausüben. Da verkürzt man eben das Abi um ein Jahr und erwartet, dass die Schüler*innen genügend Freizeit für Sport haben? Außerdem mag nicht jeder Sport. Packen wir also die Schäfchenidylle mal beiseite. Abgesehen davon, dass das Leben auf dem Dorf hart war und Kinder schon früh im Betrieb helfen mussten. Aber nun denn.

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Peters vergißt, dass wir alle in Systemen leben. Kinder wachsen im System Familie auf. Was wiederum von etlichen anderen Faktoren beeinflusst wird. Ich würde auch mal annehmen, dass ein Sportverein nicht auf der unteren Stufe von Maslows Bedürfnispyramide liegt. Vielleicht bei sozialen Bedürfnissen, aber eher doch ganz oben bei Selbstverwirklichung. Das heißt: Wenn ich gerade in diesen Zeiten – Kurzarbeit rules – dafür sorgen muss, dass ich meine Grundbedürfnisse befriedigt bekomme, habe ich doch keine Zeit um mich um meine Selbstverwirklichung zu kümmern. Sicherlich gibt es Möglichkeiten, Kinder auch als Hartz-IV-Familie in einen Verein zu bekommen – es nennt sich Bildungspaket – aber welcher Sportverein hat denn als Mitgliedsbeitrag gerade die 15 Euro, die das Paket zur Verfügung stellt? Zudem: Ich offenbare mich ja als Arbeitslose*r, wenn mein Kind diesen Schein auf den Tisch legt. Man sollte die Schamgrenze nicht unterschätzen und es war auch nicht gerade einfach das Ganze überhaupt zu beantragen. Lieber Herr Peters, lassen Sie es sich gesagt sein: Manche wollen halt, aber sie können nicht. Dass dann Kinder und Jugendliche in ihrer Freizeit am Rechner kleben – ja, wenn die halt im Plattenbau leben, wo sollen die denn dann auch hin? Wenn die außerhalb der Stadt leben sind Fahrkarten echt ein Problem. Wie geschrieben: Wir müssen aufhören Dinge einzeln zu betrachten sondern die systemischen Faktoren mit berücksichtigen. Dann sieht das Bild des faulen Jugendlichen, dass Peters bewußt zeichnet anders aus – schließlich will er ja Geld von der Politik und als Lobbyist kann man auch ruhig mal Drama für die Bürger*innen machen, damit die dann der Politik auf die Nerven gehen.


Kommen wir mal zum Sport. Sport als DIE Antwort auf alle Probleme der Gesundheit ist erwiesenermaßen verkehrt. Da hätte Peters die Experten befragen können, es gibt genügend Studien darüber und das kann man sogar googlen. Sport alleine ist nicht die Antwort. Zudem: Diabetes ist eine Krankheit, die man nicht mit Sport verhindern kann, da sie auch zum größten Teil genetisch bedingt ist. Hast du Eltern, die Diabetes hatten, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass du ebenfalls Diabetes bekommen wirst – da kannst du dann so gesund leben wie du magst. Dass Adi+positas ein komplexes System ist und Sport wenn, dann nur eine winzige Stellschraube ist, ja, soll ich schon wieder die NHS erwähnen, die 2007 von einem Adi+positas-System gesprochen hat? Muss ich wohl. Seufz. Was jetzt nicht heißen soll, dass Bewegung generell nicht ihre guten Seiten hätte. Im Gegenteil: Dreißig Minuten Spazierengehen reichen schon pro Tag aus um z.B. den Bluthochdruck zu senken. Das Problem wiederum: Welche positiven Assoziationen habe ich als Kind, wenn ich mehrgewichtig bin, mit dem Thema Sport? Eher nicht so tolle, denn Schulsport – den spricht Peters ja auch an – ist der Ort für Diskriminierungen. Warum sollte ich also, wenn ich traumatische Verletzungen erlitten habe freiwillig in einen Sportverein eintreten wollen? Und gezwungenermaßen irgendwas zu machen endet in nur noch mehr Leid.

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Ich weiß auch nicht, warum Jede*r immer meint, Ernährungsexperte zu sein oder über die Umstände von Anderen urteilen zu können ohne sich mal im Detail mit Dingen zu beschäftigen. Dass Bewegung generell eine gute Sache ist, das ist ja ein Pfeiler bei HAES. Wenn aber jemand monetäre Motive offenkundig mit Unwissen über Diabetes verknüpft, sollte er lieber beim Hockey bleiben. Ich gebe ja auch keine sportlichen Ratschläge, wie man jetzt den Schläger halten soll …