Ich brauch deinen Diätratschlag für einen Sommer-Strand-Körper nicht, Tante Erika

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In diesem Jahr ist das besonders schlimm und ich habe den Eindruck, dass seit Januar schon über nichts Anderes geredet und geschrieben wird als darüber, wie man irgendwelche Kilos loswerden kann. Die Diät-Industrie versucht – bisher erfolglos, zum Glück – ja sogar Ostern als neuen Bezugspunkt für einen schlanken Körper zu etablieren. Jesus wäre es wohl egal, wie der BMI ausgesehen hätte, aber wenn man sich so Darstellung von Jesus in Kirchen anschaut ist Jesus erstens immer weiß, zweitens hat er immer einen Körper, bei dem der Bullshit-Index vermutlich eher stark untergewichtig anzeigen würde. Meine Güte, so oft wie die Rippen-Knochen bei der Kreuzdarstellung zu sehen sind … Jesus hat ja nicht extra fürs Kreuz abgenommen. (Er wurde ja vom Kreuz abgenommen, ha, ha, schlechtes Wortspiel. Ich darf das, ich arbeite bei der Kirche.)

Da die Temperaturen wieder steigen, mehren sich auch wieder die Stimmen, die erstens darauf bestehen, dass Dick_Fette Menschen sich gefälligst in lange, wallende Gewänder zu kleiden haben, schließlich möchte man ja das wabbelnde Fett nicht auf der Straße sehen und die zweitens fordern, dass kurze Hosen auch ein No-Go im Sommer sind. Dass solche Stimmen auch nicht immer sehr schick aussehen in ihren Tank-Tops oder mit ihren textilfreien Oberkörpern sei mal dahingestellt. Ich wohne im Ruhrgebiet, der Jogginghosen-Schlabber-Adiletten-Look ist hier normal. Nicht, dass ich das für mich so anziehen würde, aber es ist auch eigentlich entspannend so rumlaufen zu können, wie man möchte.

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Eigentlich angespannt ist die Situation ja erst dann, wenn man anfängt zu schwitzen – ja, sorry, kann ich nicht abstellen und ich möchte auch nicht das Hunde-Hecheln-Zunge-System übernehmen und wenn man es wagt, sich ein wenig luftiger zu kleiden. Kurze Hosen. Eventuell aufgeknöpftes Hemd, das verspielt über die prallen Windungen des Körpers dahingleitet, wenn der Wind auf kommt … Hach, bei jedem Six-Pack-Romanzen-Helden gerät da das Blut in Wallung. Bei Dick_Fetten auch, aber eher regen die das Blut von anderen an, weil ja das Fett zu sehen ist.

Mein Körper ist kein Fat-Suit, den ich nach Belieben an- oder ablegen kann wie es der Gesellschaft gerade passt. Mein Körper ist auch keine Pinnwand für Kommentare, Blicke oder für abstoßende respektloses Verhalten. Wann ist eigentlich die gute Kinderstube aus der Mode gekommen, in der man noch lernte, dass man fremden Onkels und Tanten gegenüber sich einigermaßen respektvoll benahm? Ah, das waren die Tage …

Wenn mir danach ist, dann laufe ich mit lose zugeknöpftem Hemd über meinem fetten Bauch durch die Gegend. Wenn mir danach ist, dann sind kurze Hosen fürs Wetter angemessen. Ja, wenn mir danach ist lasse ich den Oberkörper frei. Dass dazu eine ganze Menge Mut gehört weiß ich, aber bitte keine Komplimente. Mache ich ja auch nicht anders herum. „Du, ich finde das total mutig, dass so mit deinem Six-Pack-Oberkörper frei durch die Gegend läufst, boah, klasse!“

Ich sehe auch nicht ein meinen Körper zu verstecken, nur weil es Leuten nicht gefällt was sie sehen. Nur, weil ich nicht der Norm entspreche und auch nicht entsprechen will heißt das nicht, dass ich den ganzen Tag nicht ins Freie gehe. Wobei: Wir Dick_Fetten sollen ja uns bewegen, aber dann wiederum bitte so, dass es keinen Anstoß erregt … Ich errege immer Anstoß. Ich werde immer auf meinen Körper zurückgeworfen. Diese Erfahrung kann halt keiner nachvollziehen, der das Schlankheitsprivileg gepachtet hat. Wobei es noch schlimmer ist: Ich werde immer auf meinen Körper reduziert. Außer, ich bin irgendwie komisch. Dann reicht es vielleicht für den lustigen Sidekick im Hollywood-Film.

Einigen wir uns doch einfach darauf: Ich behalte meine Meinung über euer Aussehen für mich und ihr eure Meinung über mein Aussehen für euch. Deal? Deal!

Wobei: In welchen Größen gibt es eigentlich diese – wie heißen die Dinger noch – na – was mit Leder – für den Oberkörper – na – ich komm nicht drauf …