Barcamp Köln: Digital ist halt anders, aber nicht weniger gut

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Digitale Gremiumssitzungen – alter Hut. Ob Ausschüsse, Presbytertreffen, diverse Arbeitskreise – das klappt bei Kirchens auch per Zoom. Dass jetzt wieder mehr und mehr davon weggegangen wird, weil „das Analoge doch viel schöner ist“ – das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden. Denn es geht schließlich um das Barcamp Köln, dass in diesem Jahr am 09. April stattfand. Rein digital. Per Zoom.

Ich war vorher auch gar nicht skeptisch, weil die Breakout-Räume, die Zoom dann vor – hmm – zwei Updates? Drei Updates? – eingeführt hat es ermöglichen, dass man neben dem Hauptraum auch andere Räume zur Verfügung hat. Im Grund spiegelt sich hier die analoge Raumsituation wieder, nur dass man halt nicht durchs Gebäude rennt sondern sich per Klick von einem Raum zum nächsten bewegt. Was mit Zoom sehr gut funktioniert. Auch wenn es mehrere Räume sind.

Sicherlich fehlen gewisse Dinge im analogen. Raucherecken ebenso wie der Plausch an der Kaffeemaschine – das fehlt dann und kann zwar annähernd virtuell aufgefangen werden durch die Räume, aber klar: Da fehlt dann doch die Anwesenheitskomponente. Zugegeben. Gespräche im Gang entfallen dann auch.

Im Grunde aber hängt eine Veranstaltung auch immer von den Organisatoren*innen ab. Die stecken bei Barcamps ja nur Rahmenbedingungen: Also Räume, Essen – stimmt, das entfiel ja auch – Moderation. Das Programm selbst legen die Teilnehmer ja immer direkt vor Ort selbst fest. Beim Barcamp Köln sind es halt Urgesteine der Szene, da muss man sich keine Sorgen machen, dass da was schiefläuft. Auch virtuell übrigens nicht. Livestreams von Barcamps waren ja eh schon Usus. Womit wir dann auch wieder einen Schlenker zu Kirchens machen sollten …

Kirchliche Mitarbeiter*innen scheinen immer zu erwarten, dass man ihnen sagt, was am Ende des Tages bei einer Fortbildung, Weiterbildung, Seminar, Tagung, Konferenz rauskommen soll. Oder zumindest ist man gewohnt ein Programm vorher zu haben, dann kann man sich die Referenten*innen zurechtgoogeln und ist dann halt schon vorbereitet. Das kannst du bei Barcamps nur begrenzt, weil nicht alle Vortragenden ihre Sessions schon vorher ankündigen. Es steht auch nicht immer fest, ob alle Sessions dann auch gehalten werden, darüber wird ja am Tag des Barcamps abgestimmt. Das scheint tatsächlich eine Hürde für Mitarbeiter*innen der Kirchen zu sein. Abgesehen mal davon, dass man noch bei der Verwaltung durchsetzen muss, dass Barcamps tatsächlich Fortbildungen sind und nicht nur privater Freizeitspaß. Also das auch, aber … ihr wisst schon. (Wobei, wenn man Barcamps als Fortbildungen akzeptiert haben möchte und seine Fortbildungs-Urlaubstage dafür einsetzt: Vorher bei den Organisatoren anfragen, ob die eine Teilnahmebestätigung ausstellen. So mit Brief und Siegel.)

Mich wundert das. Kirchen reden selbstverständlich vom Heiligen Geist, trauen dann aber diesem nicht zu, dass dieser vor Ort auch mal wirksam sein kann. Ja, das kann auch bei einem nicht-kirchlichem Barcamp der Fall sein und in diesem Fall gab es eine ganze Programmschiene zum Thema Ehrenamt und Engagement. Durchaus kirchliche Themenfelder. Was wohl auch noch so einen Hemmschwelle ist: Dass man nur bei Kirchens zu Veranstaltungen hingeht, die kirchlichen Hintergrund oder kirchliche Aspekte haben. Dabei wären Barcamps im Sinne der beiden EKIR-Positionspapiere genau die Orte, die Kirche als Vernetzungsmöglichkeit gebrauchen und verstehen könnte.

Digital ist auf jeden Fall anders als analog. Das ist klar. Analog ist deswegen nicht immer unbedingt besser. Genauso wie es umgekehrt der Fall ist. Für die Zukunft könnte sich ein hybrides Format etablieren, dass nicht nur Livestreams der einzelnen analogen Sessions verfügbar macht – das gab es ja schon – sondern dass auch ein separater Track als Service für Leute im Netz angeboten wird. Eine Netz-Strecke sozusagen. (Ha! Wortspiel!)

Nach der Erfahrung am Samstag ist jedenfalls die Messlatte für die nächsten digitalen Veranstaltungen sehr hoch gelegt. Ich bin gespannt, was da noch kommen wird.