Konzentriert eure Kräfte auf Wichtigeres, liebe Buchhändler

Dagegen sein ist langweilig. Dann doch lieber was Kreatives machen. Wie Kunst. – Photo: Christian Spließ

Es ist die alte Geschichte: Solange es Amazon gibt, so lange wird es Kampagnen des Buchhandels gegen den Versandhändler geben. Ich frage mich ja, wann es die erste Kampagne gegen Fortnite geben wird. Denn wer Fortnite spielt, der liest nicht. Wer nicht liest, der kauft auch keine Bücher. Und Netflix und Konsortien sind ja auch noch da…

Man merkt vielleicht: So ganz kann ich diese ganzen Abwehrkämpfe der Buchhandlungen und Buchhändler – ob Ketten oder kleine individuelle Buchhandlungen um die Ecke – nicht mehr sehen. Gemeinhin gilt doch: Wenn in der Vergangenheit etwas nicht erfolgreich war, dann hat es keinen Sinn da noch mehr Energie reinzustecken als sonst. – Zudem: So erfolgreich ist die Kampagne <Heimat Shoppen> nun auch nicht, jedenfalls gibts keine Erhebungen oder Zahlen darüber, ob mehr Leute in der Innenstadt einkaufen gehen, wenn sie mit der Kampagne infiziert worden sind. Nun, die Papiertüten sind schon hübsch…

Aber immer wieder stürzt sich der Buchhandel auf Amazon. Sicherlich kann man den Giganten kritisieren, der geht mit seinen Mitarbeitern nicht gerade freundlich und nett um, der belastet indirekt die Paketboten, die eh schon gestresst sind – allerdings ist das Hauptproblem hier ja eher die <Selbstständigkeit>, in die die Paketboten gezwungen werden bzw. das outsourcen der Deutschen Post an diverse Unterfirmen. Man kann ökologische Aspekte gegen Amazon ins Feld führen – und es gibt halt eine Menge, die man kritisieren kann.

Kann ich beim Buchhandel aber auch. Da schließen sich jetzt in NRW die Mayersche und Thalia zusammen und ein neuer Großkonzern der Buchhandelsketten entsteht. Buchhandlungen verkommen mehr und mehr zu Gemischtwarenkramläden und verlieren ihr eigenes Profil. Teilweise fehlen Bestellmöglichkeiten auf der Webseite, teilweise ist die Webseite einfach grottig. Und wenn Autoren bei Facebook dazu aufrufen, doch bitte direkt beim Verlag zu bestellen per Internet, weil man dann den Buchhandels-Mittelsmann ausschaltet, dann muss ich das nicht weiter als Fehlschlag im System brandmarken, oder?

Wäre es nicht schöner und besser, wenn die ganzen geballten Abwehrkräfte gegen Amazon in neue, positive und innovative Projekte gesteckt werden würden? Man könnte neue Kreativität ausleben, man könnte neue Dinge erfinden oder einfach nur bestehende Dinge verbessern und optimieren. Man stelle sich vor, das ganze Geld für die Außenwerbung von Kampagnenplakatmotiven – was man damit alles positiv gestalten könnte. Man könnte sich einen Mediengestalter leisten, der frischen Wind in die Werbemittel bringt. Man könnte ungewöhnliche Werbemittel kaufen. Man könnte Veranstaltungen damit bezahlen, die jenseits der normalen Lesung sind. Natürlich könnte man auch einen Design-Thinking-Workshop für den eigenen Laden veranstalten. Die Mitarbeiter einfach mal fit machen für das Digitale. Und was weiß ich denn, was es noch so gibt, da fällt euch schon was ein.

Denn irgendwann werdet ihr mit dieser Antihaltung einfach nur dem Kunden auf die Nerven gehen. Und ich glaube, das wollt ihr nun auch nicht. Aber nun ja, Amazon ist halt ein schöner großer Feind, an dem kann man sich auch immer lobenderweise abarbeiten. Böser Goliath halt. Dann macht mal. Ich bin gespannt, wie lange das jetzt wieder geht und ob das nicht wieder im Sand versickert wie alle anderen Kampagnen. – Was macht eigentlich <Achtung Buch>?

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