Blick in die Kristallkugel: Was Digital wichtig werden könnte

Photo: Christian Spließ

Auf die Antwort, was das Neue Jahr bringen wird könnte man einfach mit Doris Day antworten: Que cera, cera, what will be, will be. Schließlich sind wir Menschen nicht in der Lage in die Zukunft zu sehen und mancher Trend auf den IT-Messen stellt sich statt als strahlender Schwan als bleierne Ente heraus. Wer hat einen Drei-D-Fernseher im Haushalt? Ebend.

Einige Themen aber werden auch uns in diesem Jahr beschäftigen – und falls meine Einschätzung im nächsten Jahr sich nicht bewahrheiten sollte, haben wir wenigstens mal ein wenig drüber gesprochen. Unter anderem: China. KI. Roboter und Assistenten und kommt endlich das Flugtaxi, das wir alle brauchen oder ist bis dahin der Flughafen in Berlin fertig?

Zuerst aber: Im letzten Herbst hat Amazon begonnen, sich im stationären Handel auszubreiten. Der Kauf von Wholefood hat zwar Aufsehen erregt, aber dass Amazon-Prime-Mitglieder dort ermäßigte Preise bekommen, das war weniger bei uns auf dem Schirm. Es dürfte klar sein, wo ich als Kunde persönlich lieber einkaufe: Dort, wo ich einen Rabatt bekomme oder dort, wo ich keinen habe. Zudem dürfte ein Großteil der Käufer eh schon Kunde von Prime sein. Amazon tastete sich dann Schritt für Schritt vor: Zuerst kamen Buchläden, dann führte man die kassenlosen Supermärkte ein. Das ist eine Salamitaktik, die nach und nach dazu führen wird, dass mehr und mehr Amazon-eigene Läden in den Innenstädten eröffnen werden und damit der Einzelhandel noch mehr unter Druck geraten wird. Werden wir das in Deutschland in diesem Jahr noch erleben, dass eine Amazon-Filiale der geballten Macht von Mayerschen-Thalia – die beiden großen Ketten haben sich gerade zusammengeschlossen – die Stirn bietet? Eher weniger. Falls die Läden aber in den USA funktionieren, dann werden wir in diesem Jahr mehr und mehr Versuche von Amazon sehen in die Innenstädte zu kommen. Vielleicht haben wir in Deutschland noch ein, zwei Jahre ohne Amazon-Filialen. Vielleicht. Wenn wir Glück haben.

Dabei könnte man den Eindruck gewinnen, Amazon würde die Weltherrschaft anstreben. Da wäre ich mir nicht so sicher, ob denen was wirklich gelingt. Denn AliBaba – und damit wären wir bei China – wird in diesem Jahr den Auftritt in Europa wagen. Das Logistik-Zentrum in Lüttich kommt nämlich. Und: Vor kurzem haben die schon mal ein Berliner Startup gekauft.  Gerüchte besagen, AliBaba würde sich auch für die Übernahme von Zalando interessieren. Dass AliBaba zudem Pläne hat eine eigene Platform für den Online-Handel zu launchen – und damit Ebay und Amazon in die Parade fahren möchte – deutet eher auf Weltherrschafts-Pläne hin. Der Einsteig von Huawei in die Smart-City-Planungen der Stadt Duisburg im letzten Jahr zahlt auf diese Pläne wohl mit ein. In diesem Jahr vermute ich, dass Amazon allmählich von AliBaba zwar nicht in Bedrängnis gerät, aber durchaus auf Trab gehalten werden wird. Und das auch bei Sprachassistenten, denn in China kooperiert BMW schon längst mit der Technologie von AliBaba. Und wenn das in China schon klappt, warum sollte BMW denn die Technik nicht auch hierzulande bzw. in Europa einführen wollen? Ganz bald?
Ob JD.com uns überraschen wird? Bleibt abzuwarten, aber ich vermute eher, dass AliBaba noch einige Überraschungen im Ärmel hat. Also: Augen auf und nach China gerichtet. Auch, wenn WeChat bei uns keine Rolle spielt, wenn es um Neuerungen und Innovationen geht – da wird WeChat so Einiges in diesem Jahr sicherlich zeigen können. Apple-Pay? Ich glaube, darüber lächeln die Chinesen gerade eher so müde…

Was im letzten Herbst so allmählich aufkam: Künstliche Intelligenz. Damit werden wir uns auch in diesem Jahr noch beschäftigen – wohl eher nicht mit ethischen Grundlagen und Fragen, die wir dringend diskutieren sollten, sondern mit der Technik an sich. Wobei: Das Wort ist zwar in aller Munde und wird es in diesem Jahr auch sein, jedoch so richtig verstehen und dann anwenden werden wir KI als normale Verbraucher in diesem Jahr noch nicht. Es wird noch eine Weile dauern, bis die Technik so weit ist, dass wir sie im normalen Alltag für uns nutzen können. Momentan werden wir noch von ihr sozusagen benutzt. Was sich auch in diesem Jahr eher nicht so ändern wird, wir werden noch jede Menge über Algorithmen und Künstliche Intelligenzen diskutieren ohne sie wirklich zu verstehen.
Und wie immer bei neuen Technologien werden wir in Deutschland Verfechter und Ablehner haben, die sich in Talkshows die Worte um die Ohren hauen werden. Das Narrativ von Frankensteins Monster und den Dystopien, die wir spätestens seit Terminator mit der KI verbinden, wird vermutlich eher den Ton der Debatte in Deutschland in diesem Jahr bestimmen. KI wird in diesem Jahr sich mehr und mehr in die alltäglichen Geschäfte eingliedern, so langsam und heimlich und ohne, dass wir es wirklich wahrnehmen werden: In Deutschland vermutlich eher zögerlicher was das Gesundheitswesen an sich belangt – wir haben ja schon die Gesundheitskarte nicht hinbekommen – aber bei Banken, Supermärkten und dem Verkehr mit Sicherheit. Und bestimmt auch im Bereich der Sicherheit. Zudem: Vernetzte Autos? Schon längst machbar.
Währenddessen kann man sich schon mal für den Job der Zukunft ausbilden lassen: KI Manager.

Apropos: Auch in diesem Jahr werden wir weder Flugtaxis noch selbstfahrende Autos en masse bekommen. Die Entwicklung von selbstfahrenden Fahrzeugen zieht eine Reihe von ethischen Fragen nach sich, die erst geklärt werden müssten. Etwa: Wenn das Fahrzeug einen Unfall verursacht, ist dann der Fahrer schuld oder der Wagen? Bräuchten selbstständig fahrende Fahrzeuge nicht so eine Art Erkennungs-Radar, damit sie notfalls bremsen, wenn ein Kind auf die Fahrbahn läuft? Inwieweit sind wir auch bereit, Kontrolle abzugeben? Bisher fahren zwar schon einige Autos durch die Gegend, mehr als <nett> ist das aber nicht.
Ehrlich geschrieben: Bei dem, was wir schon am Boden an Unfällen und unvorsichtigem Fahrverhalten verursachen sollten Flugtaxis im Bereich der SF bleiben.

Und wo wir bei Autos sind: eAutos werden in diesem Jahr auch keine Rolle spielen. Dafür haben wir zu wenig Tankstellen, so billig sind die Autos nun auch nicht und selbst, wenn wir jetzt an die Dieselfahrzeuge gehen: Die Leute werden in diesem Jahr auf Benziner umsteigen statt auf eAutos. Außerdem: Das ist eine Prestige- und Image-Geschichte. Wenn schon die Chefetagen in den Firmen sowas nicht nutzen – und sie könnten es ja rein theoretisch – dann brauch ich als kleiner Angestellter das halt auch nicht. Bringt mir keine Vorteile momentan. Durchbruch in diesem Jahr könnten die elektrischen Scooter haben wie von z.B. Razor.
Momentan bereitet die Straßenverkehrsordnung noch Probleme, aber das wird sich in diesem Jahr wohl lösen lassen. Ich meine: Wenn BMW auch schon dahintersteht, dann wird die Politik wohl wegen der Arbeitsplätze – hüstel – sich schon Etwas einfallen lassen.

Auch in diesem Jahr bleibt Blockchain etwas für Early-Adopter. Wie die Stadt Bocholt. <Ich erwarte noch Einiges von Bocholt übrigens in diesem Jahr. Wir werden sehen.> Hier fehlen einfach die Anwendungsfälle, die das dem normalen Nutzer verständlich machen. Zwar wird allenthalben von Bitcoin und Kryptowährungen – nun – geredet; diese Dinge hüllen sich jedoch in Mythen, Legenden und geheimnisvolle Geschichten. Oder versteht einer von meinen Lesern wirklich, was eine Blockchain ist und kann? Tja … Was sich konkret mit der Blockchain anstellen lässt jenseits von Kryptowährungen und Co. oder Strom- bzw. Logistik-Anwendungen – das wird in diesem Jahr noch auf sich warten lassen.

Zum Schluss: Social Media. Wer hat vorausgesehen, dass Podcasts derartig wieder im Kommen sind? Nein, ich auch nicht. Dank der Möglichkeit, diese Podcasts über die Digitalen Assistenten – ALEXA besonders – bereitzustellen, haben Podcasts sicherlich erneut an Popularität gewonnen. Zudem ist das Herstellen und Produzieren selbst mit einem Smartphone heutzutage möglich. Ich bin mir sicher, wir werden neue Podcasts in diesem Jahr erleben. Ob da die Technik was Neues bringen wird – eher wohl nicht. Muss ja auch nicht.

Der Durchbruch von Virtual-Reality kündigte sich im letzten Jahr in der Games-Branche an und ich denke, die ersten Mainstream-Anwendungen kommen dann in diesem Jahr auch für die Nichtgamer. Wobei: Ich glaube nicht an den Durchbruch von Drei-D-Photos. Ich rede nicht von Dreihundert-Sechzig-Grad-Panoramen oder sowas. Nein, ich meine wirkliche holographische Fotos. So nett das Gimmick auch jetzt für Facebook sein mag, solange man diese Photos nicht auch irgendwie mit Programmen am Computer selbst zugänglich greifbar hat – solange wird das nichts. Außerdem: Wir HABEN mit dem Nintendo-Drei-DS nun wirklich auch schon holographische Fotos gehabt, die genau das Problem bargen. Man bekommt sie einfach nicht so richtig aus dem Gerät selbst heraus… <Drei-D-Drucker? Mainstream? In diesem Jahr? Nö. Wirklich nicht. Das ist und bleibt weiterhin Nische.>

Oh, richtig, Mixed-Reality haben wir ja noch. Da gabs von Google-Glas jetzt nicht wirklich viel Neues, Microsofts Holo-Lense war auch nicht unbedingt in den Nachrichten – ich glaube nicht, dass wir da wirklich was Neues sehen werden in diesem Jahr.

Sonst noch was? Glitzer? Einhörner? Regenbögen? Klar. Frieden und Liebe und so? Ebenfalls. Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung? Logo. Ach so, euch fehlt was zum Thema Marketing? Na ja, YouTube macht auch was mit Stories. Ich weiß ja nicht, wer soviel Stoff für die ganzen Stories und für die ganzen Kanäle produzieren kann. Vor allem, wenn es auf die einzelnen Communitys abgestimmt sein soll. Facebook ist nicht YouTube und ist nicht Instagram. Und umgekehrt. Nach dem Storytelling und dem Content-Marketing gibts offenbar auch nichts, was am Horizont wirklich so als Trend aufscheint. Obwohl … moment … da war was. Stimmt: Mehr und mehr Firmen werden sich ihre eigenen Influencer heranzüchten. Bisher ist es so, dass Firmen die Reichweite von externen Influencern einkaufen, aber mehr und mehr scheint man der Ansicht zu sein: Warum einkaufen, wenn man es auch selbst machen kann. Was dann die Frage nach der Glaubwürdigkeit aufwirft, die wir vielleicht auch in diesem Jahr stellen könnten.

Last but not least: Die Roboter werden Arbeitsplätze vernichten und werden neue schaffen. Sehen werden wir das in diesem Jahr noch nicht, aber in den Medien wird das Thema sicherlich noch ab und an aufkommen. Und: Es ist Europawahl. Schaut euch bitte an, was die einzelnen Parteien so an digitalen Themen auf der Agenda haben. Ja, ich weiß, Europa ist momentan so unsexy und überhaupt, aber es ist schon wichtig sich rechtzeitig zu informieren. – <Die AfD sollte man allerdings nicht im Geringsten und im Mindesten als Alternative erwägen. Ich glaube, die haben eh nichts Sinnvolles zum Thema Internet und Digitalistan.>

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