Die Jahresversammlung der GLS 2018: Positive Gedankenanstöße

Pianolas und DunDun im Audimax

PianoPlus und die Gruppe DunDun im Audimax Bochums. Eigenes Photo.

Jedes Jahr lädt die GLS-Bank zur Mitgliederversammlung in das – der – die – ins Audimax der RUB Bochum und das Nette ist: Wer am Freitag sich einfach anmelden möchte, kann das als Gast tun ohne irgendwie mit denen verbandelt zu sein. Da ich seit einiger Zeit da ein Konto habe, kann ich natürlich nicht unbefangen tun und sein. Dass die Gründer der Bank aus dem Kreis der Antroposophie kamen, das ist mir durchaus bewußt – auf der Webseite kann man sich ja mal die Stellung der GLS-Bank dazu durchlesen wie das heute so ist  – und das gab und gibt auch immer wieder Anlass zu Kritik. Keine Frage. Als aktiver Protestant kann ich mit dem Weltbild Steiners auch nichts anfangen. (Mann, der hat bisweilen wirres Zeug niedergeschrieben…) Das mag andererseits umgekehrt für andere Leute gelten, die so ihre Probleme mit der Kirche an sich haben. Insofern: Touche.

Für mich ist eher die Frage: Welche Bank geht sinnvoll mit meinem Geld um und welche Bank stellt die gesellschaftlich relevanten Fragen. Mit Sicherheit gehören da einige Banken nicht zu. Und sicherlich gibts auch jede Menge kirchliche Banken, aber ich persönlich finde mich dann doch eher bei der GLS-Bank wieder. Dass Kirche an sich auch was mit „Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung“ zu tun hat – und damit auch Grundwerte gemeinsam mit biologisch-grünen Bewegungen  – überrascht die Leute ja immer irgendwie aufs Neue:

Der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) hat bei seiner Vollversammlung 1983 in Vancouver zu einem konziliaren Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung aufgerufen.

Damit begann eine globale Reformbewegung zur „Umkehr in die Zukunft“ mit dem Ziel, Umweltzerstörung, Ungerechtigkeit und Unfrieden zu analysieren und zu überwinden. Die Agenda 21, ein von der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung 1992 beschlossener Aufgabenkatalog für das 21. Jahrhundert, wird wesentlich vom konziliaren Prozess getragen. (…) In der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) befinden sich Gruppen des konziliaren Prozesses seit 1991 in einem geregelten Dialog mit der Landeskirche. 1994, 1998 und 2002 fanden Konsultationen zwischen Kirchenleitung und konziliaren Gruppen statt, in denen unter anderem die Bearbeitung zentraler Aufgaben festgelegt wurden: zum Beispiel „Kirchen in Solidarität mit den Frauen“, Erlassjahr-Kampagne, Bioethik-Debatte, gewaltfreie Konfliktbearbeitung, Dekade zur Überwindung von Gewalt, lokale Agenda 21, Dialog mit anderen Religionen und Kulturen. (Die Landeskirche d.A.)  geht davon aus, dass arbeitsteilige Kooperationen ganzheitliche Zukunftsdebatten ermöglichen.

Also so weit auseinander ist Kirche da manchmal doch nicht, aber Vorurteile sind halt hartnäckig. Wie dem auch sei: Auf der aktuellen Jahresversammlung bzw. auf dem Vorabend – die eigentlich Jahresversammlung ist am Samstag – sind in der Diskussion am Lagerfeuer einige Gedanken aufgekommen, die im Nachgang bei mir noch etwas brodeln. Was folgt ist teilweise ein Zusammenfassung, teilweise ein Zuspitzung von dem, was debattiert wurde. (Und irgendwie war Kirche dann in der Diskussion doch Thema, als es um das Verhalten des Domprobstes in Köln bei PEGIDA-Demonstrationen ging…)

Narrative spielen eine Rolle, wenn es um die Gesellschaft geht. Jahrelang hat man gepredigt, das Boot sei voll – ja, das Spiegel-Cover dazu ist lebhaft im Gedächtnis aus den 80gern – lange Zeit hat man gesagt, wir sind in Deutschland kein Einwanderungsland. Das ist eine Erzählung, die nun das hervorgebracht hat, was wir momentan beobachten: Eine Beherrschung der Diskussionsgesellschaft durch Randgruppen wie die CSU und die AfD. Dass bei der Bundestagswahl die überwiegende Mehrheit NICHT die Neuen Rechten gewählt haben und dass diese Mehrheit auch ein Recht darauf haben, dass deren Themen diskutiert werden – das wird übersehen.
Wir brauchen neue Narrative. Wir können Menschen über Emotionen und über das Herz besser erreichen, als wenn wir reine Fakten herbeten. Das stellt sich in der Diskussion mit den Neuen Rechten ja auch immer heraus: Diese Weltsicht ist so dicht bei denen, dass gegenteilige Fakten gefiltert und ignoriert werden. Was nicht heißt, dass man komplett aufgeben sollte. Aber vielleicht einfach mal gute Beispiele aufzeigen würde sicherlich uns etwas weiterbringen.

Dass Politik uns als Konsumenten anspricht und selten als Bürger ist ebenfalls etwas, was thematisiert gehört – schon Städte haben ab und an Probleme, wenn Bürger auf einmal aktiv werden und Gegenentwürfe aufstellen, da muss man in Duisburg nur an den Wagenpark und das Umgehen der Politik damit denken oder an die Tatsache, was von all den Ideen für die Bahnhofsplatte von den Bürgern nun übriggebliebene ist. (Die Politik macht dann am Ende eh wieder, was sie will – das ist nicht gerade das beste Bild.) Ob nun Bürgerbegehren wirklich immer das Mittel zur Lösung gesellschaftlicher Probleme sind – siehe Brexit, siehe Moscheen-Verbot in der Schweiz – das ist die Frage. Immer öfter aber hat der Bürger das Gefühl, an Prozessen nicht beteiligt zu werden. Dass er dann nicht selbst aktiv wird, um das zu ändern, das ist halt die andere Geschichte. (Und selbst wenn man voller Elan das Gute will, kann man durchaus auch kaltgestellt werden.)

Bildung ist auf jeden Fall wichtig – also alle dreieinhalb Jahre, dann steht das auf Plakaten und dann ist das Thema wieder gegessen. Die Bilanz z.B. in NRW nach 100 Tagen neuer Regierung ist nicht gerade positiv. Zugang ist wichtig. Bildungsgerechtigkeit ebenfalls. Und Bildung heißt auch neben Zahlen, Daten, Fakten den Umgang mit dem Nächsten erlernen. Herzensbildung betreiben. Verständnis ausprägen. Was aber angesichts von G8-G9-neee-doch-wieder-G8-Debatten untergeht. (Und Inklusion und Schule ist eh wieder in der Versenkung verschwunden, das wird nicht debattiert.)

Wenn wir uns darüber verständigen möchten, wie wir leben wollen – zukünftig – brauchen wir keine Streitkultur des Niederbrüllens. Also auch keine Talkshows. Wir brauchen eine Dialogkultur. Dem Anderen einfach zuhören ist verdammt schwer, aber es ist notwendig. Und sich eingestehen: Es gibt manchmal das Unwissen, die Unsicherheit, es gibt ab und an keine richtige oder falsche Lösung. Es gibt aber Ansätze, wie wir die Gesellschaft bilden können. Uns ist momentan überlassen, ob wir die Ränder brüllen lassen oder eher im sanften Wind miteinander reden. (Übrigens: Schon Gott hat eher das mit dem sanftem Wind vorgezogen…)

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