Es ist nicht mehr das Star Wars meiner Jugend, was total in Ordnung ist, aber…

Sagen wir: Star Wars hat mich definitiv mit VII verloren, „Rogue One“ war dann zwar anders und richtig dreckig, aber irgendwie nicht mehr meins. Das Problem ist, dass man irgendwann aus dem Alter rauswächst, in dem man akzeptieren kann, dass Charaktere nur gut oder nur böse sind. Man kann die Geschichte des Guten Imperiums, das sich gegen das Böse Imperium wehrt, natürlich ad infinitum weitererzählen. Und es gibt gute Geschichten, die man aus diesem Konflikt machen könnte. „Star Wars VII“ aber und „Rogue One“ – und gerade „Rogue One“ hätte es ja können, weil der ja anders ist – recycelten im Grunde das, was die Original-Trilogie ausmachte.
 
Ja, sicherlich – Luke Skywalker hat als Charakter in „A New Hope“ nun auch keine ausgefeilte Persönlichkeit gehabt. Eigentlich hatte die gar keiner der Protagonisten, weil die „Flash Gordon“ und die anderen Serials da auch keine hatten. (Dale Arden als Dame in Nöten sag ich nur.) Aber 1977 hatte „Star Wars“ immerhin Glitzer im Haar, die Weitschweifigkeit des Weltraums und verfügte über einen Goldenen-Sonne-über-weitschweifigen-Weizenfeldern-auf-fernen-Planeten-Soundtrack. Ach und über etwas, was „Macht“ genannt wurde. (Und was mit Midichloridingsda später entmystifiziert wurde. Toll, George. Nicht.)
 
Ich habe keine Ahnung, ob der neue Teil – VIII – gut oder schlecht ist. Die Trailer haben bei mir jedenfalls keine Emotionen erweckt, sie waren mir irgendwie egal. Wobei: Boah, Kylo Ren hat mich als weinerlicher Teenager in VII sowas von genervt. Da hatte selbst Darth Vader in den ersten Minuten ja mehr Charisma. Komplett mit Helm und Maske übrigens. (Ich verteidige übrigens immer noch die Stimme von Darth Maul, weil Peter Seraf-, Serafiwo-, na, der Dwayne Bansey aus „Spaced“ einfach eine gigantische Stimme hat. Huh!) Jedenfalls: Ja, da kommt halt jetzt die nächsten Jahre zu Weihnachten immer ein neuer Star-Wars-Film in die Kinos. Filme, in denen neue Charaktere aufgebaut werden – so in fünf Minuten vermutlich – und in denen Charaktere sterben werden. Vermutlich dann auch in fünf Minuten gegen Ende, wenn sie ihre Plot-Relevanz erfüllt haben und die Drehbuchautoren nicht mehr wissen, was man mit den Figuren anstellen soll.
 
Meinetwegen. Ich möchte ja kein Spaßverderber sein und behaupten, früher war alles total super – weil wir bis auf diese Specialedition, die es nur noch bei eBay gibt, das gar nicht mehr beurteilen können oder hat jemand noch die alten VHS-Kassetten? Also die Hardware zum Abspielen derselben? Tja. Früher war alles halt eine Frage der Perspektive: 1977 kann ich natürlich den ersten Teil nicht im Kino gesehen haben, aber „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ schon. Ausgerechnet den Teil mit den Kuddelplüschbären, die irgendwie Krieger sein sollen, aber schön. Früher jedenfalls hat das Gut-Gegen-Böse-Märchenschema ja durchaus funktioniert. Tut es heute auch noch eigentlich, aber wenn eine Filmreihe in die Jahre kommt und offenbar auf Nummer Sicher setzt – wie gerne hätte ich einen grauen Charakter mal gehabt, wie gerne mal Selbstzweifel gesehen. Im Alter lernt man: Die Welt ist nicht nur total gut oder total böse. Die Welt ist grau. Und wenn man dann genügend andere Filme zum Vergleichen hat, die definitiv mehr bieten können als nur Märchen…
Es ist nicht das Star Wars meiner Jugend? Nicht ganz. Es ist halt fast genau wie das Star Wars meiner Jugend. Genau das aber sollte es eigentlich nicht mehr sein. Genau das stört mich momentan allerdings auch an den Marvel-Superhelden-Filmen: Sie wagen nichts mehr. Schön, „Guardians of the Galaxy“ 1 und 2 sind total okay und machen Spaß. Weil sie halt etwas wagten: Eine Gruppe von Superhelden, wir wir total nicht kannten auf irrwitzige Abenteuer zu schicken. (Und im zweiten Teil gabs sogar Charakterenwicklung? Meine Fresse!) Star War setzt momentan alles auf die sichere Karte, VII recycelte eine Menge von alten Plotklischees. Und wenn jemand sagt, dass „Rogue One“ ja durchaus was wagt: Ja. Aber die Charaktere in „Rogue One“ sind mir völlig egal. Und da die am Ende eh alle drauf gehen – ups, Spoiler – investiere ich gegebenenfalls Emotionen, um am Ende dann irgendwie leer aus dem Film rauszugehen.   Weil dieser Film im Grunde nichts bedeutet. Müssen wir um Star Wars zu verstehen wirklich WISSEN, wie die Pläne an die Rebellen gekommen sind? Nö. Ja, der Film schließt eine Lücke und ja, das ist ganz nett aber – er füllt halt seine Zeit mit netten Bildern und einer Geschichte, die man nicht braucht.
Ob VIII genau das auch tun wird, keine Ahnung. Interessiert mich auch nicht. Ehrlich gestanden freue ich mich weitaus mehr auf „Jumanji“, einem Action-Dschungel-Popcorn-Film. Von dem weiß ich aber unter Garantie, dass der nicht mehr sein möchte als eine unterhaltsame Geschichte. Für Popcorn. Und für Cola. Mir ist ein Film lieber, der weiß, was er ist als einer, der mythisch angehäufte Charaktere hat, die einfach auserzählt sind und der neue Charaktere bringt bei denen die Autoren offenbar nicht so recht wußten, was sie mit ihnen anstellen sollen.
Und jetzt dürft ihr mich gerne einen verbitterten, alten Sack nennen, der keine Ahnung davon hat, wie man ein Franchise angemessen in das Jahr 2017 befördern kann. „Star Trek“, hüstel, aber okay, Serie gegen Film auszuspielen ist wie Orangen mit Zitronen zu kreuzen…
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