Weihnachtsberufs-Stress

Kirchliche Feiertage werden von Kollegen der Kirchenmusik gerne auch etwas despektierlich als „Kampftage“ bezeichnet. Wenn man sich vergegenwärtigt, wieviele Gottesdienste das sind, die man gegebenenfalls alleine spielen muss – die Choräle sind eigentlich nicht das Problem, das schafft man sich über die Jahre ja drauf, aber jeder Gottesdienst sollte – SOLLTE – nach Möglichkeit ja auch noch ein Vor- und ein Nachspiel haben, von der Begleitung während des Abendmahls mal abgesehen. Da kommt bei vier, fünf oder mehr Gottesdiensten – um Ostern sind das eher mehr wegen der Osternacht meistens, allerdings gibts noch Extraveranstaltungen in den Gemeinden wie Taize-Gottesdienste, Adventsandachten – doch, gibts! – dann die diversen Weihnachtsfeiern, wo man eventuell gebeten wird zu begleiten… Kurz: Schon Ende November ersehnt man den 2. Januar, schließlich ist dann Silvester durch und die Neujahr-Gottesdienste ebenfalls.

Natürlich mache ich den Job gerne. Natürlich entwickelt man sich auch: Choralvorspiele oder Choralbegleitungen mache ich nicht mehr nach irgendwelchen Sätzen aus Büchern, es sei denn, es ist unbedingt für die Weiterbildung, sondern mir reichen Akkord-Angaben mittlerweile und Vorspiele improvisiere ich dann meistens. Das klappt halt mal gut, mal weniger gut, aber immer noch besser als Manches – betonte Großschreibung! – was da einem in den berüchtigten dicken Begleitbüchern für die Orgel vorgeschlagen wird. Da sind manchmal Sätze drin, das glaubt man gar nicht… (Abgesehen davon: Für Neue Geistliche Lieder gibts ab und an auch gar keine Sätze sondern nur Akkorde. Insofern…)

Jedenfalls: Vor lauter Vorbereitungen – und vor lauter Absagen, weil man zu Silvester halt nicht unbedingt größere Strecken zurücklegen kann, wenn man kein Auto hat und dementsprechend größere Familienfeierlichkeiten wegen Silvester- und Neujahrsdienst eher – ähm – schwierig sind, abgesehen davon, dass man ja nicht von der Orgelbank am nächsten Morgen runterfallen möchte… Es ist halt schwierig, die eigene Balance zu wahren und sich nicht vor lauter Arbeit zu verlieren.

Was vermutlich für jeden Beruf gilt. Logisch.

Und Zeiten, in denen die Arbeit auf einen zurollte und man nicht ausweichen kann: Die gibts auch in allen Berufen und zu jeden Zeiten. Da ist der Kirchenmusiker eigentlich ja noch glücklich dran, immerhin weiß er ganz genau, dass regelmäßig diese Zeiten vorkommen und kann dann diese genau planen. Das Programm bis Ostern nächstes Jahr? Steht für meinen Chor schon fest. (Gut, auch damit die Pressestelle rechtzeitig für den Flyer der Kirchenmusik insgesamt die Termine feststehen hat…)

Und es sei auch eingestanden: Natürlich macht es Spaß, wenn an Feiertagen die Kirche voller ist als sonst in der Woche. UND MAN SCHÖN DIE ORGEL LAUTSTELLEN KANN, OHNE DASS SICH SONST JEMAND BESCHWERT, WEIL DAS HALT SO SEIN MUSS AN WEIHNACHTEN! WO IST DAS ZIMBEL-REGISTER?

Insofern: Es hat alles sein Vorteile und seine Nachteile. Und ja, es ist natürlich doof, wenn man am Heiligen-Abend abends nochmal rausmuss und die Familie schnuckelig im Wohnzimmer… MOMENT MAL! DIE WERDEN NATÜRLICH MITGENOMMEN! ALSO WENIGSTENS EINMAL IM JAHR KÖNNEN DIE AUCH MAL EINEN BEI DER AREIT ERLEBEN! SO! 🙂

 

 

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