Mit dem Smartphone in die Oper: Wuppertal, Rigoletto und App

IMG_4931„Dass du aber auch schön dein Smartphone vorher auflädst, die Oper ist lang.“ – Das ist kein Hinweis, den man sonst bekommt wenn man in die Oper geht. Normal ist ja: Man zieht sich einigermaßen schick an, steckt sich etwas Geld in die Tasche für die Brezel in der Pause und das Getränk und vielleicht schaut man sich vorher nochmal kurz die Handlung an, wenn man denn mit der Oper an sich nicht so vertraut ist. Aber mit dem Smartphone in die Oper? Also mit einem angeschalteten, funktionierendem Smartphone? Wie geht das denn?

In Wuppertal. Mit #Shareyouropera und der Opera-Guru-App. Das ist eine App, die für Operneinsteiger genauso konzipiert wurde wie für alle, die neugierig hinter die Kulissen blicken wollen. Und damit der Strom nicht ausgeht kann man vor der Vorstellung auch noch eine hauseigene – gebrandete! – Powerbank gegen Pfand oder gegen 10,- Euro erhalten. Diese Idee gibts ja schon länger bei Marketing-Messen – da gibts auch so etwas wie eine Strombar, das wäre dann noch ein Schritt in Richtung Stromlieferant, irgendwie ist das Konzept aber nicht über Messen hinausgekommen. Vielleicht der nächste Schritt…

Jedenfalls: Für #shareyouropera sind bestimmte Plätze reserviert, damit man den Rest, der ohne Smartphone ungestört die Oper genießen möchte, nun nicht all zu sehr stört. Und da die App dunkel gehalten ist, man das Display dann auch noch runterschrauben kann, ist die Helligkeit tatsächlich kaum ein Problem. Ebenfalls kein Problem ist das Hin- und Herschalten zwischen der Bühnenhandlung – „Rigoletto“ in dem Fall – und dem gelegentlichem Blick aufs Smartphone. Häufige Operngänger sind das ja schon gewöhnt, das mit dem Teilen der Aufmerksamkeit. Schließlich kann nicht jeder Italienisch, Französisch oder in welcher Sprache die Oper sonst noch aufgeführt wird und daher linst man immer ein wenig auf die Obertitel, damit man erfährt warum denn jetzt der Tenor in seine Arie ausbricht und was er da eigentlich singt.

Sinn macht die App auf jeden Fall. Besonders spannend sind natürlich die Blicke hinter die Kulissen – ein Zeitraffervideo vom Kulissenumbau etwa entzückt. Während der großen Arien bekommt man bei „Rigoletto“ keine Informationen, damit man sich voll auf die bekannten Stücke – „Caro nome“ etwa – konzentrieren kann. Und während Obertitel in der Regeln für Sekunden da sind hat die App den Vorteil des Nachblätterns – selbst wenn man jetzt gerade ein wenig den Faden verloren haben sollte, kann man sich schnell auf den neuesten Opernhandlungsstand bringen. Gut, „Rigoletto“ ist von der Handlung her sicherlich dankbarer als „Il Trovatore“. Die Oper mit den zwei Brüdern, der eine heißt gar nicht so wie er richtig heißt und statt seiner verbrennt der Bruder dann irgendwie… Ähm. Aber der Zigeunerchor ist hübsch. Manchmal hatte Verdi auch kein gutes Händchen für sein Libretti, aber Schubert erging es ja da auch nicht viel besser. Bei „Rigoletto“ hat man den Vorteil, dass die Handlung gut nachvollziehbar ist und klar, man wartet natürlich auf „Caro Nome“ und „La Donna Mobile“. Und abgesehen davon: Die Wuppertaler Inszenierung ist grandios.

Verbesserungen an der App sind natürlich immer möglich: So ist die Teilungsfunktion noch nicht wirklich passabel – bei Twitter muss man den Hashtag noch per Hand einfügen etwa und bekommt nur den Link zum Bild, den Twitter dann zwar umwandelt aber ohne Kontext ist das halt nur ein Bild. Ein wenig fehlt auch die Konversation über die App – das ist man gewohnt, wenn man bei Twitter was postet, normalerweise reagieren die Leute darauf. In der App sieht man das leider nicht, schaltet also meistens zwischen Twitter, Facebook und der App hin und her und auch eine „Hallo, ich bin hier“-Funktion wird wohl noch nachgeliefert. (Wobei man ja eigentlich Foursquare mit einer API abgreifen könnte?) Und die Bilder, ja, die Bühnenbilder etwa, die hätte ich gerne noch ein wenig größer machen gewollt, einfach um einige Details mir genauer anzuschauen.

Insgesamt gesehen ist das allerdings ein sehr großer Schritt nach vorne: Ein funktionierendes WLAN im Gebäude, die Option sich eine Powerbank zu leihen und dann die App als solches, die während der Aufführung Informationen liefert und einen weiteren virtuellen Raum eröffnet, also auch eine Vertiefung des Erlebnisses darstellt. Das ist in Wuppertal sehr gut gelöst und sollte Schule machen. Demnächst also: „Smartphone aufladen! Wir gehen in die Oper.“

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