Ich mach mich vom Acker, liebe Kirchengemeinde

Liebe Gemeinde Neudorf-West,

man sollte nicht einfach so gehen ohne vielleicht ein paar Worte zu verlieren. Ich möchte die Zeit mit dir nicht missen, im Gegenteil ist haben wir wirklich eine schöne Zeit gehabt. Bis zu dem Zeitpunkt, wo du mich im Regen hast stehen lassen. Und von daher: Ich habe jetzt noch ein Jahr versucht, mit dir auszukommen. Ich muss gestehen, es geht nicht.

Das Vertrauensverhältnis zwischen den Pfarrern und mir ist extrem erschüttert worden. Das klingt jetzt dramatisch, ist es nicht. Es ist einfach nur eine Feststellung. Es ist halt so, dass wenn man für eine bestimmte Aufgabe sich anbietet und dann genommen wird, man diese Aufgabe so gut wie möglich erledigen können möchte. Ich habe die Webseite der Gemeinde gern gemacht, ich habe das Grundlagenwerk – die Präsentation zu Beginn war knapp 30 Folien stark – euch ausgestellt, ich war immer ansprechbar, ich habe nur einmal – EIN EINZIGES MAL – ein Treffen mit euch versäumt. Aber schon das war Grund genug offenbar zu meinen, ich sei unzuverlässig.

Aber: Ihr habt das ja so geplant. Ja, ich glaube, ihr habt mich bewußt vor eine Wand laufen lassen. Erstens habt ihr schon gefragt, ob die Webseite online sei während sie noch von einem Server auf dem anderen umzog. Ein Prozeß, der dauerte. Geduld hattet ihr nicht. Und dann habt ihr mich alleine gelassen. Ihr habt mir nie gesagt, was ihr für die Webseite wirklich haben wollt. Alles, was ich nachträglich installier habe war anscheinend nicht gut genug.

Ja, ihr habt mich bewußt vor die Wand laufen lassen, liebe Presbyter, das sehe ich jetzt ein. Weil ich nämlich nicht in eure kleingeistige Welt passe, in eure Politik des „Inneren Kreises des Inneren Kreises“, in eure Seilschaften. Ihr habt es euch so bequem gemacht, habt eure Aufgaben aufgeteilt und klar: Für euch ist alles super. Für einen Außenstehenden wie mich, der mit Elan bei euch arbeiten wollte, der immer offen dokumentierte was los war – und der nichts dafür kann, wenn der Server, auf dem die Webseite lief nun einige Male nicht erreichbar war und im Quellcode Fummelei war – aber das habt ihr nicht verstanden. Ihr habt ja sogar Mails mit Fragen an mich geschickt, ohne dass ich in der Mail richtig adressiert worden wäre. (Ich habs nur über Umwege erfahren, später.)

Und dann habt ihr eines Tages euch wohl gedacht: Der Junge ist lästig. Der denkt selbstständig. Der fragt. Der kann was – auch wenn wir das noch so oft bezweifelt, ich habe euch so oft meine Referenzen um die Ohren gehauen, ihr wolltet die nicht lesen oder verstehen. Das Internet ist euch lästig. Das muss man halt so machen, aber Schaukästen sind doch auch wirklich noch topaktuell als Medium. Ihr habt eine Informationspolitik, die wirklich zum Kotzen ist. Auf Fragen von mir kam teilweise gar keine Antwort. Also hab ich entschieden, was das Beste wäre. Und das war natürlich falsch, weil es nicht von euch abgesegnet gewesen ist.

Ihr hättet das alles persönlich und besser klären können, hättet mich einladen können in eine Sitzung, hättet mir genau sagen können was ihr wolltet. Das wolltet ihr aber nicht, ihr wolltet, dass ich scheitere. Und dann habt ihr vielleicht gedacht, ihr könntet die Früchte meiner Arbeit einfach so übernehmen… Was ich euch nicht unterstelle, aber natürlich läge das Nahe. Aufbauarbeiten sind immer doof. Machen Mühe. Schweißtreibend. Und ihr, die ihr nicht wisst wie das Internet geht, die ihr auf nichts reagiert außer auf böse Mails von mir, die aber böse sein müssen, weil ich keine Lust auf ein Schwarzes Loch habe…

Aber egal. Ihr werdet das hier eh nicht lesen, werdet nicht verstehen, dass man mit ehrenamtlichen Mitarbeitern nicht so umgehen kann, wie ihr denkt, dass man das könnte.  Ich freue mich euch mitteilen zu können: Ich gehe. Ich lasse mich Umgemeinden. Ich habe ein Jahr noch versucht was zu bewegen, erst jetzt kommt ihr auf die Idee mit mir zu reden? DER ZUG IST ABGEFAHREN! Und setzt sich in Richtung Beeck-Bruckhausen in Bewegung. Mag sein, dass dort nicht alles eitel Harmonie ist – aber dort schätzt man meine Arbeit und man redet mit mir. Oder um es mit Mark Foster zu singen:

„Es gibt nichts, was mich hält, au revoir
Vergesst, wer ich war
Vergesst meinen Nam’n
Es wird nie mehr sein, wie es war
Ich bin weg, au au
Au, au, au revoir
Au revoir“

Euer Christian Spließ

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2 Gedanken zu „Ich mach mich vom Acker, liebe Kirchengemeinde

    1. „Unverantwortlich, das alles Öffentlich zu machen!“ – Aber als ich versuchte das Intern zu regeln, Kommunikation einforderte, nett und freundlich war und dachte, das regelt sich schon noch – was habt ihr da getan? NICHTS…

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