Essen hilft – das ist das Problem, Jerry!

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Natürlich würden Ben und Jerrys sagen, spräche man sie auf diese Reklame an, dass der Mensch einen Verstand hat und dass jeder für sich selbst verantwortlich isst. Also ist doch an der Reklame nichts auszusetzen, gelle? Denn bestimmt hat jeder mal einen schlechten Tag und jeder hat mal ein Problem, dass man mit einer Portion süßem Eis hinwegschlabbern kann.

Dennoch finde ich diese Werbung alles andere als verantwortlich und gerade für Leute, die andere Erfahrungen mit der Droge Essen gemacht haben, ist sie ein Schlag ins Gesicht. Denn die Aufforderung, sich doch bitte was zu gönnen wenn einem schlecht zu Mute ist führt bei Etlichen dazu, dass sie genau ein solches Verhalten verinnerlichen um mit ihren Problemen fertig zu werden. Und da es nicht nur ein sondern viele Probleme am Tag gibt, die man ja weg-essen kann oder könnte kommt es dann zu dem Phänomen, dass sich nicht ein Schälchen sondern ganze Becher von leckerem Eis an einem Abend in den Magen versenkt werden. Einfach, weil es natürlich einfacher ist seine Probleme, seine Langeweile und seinen Frust mit einem Becher Eis hinwegzuschlürfen.

Sorry, aber solche Werbung ist einfach Mist. Sie zeigt aber das Doppelgesicht unserer Gesellschaft wenn es um eine bestimmte Gruppe geht – die der Adipösen. Auf der einen Seite nämlich werden die mit Idealvorstellungen geradezu beworfen – dabei weiß doch jeder, dass die Models gephotoshoppt werden auf den Plakaten und wenn Heidi Klum sich bei McDonalds einen Burger für einen Werbeclip reinwirft heißt das ja noch lange nicht, dass das Zeug auch gesund ist.
Auf der anderen Seite wird Nahrung aber dank Food-Designern – einen Berufszweig, den die Reklame erst erfunden hat – und den geschickten Inszenierungen so ins rechte Licht gesetzt, dass man sich fragt, ob die Macher denn jetzt wirklich wollen, dass die Adipösen adipös bleiben – denn dann setzen sie natürlich mehr ab, weil ja alle Adipösen sooo verfressen sind und sich nicht beherrschen können, blödes Vorurteil, aber so ist das – oder ob die einfach den Schuss nicht gehört haben.

Lieber Ben, lieber Jerry: Überdenkt bitte die Kampagne noch mal.