Nein, ich muss als Social-Media-Arbeiter nicht in allen Netzwerken aktiv sein! Wirklich nicht!

IMG_0049Geht es Ihnen, liebe Leser, nicht auch manchmal so, dass sie ein interessantes Stellenangebot finden – und sich dann beim Durchlesen denken: „Also eigentlich suchen die ja nicht das, was oben drüber steht sondern einen Fachmann im Bereich von etwas Anderem mit Zusatzkenntnissen?“ Falls Sie im Bereich von Social Media arbeiten, werden Sie diese Erkenntnis des Öfteren haben. Vielleicht bringt das einfach im Social-Media-Bereich die Unschärfe des Berufsbegriffes mit sich. Wir wissen immer noch nicht so ganz was ein Social Media Manager eigentlich können sollte – trotz der diversen IHK-Fortbildungen, wissenschaftlichen Fortbildungslehrgängen und diversen Studiengängen. Social Media ist irgendwas mit Twitter und Facebook, soweit sind wir ja immerhin schon mal.

Was mir im Zusammenhang aber mit Stellenausschreibungen und Blogartikeln über das Finden des kompetenten und äußerst erfahrenen Beraters, Managers, Content Managers, Growth Hackers, SIO-Spezialisten, Bewegtbild-Youtube-Communicators, Cat-Content-Datenschützers etc. pp. mir aber etwas aufstößt ist, dass es einige Forderungen gibt, die man einfach nicht erfüllen kann. Wie diese hier:

Ich kann nicht in allen Netzwerken aktiv sein!

Was des öfteren im Web ja gefordert wird ist, dass ein kompetenter und erfahrener Social-Media-Arbeiter ständig und überall in allen Netzwerken aktiv sein muss. Dass er also twittert, facebookt, googleplusst, instagrammt, pinterestet, vinet, youtubt… Und natürlich sollte das Blog auch gut gepflegt sein und XING und Linkedin nicht vergessen und überhaupt ist man ja als Social-Media-Arbeiter Hansdampf in allen Gassen.

Holen wir das doch mal bitte auf den Boden der Tatsachen zurück. Es ist möglich in allen bedeutende Netzwerken gleichermaßen aktiv zu sein – das geht aber dann im Zweifelsfall zu Lasten der Qualität und es kommt dann öfters zum gefürchteten Crossposting mit Twitter-Ad-Replies bei LinkedIn. Es ist auch angesichts der Vielzahl von Netzwerken unmöglich – Stichwort Social Media Prisma.  Das wäre schon eine Kunst in allen dort aufgeführten Netzwerken aktiv zu sein, was aber natürlich angesichts der Masse nicht geht.

Ich verstehe auch nicht ganz wie man darauf kommt, dass ein Social- Media-Arbeiter möglichst in allen Kanälen aktiv zu sein hat. Erwartet man das in der normalen Arbeitswelt etwa auch von einem Arbeiter, dass der alles kann? Nein, natürlich nicht. Wozu gibts sonst Facharbeiter, Meister, Ausbilder etc. pp. Erwartet man auch von einem Fliesenleger, dass der auch streichen und schreinern kann? Nein, natürlich nicht. Und das gibts im Social-Media-Bereich auch – es gibt Social-Media-Berater, die nichts mit Bewegtbild am Hut haben. Es gibt Social-Media-Berater, die sich darauf konzentrieren Redaktionspläne zu erstellen und vorhandenen Content in die Kanäle zu verteilen. Es gibt diejenigen, die eher für die Welt der Statstik geeignet sind und es gibt die, die dann mit Herzblut vor Ort nur Twitter oder Facebook oder ein Blog füllen. Woher der Anspruch kommt, man müsse als Social-Media-Mitarbeiter in allen Kanälen aktiv sein – keine Ahnung. Ich glaube auch, das ist ein Missverständnis:

Als Social-Media-Arbeiter muss ich wissen, welche Kanäle es gibt und wie die funktionieren!

Das ist aber etwas komplett anderes als in allen Kanälen gleich aktiv zu sein – das schon mal vorab. Ich muss natürlich wissen, dass es jenseits von Google, Facebook und Twitter noch andere Dienste gibt. Ich sollte da auf jeden Fall schon mal einen Account haben oder als Social-Media-Arbeiter mal reingeschaut haben – ich habe immer noch Accounts bei so obskuren Diensten wie Friendfeed, Seniorbooks, Diaspora, Identica und jetzt vor kurzem halt auch einen bei Ello, bei Plague, bei Snapchat und dazu kommen sicherlich noch einige, die ich jetzt vergessen habe. Das heißt: Ich habe mir zu einer Zeit als diese bekannt wurden – oder vielleicht sogar schon vorher – mir diese angesehen, habe etwas mit ihnen gearbeitet um ein Gefühl für das Vorgehen zu bekommen. Ich bin aber nicht sonderlich bei Ello oder Seniorbook aktiv – ich weiß aber wie die funktonieren und ich kann jemanden sagen ob dieser Dienst zu ihm passt oder nicht.

Das sollte ein guter Social-Media-Arbeiter auch können: Wissen, was es für Kanäle gibt, bei einigen wird er dann seinen Schwerpunkt haben und die persönlich und aktiver betreuen als bei anderen, aber immerhin weiß er wie Kanäle funktionieren. Darauf kommt es an. Es kann nämlich sein, dass der Social-Media-Arbeiter allen Ernstes ab und an hingeht und seine Freunde bei Twitter oder Facebook dezimiert, weil ihm vielleicht die Qualität wichtiger ist als viele Zahlen.

Sie kennen da jetzt jemanden, der genau das tut.

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Ein Gedanke zu „Nein, ich muss als Social-Media-Arbeiter nicht in allen Netzwerken aktiv sein! Wirklich nicht!

  1. Ach, das ist halt so wie bei Programmierern.

    Bei denen wissen auch viele Personaler nicht, was die wirklich können müssen. Also schreiben sie einfach alle Stichworte in Stellenanzeigen rein, die ihnen oder Kollegen dazu einfallen. Heraus kommen Stellenbeschreibungen, die keiner sinnvoll erfüllen kann.

    Also der ganz normale Wahnsinn. ;-/

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