Lieber Buchhandel um die Ecke: Sorry, aber bei eBooks schlägt dich Amazon um Längen…

Lieber Buchhandel um die Ecke,

eigentlich mag ich dich. Auch wenn wir uns noch nie persönlich gesehen haben bin ich der Ansicht, dass man wenn man gefälligst kleine, gute Buchhandlungen in der Stadt haben möchte diese auch mit Bestellungen per Internet unterstützen kann. Ich meine: Hinterher darüber jammern dass du weg bist ist ja immer einfacher, wenn man vorher eigentlich auch noch nie bei dir was bestellt hat. Dir ist das nicht so eingängig? Formulieren wir es mal so: Falls irgendwann der Aufschrei der Bürger kommen sollte wenn die letzte Buchhandlung schließt würde ich allzu gerne einen Blick in deren Bestellhistorie werfen wollen – vermutlich hat von denen, die dann aufschreiben werden noch nie jemand bei Dir persönlich irgendwas bestellt sondern war bei den üblichen Systemfilialketten, die mittlerweile – wenn wir mal ehrlich sind – auch mehr einem Ramschladen mit angeschlossener Buchverkaufs-Stelle ähneln als einer normalen Buchhandlung.
Lesezeichen – okay. Meinetwegen auch Spielzeugmerchandising zum Glitzergedönse namens Lillifee oder zur piefigen Conny. Aber LEGO Star Wars Figuren haben jetzt per se mal nichts mit Büchern zu tun. Zurück zum Thema.

Lieber Buchhandel um die Ecke, ich habe zwei eBook-Reader. Das hat zwei Gründe: Zum einen ist der – eigentlich schon zweite – Vertreter des einen Ebook-Reader einer, der wirklich jedes Format anstandslos frisst. PDF, TXT, pub – kein Problem. Macht sogar WORD einigermaßen lesbar und das will heutzutage ja noch was heißen. Zum Anderen: Ich habe Amazon was eBooks betrifft ja nicht über den Weg getraut. Wer über die Schulter mitlesen kann, wer dann auch noch Werke löscht obwohl man die eigentlich gekauft hat – geheuer war mir das nicht. Bis vor kurzem. Da gabs nämlich als Dreingabe bei der Bestellung eines Rasierers einen einfachen Kindle dazu. Frag mich jetzt bitte nicht warum die Rasierermarke das machte, mir ist das auch etwas umeingängig. Man rasiert sich ja nicht beim Lesen von eBooks. Könnte man tun, aber dann hätte man vermutlich einen Buchstabensalatbart.

Und weißt du: Seitdem ich den Kindle habe erliege ich der Verlockung der Sirene – also ich gebe nicht Unsummen dafür aus, nein, da passe ich auf und das WLAN muss man ja nicht dauernd angeschaltet lassen – aber – verdammt noch mal, warum eigentlich ist es so umständlich meinen älteren Sony-Ebook-Reader zu befüllen? Und warum kann ich das nicht über dich und konnte das auch noch nie? Stattdessen musste ich dann mit Libreka vorlieb nehmen.  Libreka.

Das Portal, das mir ernsthaft eine Partnerbuchhandlung aufs Auge drücken will bei der Registrierung, wenn ich nur ein eBook kaufen möchte.

Verständlich, weil Libreka eigentlich ja auch gar nicht eBooks pur verkauft sondern auch noch anderen Kram. Und ja, bei Amazon gibts auch eBooks und anderen Kram. Andererseits schlägt mir Amazon keine Filiale in Belgien vor, zu der ich dann Printbücher hätte hinschicken können. Kein Scherz: Nach Eingabe der PLZ taucht auch noch Kleve als Option auf. Und Du bist bei der Auswahl meiner Lieblingsbuchhandlung gar nicht dabei. Ich bin allerdings immerhin guten Willens und hab mich dennoch mal registriert und nach drei – nein, moment, VIER Anläufen klappte das dann auch. Ein Pratchett sollte es sein, Maskerade. Ich klick mich also durch und so und ja, das ist natürlich nervig, bei Amazon kommt mir die Suche übrigens viel intelligenter und schneller vor, aber na gut. Ach übrigens: Libeka scheint sich mein Passwort nicht zu merken und schmiss mich gerade noch mal raus weil ich nebenbei nämlich noch mal den Prozess nachverfolgen wollte. Prima. Nicht das erste Mal übrigens. Das passiert mir immer wenn ich ein eBook aus dem Warnkorb lösche… Was ich zur Zeit viel mache weil ich nämlich schauen wollte ob das Feld da unten obligatorisch zu sein scheint. Beim Bezahlen. Also DASS HIER:

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Wenn die Erfahrung eines lehrt, dann dies: Deutsche – vertrauen – Kreditkarten – nicht – und – Paypal – ist – nett – aber – das – hat – auch – nicht – jeder. Kreditkarten schon gar nicht. Lieber Buchhandel um die Ecke, damit hast du jetzt nur indirekt was zu tun, aber siehst du welche Mühe ich mir mache nur um ein DRM-geschütztes Ebook herunterladen zu wollen und dann nicht zu können? Oder – aber das habe ich nicht eruiert – hängt das von der Partnerbuchhandlung ab? Würde man in Belgien mir per IBAN gestatten ein eBook herunterzulassen? Selbst wenn: Nachdem ich jetzt schon wieder ausgeloggt wurde von der Seite vermute ich stark warum ich der Sirene Amazon erlegen bin. Abgesehen davon, dass du auf deiner Internetseite eh keine Option für das Bestellen und Herunterladen von eBooks hast – und ich glaube, dass bei dir kein PC im Laden steht, mit dem man eBooks von dort bequem herunterladen könnte hat wohl mit Librekas unschöner, unpraktischer und verdammt dämlicher Seite zu tun.

Jetzt mal echt: Sie hat mich gerade rausgeworfen obwohl ich jetzt NICHTS gemacht hab. Und das eigentlich gelöschte eBook ist noch im Warenkorb… Ähm… Und ihr wundert euch liebe Buchhändler warum Leute eBooks nicht über Libreka einkaufen… Nun denn.

Weißt du, lieber Buchhändler um die Ecke, wenn du jetzt sagst du stellst noch so eine Downloadstation auf, so mit einem Zugang zu freien Ebooks – man kann Rechner auch so absichern, dass keine Schadsoftware von eBook-Readern oder USB-Sticks draufkommt und wenn du nicht möchtest könnte man ja einfach als netten Service so schon bespiele USB-Sticks… Ach. Stimmt. Hat der Brockhaus auch schon mal versucht. Hat sich nicht durchgesetzt, richtig. Ich meine: Der Brockhaus auf USB-Stick oder ähnliche Dinge. Woran das wohl lag… Na egal. Jedenfalls: Die Zeit für Download-PCs für eBooks ist durch. Jeder anständige Ebook-Reader hat WLAN-Verbindung zu einem Shop, der hoffentlich viel, viel besser ist als Libreka. Mein alter Sony-Ebookreader ist halt Technik von vorgestern, ja, ich weiß. Aber schon als der aktuell war hab ich in keiner Buchhandlung jemals irgendwie Ebooks herunterladen können.

Hat man ja nicht ahnen können dass sich Always-Online durchsetzt.

Jedenfalls: Verglichen mit dem Aufwand den ich bei irgendwelchen Buchhandelsseiten treiben muss um an legale Ebooks zu kommen ist Amazon das reinste Paradies. Per Webseite, per Reader selbst – klicken, kaufen, ruckzuck da. UND Amazon hat englische eBooks. UND diese eBooks sind teilweise so günstig, dass man selbst bei einem Fehlkauf nicht böse ist. UND Amazon hat Kleinverlage. UND ja, auch Selbst-Verleger. UND Heftromanserien. Bei letzterem sträubt ihr euch ständig, weil das ja keine „richtige Literatur“ ist, aber Perry-Rhodan-Silberbände sind das ja weil die gebunden daherkommen. Ich sag dazu nichts…

Sorry, lieber Buchhändler um die Ecke: Für reine Unterhaltungsliteratur, für die ganzen „Ich küsste nur einen Herbstmond lang unter dem Aprikosenbaum den Werwolf meiner Träume“-Bücher – verdammt, ich hätte noch was mit Schottland, Adel und der modernen Frau von heute einfügen müssen aus der Klischeekiste – warum sollte ich mir für diesen Schrott meine Billyregale zupacken? Sehe ich nicht ein. Die Halbwertszeit von diesen Büchern ist so gering, da ist ein eBook einfach besser. Das ich dann auch gerne bei dir bestellt haben wollen würde. Wenn ich könnte.

Kann ich aber nicht.

Vielleicht wäre es ab und an mal nett, wenn Du, lieber Buchhandel um die Ecke, mal meine Perspektive einnehmen würdest. Ich habe den Verdacht, dass ihr alle in der Branche nämlich nur dauernd darüber redet wie böse und schlecht das Digitale ist und wenn ihr versucht in Deutschland was auf die Beine zu stellen gegen Amazon kommt Libreka oder der Tolino heraus. Ich hab die ersten Testberichte darüber noch vor Augen – ähm ja. Gut, den habt ihr mittlerweile vielleicht verbessert und ja, Sony stellt seine eBook-Reader ein – was ich total schade finde, die haben nämlich noch richtige METALLTASTEN falls mal dieses Wisch-Dingens ausfallen sollte und beim einfachen Kindle ist das alles aus Plastik und wir wissen ja: Wenn man da viel mit blättert ist das vielleicht auch zu bald hin. Jedenfalls: Besinn dich bitte ab und an einfach mal auf mich. Und das was ich will.

Ebooks problemlos von deiner Internetseite zu kaufen ist offenbar echt zu viel verlangt.

Schade. Die Systemkettenbuchhändler haben zwar auch bequemere Möglichkeiten für eBooks, aber – nun ja: Wenn am Schluss gejammert wird, man vermisse dich, lieber Buchhändler um die Ecke und habe aber noch nie versucht dich zu unterstützen – tja.

Habs versucht.

Immerhin.

Dein Kunde.

PS: Englische Romane sind bei Amazon aber auch im Print wirklich viel, viel leichter zu kriegen. Aber falls ich das nächste Fachbuch brauche: Ich tippe dann wieder alle meine Daten brav ins Formular von dir. Auch wenn das nervig ist, es ist nicht nerviger als Libreka…

 

 

 

2 thoughts on “Lieber Buchhandel um die Ecke: Sorry, aber bei eBooks schlägt dich Amazon um Längen…

  1. Schöner Text. Und noch kurz: Seit über zwei Jahren schleppe ich mein Kindle *überall* mit hin. In der großen Tasche, in der auch noch alles andere steckt (Regenschirm, Einhorn, Schokolade). Mindestens eine Gazillion Seiten habe ich schon geblättert mit dem Ding. Und die Tasten halten immer noch einwandfrei. Also, keine Bange. ^^

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