Retoure: Jan Brandt und die Frage der Wertigkeit des Produkts im Flatrate-Zeitalter

Es scheint als würden Verlage und andere Interessenten ab und an doch einen Blick in mein Blog werfen – denn die Frage nach der Wertschätzung des Produkts im Zeichen der Flatrate – so würde wohl ein wissenschaftlicher Aufsatz-Titel lauten, ich schenke euch den gerne zur freien Verwendung, genau diese Frage habe ich vor kurzem schon hier im Blog erläutert. Und da Dradio Kultur offenbar rege ist, scheinen die Redakteure das Thema Flatrate für einen Thementag aufgegriffen zu haben und führten ein Interview zum Thema Bücherflatrate und Amazon mit dem Schriftsteller Jan Brandt.

Ja, sagt Herr Brandt im Interview, erstmal ist diese Flatrate von Amazon, die da in den USA schon da ist, ja für den Leser an sich eine tolle Sache. Er hat auf einmal Zugriff auf Bücher und das für nur knapp 10,- Dollar im Monat. Gut, für um die 10,- Euro bekomme ich auch einen Leseausweis für meine Bibliothek und eventuell – sofern angeboten – einen Zugriff auf die Onleihe. Da gibts einen Unterschied? Im Detail schon. Aber das Modell Flatrate ist, wie ich schon früher schrieb, nun nichts Neues. Sobald Bibliotheken das übrigens anbieten ist auch alles in Ordnung für die Verlage. Da sind nämlich die Konditionen die, die man miteinander aushandelte und – man darf annehmen – auch von der Verlagsseite eher bestimmt als bei Amazon. Hier diktiert nämlich der „böse Monopolist“ die Konditionen. (Es gibt übrigens noch Readfy, Scribd und einige andere, die Flatrate in den USA oder auch hierzulande für eBooks anbieten. Nur als Anmerkung, man konzentriert sich so leicht auf die Großen.) Das finden Verlage natürlich nicht gut. Und Jan Brandt findet, dass die Bezahlung für Autoren bei dieser Flatrate miserabel sei.

Miserable Bezahlung?

 In Amerika ist es auch jetzt im Moment so, dass die Autoren nur dann bezahlt werden, wenn zehn Prozent des Buches gelesen wurden.

Wirklich? Ihr ahnt schon was jetzt kommt: Nein. Nicht so ganz. Erstmal sind bisher die „Großen Fünf“ der USA-Verlage – Penguin Random House, Simon & Schuster, HarperCollins, Macmillan und Hachette Book Group, mit der letzteren hat Amazon sich eh vor kurzem geharkt, richtig, da war was mit verspäteten Lieferungen von Büchern – bisher nicht im US-Flatrate-Angebot drin. Diese Autoren werden von Amazon also erstmal gar nicht bezahlt.

Ja, das musste jetzt auch mal festgestellt werden.

Hugh Howey könnte übrigens genauer wissen wie das mit der Bezahlung bei der neuen Flatrate von Amazon funktioniert, sein SF-Roman wurde nämlich per KDP veröffentlicht – und Bücher, die diese Option bei Amazon nutzen sind offenbar automatisch Bestandteil der Flat. Richtig: Das sind Bücher, die die Autoren selbst ohne Verlag eingestellt haben. (Selbstverlage sind nun auch nichts Neues und Dienste wie LuLu gabs auch schon im Netz seit – hmm – einigen Jahren. Oder BOD. Also auch nichts Neues an sich. Für sich alleine wohlgemerkt.) Was sagt Howey denn nun genau über die Bezahlung?

Traditionally published authors get the full price, because their publisher gets the full sales commission. Self-published authors get a flat fee, probably something around $2 per read.

Stimmt das? Jedenfalls taucht in den AGBs von KDP ein Passus auf der sich auf die bisherige Ausleihe bezieht – und da ist auch ein Prozentsatz drin:  All Digital Books made available through the Program are automatically included in the Kindle Book Lending program. However, for Digital Books that are in the 35% Royalty Option (as described in the Pricing Page), you may choose to opt out of the Kindle Book Lending program.

Aha – das war bisher so. Allerdings – wenn man mal ein wenig weiter bei Amazon nachschaut – was man tun kann, findet man natürlich auch eine Angabe zu KU. Direkt bei KDP-Select übrigens.

Kindle Unlimited is a subscription program for readers that allows them to read as many books as they want. The Kindle Owners‘ Lending Library is a collection of books that Amazon Prime members who own a Kindle can choose one book from each month with no due dates. When you enroll in KDP Select, your books are automatically included in both programs. Your books will still be available for anyone to buy in the Kindle Store, and you’ll continue to earn royalties from those sales like you do today.

Dröseln wir das mal auseinander – also:

Ja, die 10%-Regel gibt es. Earn your share of the KDP Select Global Fund amount when readers chose and read more than 10% of your book from Kindle Unlimited, or borrow your book from the Kindle Owners’ Lending Library. Diese 10% gelten aber jetzt für welche Autoren? Für Autoren wie Jan Brandt etwa? Die in einem traditionellen Verlag veröffentlicht wurden? Nein. Für diese Autoren gelten die 10% nicht – denn Amazon scheint sich, wenn man bedenkt dass die Großen Fünf nicht in KU drin sind – wohl vorzubehalten mit den Verlagen gegebenenfalls eigene Absprachen zu treffen.

Diese 10% gelten also für Selbstverleger, die das KDP-Programm nutzen – und damit auch ihre Werke automatisch zum Verleihen der KOLL freigeben. Dafür bekommen sie offenbar – so darf man annehmen – diese Dollar-Pauschale die oben erwähnt ist. Ob diese 10%-Regel – man muss mindestens 10% des Textes gelesen haben damit der Autor etwas erhält – fair oder gerecht ist muss der Autor selbst entscheiden. Und: Ebooks, bei denen der Autor sich für eine 35%-Option entschieden hat können ihr Einverständnis auch widerrufen. Und: Wenn wie bisher eine Ausleihe erfolgt, erhält der Autor weiterhin seine Pauschale – die 10% Regel ist also eine Zusatzoption für KDP-Autoren.

Wirklich von Anfang an 10%?

Also: Nicht ALLE Autoren fallen unter die 10%-Regel. Und wenn man generell nicht will kann man das Ebook jederzeit wieder aus dem Bestand von Amazon rausnehmen – das heißt aber vermutlich, dass es wirklich komplett rausfällt. Das Detail wird leider nicht so genau erläutert oder ich habe es nicht gesehen.manchen Leser aus der Bahn geworfen.

Wobei, was Herr Brandt nicht gelesen hat und es nur annimmt? Dass Amazon die Grenze vom Anfang des Buches nimmt. Amazon sagt  wirklich nicht, es müssen 10% VOM BEGINN DES BUCHES AN gelesen werden. Das steht nichts ausdrücklich in den AGBs drin. Jan Brandt nimmt nur an, dass bei einem tausendseiten Buch – also wirklich 1000 Seiten – die ersten 100 gelesen werden müssten. Steht so ausdrücklich nirgends drin und es gibt Leser, die klappen erstmal das Ende des Buches auf oder lesen erstmal einige Seiten hier an, blättern ein bißchen, lesen dann weiter… Nicht jeder liest wirklich ein Buch von Anfang an. Wirklich! Ist so.

Mainstream! Mainstream Mainstream!

Womit das Argument der „Verflachung der Literatur“ im Grunde ja nicht so schlagkräftig ist wie es wirkt. Jan Brandt nimmt an, dass wenn die ersten Seiten nur zählen, Autoren anders als bisher schreiben würden um Erfolg zu haben. So wie Charles Dickens oder die Erfinder von Fantomas – die haben mit Tonwalzen gearbeitet übrigens – auch ihren Stil oder ihre Schreibweise an das jeweilige Medium angepasst haben: Der Zeitung und ihrer täglichen Fortsetzung. Neues Medium – neue Schreibweisen. Neue Erzählformen aber auch.

Und ich meine, mein Glaube ist, dass das zur Verflachung der Literatur führt, weil dann müssen Höhepunkte viel schneller gesetzt werden, dann muss sozusagen die Skandalfähigkeit der Literatur erhöht werden, und dann zählt einfach nur noch dann Masse und Zahlen und Marktfähigkeit, und das mündet in einen Mainstream.

Marktfähigkeit hat aber doch immer schon gezählt, oder? Gut, es gibt Liebhaber, die Bücher aus reiner Lust an der Freude verlegen und es gibt Leute, die viel Geld haben und das dann in Bücher investieren – aber ein Verlag ist in erster Linie ein Unternehmen, das Profit machen muss um überleben zu können. Diesen Profit sichert der Mainstream, mit dem normalerweise andere Titel – künstlerisch wertvolle, wie auch immer man das beurteilen möchte – querfinanziert werden. Auch nicht neu.

Jan Brandt nimmt an, dass Leser nicht nur dauernd Mainstream lesen möchten sondern auch schwierige Texte, sie möchten „bereichert werden wollen, irgendwie durch Sprache verändert werden wollen und in eine andere Welt eintauchen“. Es ist ja nun nicht so als ob das mit Mainstream-Werken alles nicht möglich wäre – und hier fragt sich, wie das Leserbild des Autors ist, der nicht zutraut, dass der Leser für sich selbst entscheiden kann was wann wie gelesen wird. Es mag ja sein, dass bei Kindle Unlimited in erster Linie oder überwiegend selbstverlegte Werke erscheinen. Wie deren Qualität aber ist entscheidet nicht der Autor, nicht der Rezensent, nicht der Kritiker. Das entscheidet – der Leser. Und wenn dieser bei Kindle Unlimited „Buddenbrooks“ oder den „Zauberberg“ lesen möchte, wird er das tun. Oder auch nicht. Kann ich nicht wissen. Woher auch. Jan Brandt meint, dies zu können.

Ich glaube eher, dass es dann zwei verschiedene Märkte geben wird, also einerseits den Massenmarkt und andererseits die Nische, die dann eben unabhängig davon funktioniert und wo das gedruckte Buch notwendig ist, um überhaupt diese Art von Literatur lesen zu können.

Pah. Humbug! höre ich Scrooge einwenden, übrigens eine Figur aus einem selbstverlegtem Werk – oh ja, Dickens hat das berühmte Christmas Charol nicht in einem Verlag veröffentlicht und doch Weltliteratur erschaffen, wie das nur sein kann wissen die Experten wohl immer noch nicht so ganz; Massenmarkt und Nische – gibts jetzt schon. Das eine nennt sich Thalia, Mayersche und Konsorten, das andere nennt sich kleine Buchhandlung um die Ecke mit besonderer Auswahl, die auch Bestseller führen aber nicht nur. Auch nichts Neues. Und eBooks sind nun nicht neu und in den US gibts auch noch andere Anbieter und Scribed hat als Veröffentlichungsplattform auch schon einige Jahre auf dem Buckel. Also Erfahrungen gibts schon genug, es gibt sie nur nicht für den deutschen Markt. Oder man frage mal die Anbieter der Onleihe für die Bibliotheken…

Diese Bücher gehen unter!

Und dann folgt ein Absatz im Interview, bei dem ich mich frage ob Jan Brandt das verstanden hat was Amazon da macht oder ob er über BOD oder Print on Demand genau so denkt wie über Ebooks. Dann müsst er auch die bekannten deutschen Modelle im Print skeptisch betrachten, da macht auch keiner ein Lektorat, guckt drüber ob die Story gut aufgebaut ist oder ist das immer so? Ja, klar, es gibt die furchtbarsten Schreibfehler und es gibt halt kein Lektorat – das muss aber nun nicht für jedes Buch gelten dass man als eBook erstellt und hochlädt. Zudem gibts eine Menge Autoren, die das auch alles ohne Amazon geschafft haben. Es klingt im Interview leider so als ob die schlechte Qualität – wie auch immer man Qualität hier benennt – auf alle Ebooks zutrifft. Vielleicht kommt Amazon ja mal auf den Trichter und verkauft Lektoren-Dienste oder bietet die noch zentral an. Bei BOD gibts das schon. Oder dafür entwickelt sich ein – moment – dafür gibts schon einen Markt. Dass ein Autor nicht unbedingt etwas bezahlen möchte wenn er sein Buch schreibt ist natürlich was anderes. Aber auch keine neue Problematik. Und es ist ja nicht so als ob Verlag nicht schon selbst eigene Plattformen für angehende Autoren ersonnen haben um sich den nächsten Bestseller zu sichern – dass der dann Mainstream-Literatur wird so wie Netflix „House of Cards“-Serie ist natürlich unabdingbar…

Generell beklagt Jan Brandt den Verlust von Filtern. Und beklagt, dass gute Bücher keine Chance haben ohne Marketing, Werbung, PR oder anderen Aktivitäten die der Verlag macht. Was perfekt natürlich in die Klage über den bösen Mainstream passt übrigens – wenn es nur den gibt, muss man natürlich Radau machen um aufzufallen und dazuzugehören. Als Autor, der keinen Verlagsvertrag hat muss man das aber um sein Werk verkauft zu bekommen eigentlich um – so – mehr. Das Talent dazu hat nicht jeder und deswegen – ja – einige Bücher, der man hätte lesen können müssen gehen eventuell in der Masse unter. Das ist bei gedruckten Büchern aber bitteschön nicht anders. Auch wenn sie in einem Verlag erscheine, weil – richtig – der Verlag will Profit machen und bewirbt deswegen welche Bücher meistens? Aha. Ja, Indieverlage machen das vielleicht noch etwas anders, aber auch die suchen für ihre Zielgruppen die Titel raus, die sich gut verkaufen könnten. Also insofern… „HUMBUG!“ Thank you, Mr. Scrooge. Und ja, noch mal zum Betonen: Gute Bücher gehen bisweilen unter. Oder werden erst in fünfzig Jahren als Kultbuch entdeckt. Das hat aber nichts mit Amazon zu tun. Oder Print.

Verlage sind nicht generell überflüssig nur weil Ebooks jetzt in den USA per Flatrate bei Amazon gelesen werden können. Ebenfalls heißt das aber auch nicht, dass die Selbstverlagsautoren nicht von den Lesern entdeckt werden können – abgesehen vom Tool bei Amazon selbst haben wir heutzutage andere Autoritäten als nur die Verlage, nur die Lektoren. Und andere Wege um Bücher zu entdecken. Freundesempfehlungen sind übrigens kein neues Mittel, sie sind nur dank Facebook und Blogs etwas einfacher geworden. Dass diese Autoritäten nicht die sind, denen Jan Brandt vertraut – oder vielleicht doch? Oder vielleicht uns nicht zutraut, dass wir unseren Verstand ab und an doch mal gezielt einsetzen?

Da ist ein Sehnen tief in der Branche…

Sehen wir das Ganze doch einfach mal so wie es ist: Die Bücherbranche als solches hat das eBook nicht verstanden. Sie versteht es immer noch nicht und sie diskutiert auch gerne darüber, dass eBook keine richtigen Bücher sind. Warum dann die Buchpreisbindung für diese gelten soll wenns keine richtigen Bücher sind darf man gerne im leisen ketzerischen Ton anfragen. Weil… Aha. Erstmal ist ein eBook nichts anderes als etwas, was aus Buchstaben aufgebaut ist, die von rechts nach links gelesen werden können. Das Zu-Lesende ist schwarz – oder grau – und das andere ist weiß. Oder heller grau. Aus einem solchen Text kann ein Print-Format entstehen – aus dem „flüssigen“ Text, der in Wahrheit nicht fließt sondern nur die Daseinsform ändert – wird also etwas, was wir Buch nennen. Der Text verändert sich aber nicht. Buchstaben – meistens schwarz, außer es waren Mönche beim Abschreiben der Bibel dabei – und die Leserichtung bleibt gleich. Das Eigentlich ändert sich also nicht. Es ändert sich nur die Weise, wie wir einen Text lesen – momentan ist das nur ein Medienwechsel von Papier zu Ebookreader oder – wie Steffen Meier ja prophezeit – zu Smartphones. Dass wir noch lernen müssen mit diesem Wandel umzugehen – wir hatten das aber schon: Steintafel – Schriftrolle – Buch? – ist klar und es wird spannend sein zu sehen was passiert. Außerdem: Manche eBooks landen in den Playstores der Anbieter. Ob dann für die auch die Buchpreisbindung…

Dies also versteht die Branche nicht: Was das Buch im Leser anstellt, das kann im Print wie Online wie beim EBookReader passieren. Ebenso wenig versteht die Branche nicht, dass es nicht NUR Amazon als Anbieter gibt für diese Art von Flatrates. Amazon ist momentan nur der bekannteste Anbieter und wie immer wird man einen Großen und mehrere Kleine daneben haben. Zudem hat Kindle Unlimited nun auch nicht alle Bücher der großen weiten Welt im Bestand sondern um die 600.000 – sicherlich ein großes Angebot, dass einige Spitzentitel und eine Menge von anderen Titeln haben wird, die halt nicht so bedeutende Werke der Weltliteratur sein werden wie „Leaves of Gras“ von Whitman.

Dass aber mündet momentan – leider – allzu oft in das, was Jan Brandt am Ende des Interview ausdrückt. Die Branche fühlt einen Kontrollverlust, weil „plötzlich“ – klar, plötzlich, als ob man vorher noch nie Textdateien auf Internetserver hochgeladen hätte in den frühen Internetseiten – die bisherigen Instanzen den Überblick darüber verlieren, was den Lesern vorgesetzt werden kann. Wer Macht hat, hat Angst sie zu verlieren. Genau diese Angst – plus die Überforderung – spricht aus diesem Interview. Ich sage nicht, dass diese Angst schlecht ist: Wer Angst hat, hat einen guten Warner an seiner Seite, einen Aufpasser. Bisweilen aber verhindert genau diese Angst das Verlassen der Komfortzone und damit ignoriert sie die Möglichkeit des Wunders. Des Entdeckens. Der Serendipität. Was war das für eine Aufregung als der Leser in der Bibliothek plötzlich selbst durchs Regal browsen konnte! Unmöglich! Wie soll man den Leser denn bitte erziehen, von der schlechten Literatur zu Goethe locken wenn der auf einmal selbst entscheiden darf was er liest und was nicht? Kommt einem irgendwie vertraut vor – unbegrenzter Zugang für wenig Geld zu Büchern im Bestand. Hatte ich das schon erwähnt, dass sich das im analogen Bereich schon länger durchgesetzt hat?

Ja, nach diesen Zeiten als die Buchbranche noch der gute Erzieher für den Leser war, der entschied was passte und was nicht – letzten Endes entstanden dann die kommerziellen Leihbüchereien in Deutschland als Antwort auf genau das, Widerstand hat der Leser also schon immer geleistet oder der findige Händler – danach sehnt sich offenbar ein Teil der Branche zurück. Verlässliche Einnahmequellen. Hoheitsrechte wie Anno Tobak. Ach, das könnte schon sein, aber dem ist nicht mehr so. Selbst Bibliothekare, die ja für die Bibliothek auswählen, haben eingesehen: Nur Werke der Hochliteratur bringen die Unkosten auch nicht rein. Ja. Das ist drastisch formuliert, aber hatten wir das mit den kommerziellen Angeboten aus der Geschichte … oh, hatte ich erwähnt. Heute gibts dann halt Bücherschränke. Warum Autoren dagegen nicht meckern, dass sie beim Verleih von analogen Büchern von Privatpersonen kein Geld bekommen; ups, okay, ich schreibe nicht mehr weiter drüber.

Man kann versuchen sich gegen die Flatrate-Angebote zu stemmen, sie werden allerdings kommen. In anderen Bereichen sind sie längst schon da. Über die Wertigkeit eines einzelnen Buches für den Leser sagt eine Flatrate aber nichts. Allenfalls kann man Statistiken darüber fühlen welche Bücher den Mainstream der Leser treffen oder auch nicht. Aber für mich als Leser muss die Bestenliste des Spiegels nicht relevant sein. Ebenso wenig wie die Diskussion darüber, ob eine Flatrate den Wert eines einzelnen Buches oder Produktes mindert. Denn diese Frage habe ich für mich schon längst beantwortet; diese muss allerdings jeder für sich selbst bewerten. Wie Jan Brandt sie für sich beantwortet hat wisst ihr dann jetzt auch – und wenn ihr neue Einsichten gewonnen habt freut mich das. Wenn nicht: Auch.

One thought on “Retoure: Jan Brandt und die Frage der Wertigkeit des Produkts im Flatrate-Zeitalter

  1. Ich hab gar nichts gegen E-Books. Nur gegen die Übermacht von Amazon. Danke für die Klarstellung in Sachen Bezahlmodell. Grundsätzlich ist eine Flatrate schon etwas anderes als eine Bibliotheksleihe früherer Zeiten. Und außerdem werden Autoren auch für den Verleih von analogen Büchern bezahlt, über die Ausschüttung der VG Wort.

    Mein Einwand gegen die Flatrate ist der: Jedes einzelne Buch muss gegen eine irrwitzige Masse konkurrieren. Und da das einzelne Buch parktisch nichts kostet, man es nicht zurückbringen muss etc., wird der Wille, sich ernsthaft damit auseinander zu setzen und dem Buch Zeit zu geben, sinken. Dann ist es wie im Journalismus, wo jeder Artikel auch ständig aufgepimpt werden muss, damit der Leser beim nächsten Absatz nicht abspringt. Das muss nicht schlecht sein und kann im Idealfall zu einer neuen Art von Literatur führen. Aber lange, ruhige, sperrige Titel haben es in diesem System noch schwerer, sich zu behaupten, als bisher.

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