Geht durch die Flatrate der Gehalt des Produktes verloren?

Flatrates sind keine neue Erscheinung – so nutze ich persönlich Spotify recht gerne für meinen musikalischen Geschmack und PaperC hat ja für wissenschaftliche Bücher auch etwas ähnliches, lesen darf man hier kostenlos, fürs Ausdrucken oder für Seiten kann man dann bezahlen. Und PaperC hat durchaus mir schon einige teure Anschaffungen von Fachbüchern erspart weil ich vorher sehen konnte ob die etwas taugen oder nicht. Zudem: Falls sich jemand noch an Napster – nein, nicht den illegalen Dienst natürlich, den haben wir ja nieeeee benutzt, hüstel, sondern den legalen – erinnert, die hatten das „(Fast) alle Musik für einen 10,-er im Monat aber mit DRM“-Prinzip ja auch schon lange vor Spotify und Co. Insofern ist das mit der Flatrate eigentlich nicht mehr so neu.

Neu ist aber die Frage wie der kulturelle Umgang mit der Flatrate aussieht. Jetzt hat Amazon ja bekanntlich eine Flatrate für eBooks eingerichtet – zumindest in den USA, kann aber nicht lange dauern bis das auch in Deutschland ankommt. Manche sehen darin schon den Todesstoß für die Verlage. Da wäre ich eher skeptisch, bekanntlich verdrängt kein neues Medium das alte sondern es ergänzt es. Kann man eigentlich schön an der Musikindustrie sehen: Es gibt ja immer noch CDs, ja, sogar Vinyl erlebt eine kleine Renaissance derzeit. (Ob letztere etwas mit den romantischen Gefühlen derjenigen zu tun hat, die derzeit in ein Alter kommen in dem die Vergangenheit immer schön golden war kann ich nicht beurteilen.) Dass die Verlage jetzt allerdings aufgescheucht durch die Gegend rennen ist ja tatsächlich der Fall. Da wird natürlich wieder schön die „Amazon ist böse“-Karte gezogen – ohne sich selbst zu fragen warum man eigentlich nicht selbst auf diese Idee gekommen ist. Neuartige Ideen aus der Verlagsbranche waren in der letzten Zeit ja tatsächlich eher – hmmm – also da müsste ich echt lange nachdenken was von den Verlagen selber kam. Etwas, was mir übrigens auch beim Durchforsten der aktuellen ZEIT nicht gerade angenehm aufgestoßen ist – dort meckert die Mehrzahl der Autoren darüber, dass man bei Amazon nicht kaufen sollte weil … aber andererseits so richtige Alternativen zeigt man auch nicht auf. (Manche Buchhändler vor Ort HABEN halt kein vernünftiges Shopsystem und liefern auch nicht kostenlos zu einem nach Hause und wenn man auf dem Dorf wohnt, wo der Bus nur alle Stunde in die Stadt fährt und allenfalls ein Lebensmittelhändler neben dem Friseur und der Pommesbude existiert – natürlich ist Amazon da praktisch.) Und ja, natürlich war es früher unmöglich englische Bücher zu einem vernünftigen Preis zu bekommen. Ob die Preise bei Amazon für die englischen Romane günstig sind ist die andere Frage, aber immerhin kommt man an manche Schätze erst so dran. Fragt mich mal als Doctor-Who-Fan…

Zurück aber zur Frage ob eine Flatrate den Wert des Produktes herabmindert. Mindert der Verkauf in einem Kaufhaus den Wert eines Produktes ab? Wenn ja, dann müssten eigentlich all die Bücher die in den Kaufhäusern feilgeboten werden wertlos sein. Was natürlich Unsinn ist. Und ebenso Unsinn ist der Gedanke, dass durch eine Flatrate die Wertschätzung für ein Produkt verlorengeht. Schließlich kommt es ja auf das Produkt an. So ist der Sommerhit des Jahres sicherlich für mich bei Spotify zwar recht nett zum mehrmaligen Anhören – aber ich schätze ihn nicht so wert dass ich den jetzt als Download oder CD im Schrank haben müsste. Ebenso ist die neueste Schmonzette der Rosamunde Pilcher, falls die gute Dame noch lebt und schreibt, nichts was ich als Wert voll für mich erachten würde. Da kann das Buch dann auf einem goldenen Tablett mit Diamanten und Silberlöffeln im Schaufenster des Buchhändlers dekoriert sein – ich würde es nicht kaufen. Bei einer Flatrate würde ich mir das auch nicht antun. Und ich würde gerne noch andere Beispiele von anderen Nutzern bringen, allein dafür müsste man eigentlich eine Studie anfertigen lassen. Die Zeit habe ich nicht.

Unsere Kultur befindet sich im Wandel: Wir haben Zugang zu einem Ressort an Wissen und an Unterhaltung, dass es vormals nicht gab. Früher konnte man allenfalls die Flüchtigkeit des Fernsehens mit einer Videokassette, die Liquidität des Radioprogramms mit Tonbändern für einige Zeit festhalten und wiedergeben. Heute hat das Internet diese Medien ergänzt und wenn ich Jan Böhmermanns Talksendung sehen möchte kann ich das ohne Probleme – und zwar solange wie der Server existiert und das ZDF die Sendung nicht aus der Mediathek löscht, gleichzeitig aber habe ich durch die Mediatheken auch einen Flatratezugang zum Fernsehprogramm. Wir werden sicherlich kulturell noch lernen müssen mit der Vielfalt umzugehen – aber der Wert eines Produktes ist nicht etwas, was man per se einem Produkt zuschreiben kann. Denn der Wert eines Produktes hängt von demjenigen ab, der damit umgehen möchte, von demjenigen, der es gebraucht. Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen schaue ich mir trotz der Mediatheken nun nicht an. Von daher: Entspannt euch erstmal liebe Verlage – und wenn ihr gegen Amazon wettert überlegt erstmal ob es vernünftige, verbraucherfreundliche Alternativen gibt die ihr anbieten könntet. Schließlich sind die Verbraucher ja nicht ohne Grund bei Amazon gelandet.

 

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