Warum fehlt bei Social Media die Fokussierung auf Social?

Fällt der Begriff Social Media denken wir alle automatisch an Facebook, Twitter und Co. Spekulieren darüber wie man den ROI des Einsatzes messen kann. Haben Dutzende von Monitoring-Tools vor Augen und fragen, wie man die Benutzergruppe denn nun anredet – aber was ist eigentlich mit den Grundlagen der Soziologie und Kommunikation?

Beim eMarketing Barcamp der IHK machte mich die Teilnehmerzahl der Session zum Thema Netzwerke aus akademischer Sicht betrachtet nachdenklich. Während sich der Großteil der anderen Besucher auf die Sessions verteilten, die Tools und Strategien erörterten konnte man die Interessierten hier an einer Hand abzählen. Wörtlich sogar. Das ist verständlich: Die Faszination der Technik und Tools, die Frage wie man damit umgeht beherrscht natürlich den Alltag. Allerdings gehört zum Alltag auch eine Strategie und eine Praxis. Für diese sollte man dann auch eigentlich wissen, wie Menschen sich generell in Gruppen verhalten. Soziale Netzwerke sind ja nichts anderes als das, nur auf den digitalen Bereich bezogen.

Soziologie und Kommunikation und Social Web

Dabei brachte der Vortrag einige interessante Themen zutage – so ist der enge Freundeskreis bei Menschen auf 3-5 Personen beschränkt und bis zu einer gewissen Anzahl – etwa 1500 Personen – können wir noch vage uns daran erinnern wen wir wo in welche Beziehungssphäre einsortieren können. Ab dann braucht der Mensch Tools und Facebook ist ein solches Tool für das Managen der eigenen Beziehungen. Dabei ist es dem Gehirn wumpe ob man die Freunde nur virtuell oder auch persönlich kennt. Die Theorie der Small World und der Linking Ties sollte man als Social Media Profi kennen. Ebenso ist „Bowling alone“ als Standardwerk anzuraten – ein Buch das sich genau mit diesen Themen auseinandersetzt und zum Erscheinungspunkt, 2001, einen Blick darauf wagte wie das Internet uns soziologisch verändern könnte. Manches davon ist – wie bei Vorausschauen üblich – dann eingetreten, anderes wieder nicht.

Der Vortrag brachte mir wieder in Erinnerung, dass wir als Social Media Experten einen Hang zur Technikverliebtheit haben. Sobald eine neue Software draußen ist debattieren wir angeregt darüber. Sobald neue Erkenntnisse aus der Psychologie und Soziologie zum Thema Gruppen verkündet werden übergehen wir diese stillschweigend. Der Satz, dass Menschen sich verhalten gilt immer. Ebenso wie ich nicht nicht kommunizieren kann. Aber dieses Wissen kommt – so weit mir das bekannt ist, man mag mich korrigieren – kaum in den Fortbildungen zum Thema Social Web vor. Eine vertane Chance. Würde sich doch mit dem Extrawissen das Phänomen des Shitstorms besser beurteilen lassen, würde die Kommunikation mit der Community verbessert wenn zumindest das Grundwissen der Kommunikationstheorien kennt. Nun, schade, aber nicht zu ändern. Würde ich einen Kurs konzipieren, würde ich am ersten Tag zumindest einen Einblick in diese ganze Thematik geben. Nützen kann es auf jeden Fall.

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