Verlasst die Comfortzone, Wunder passieren in ihr nicht

Ich war noch nie auf der republica.

Damit dürfte dann mein Ruf als SIO-Experte des Internets dahin sein, denn laut bekannten Internetgrößen muss man ja unbedingt zu einer Konferenz mit 6000 Leuten und an die 300 Vorträgen in eine Stadt, die als Mekka von Startups gilt. Muss man das wirklich frage ich mich und überlege das schon seit einiger Zeit – letztendlich um zu einer Antwort zu kommen die für mich passt, für euch vielleicht weniger: Nö.

Auf der Republica 2013 hat Gunter Dueck etwas gesagt, was mich seit damals immer wieder begleitet – ich zitiere hier aus der T3N:

Die Blase namens Internet sei vor allem deshalb so gefährlich, weil sie Meinungen zementiere, die nur innerhalb bestimmter Gruppen gültig seien. „Die Realität aber ist da draußen“, ruft er und predigt, man müsse sich auch mal mit Menschen auseinandersetzen, die nicht der eigenen Meinung seien: „Sie müssen darauf achten, was Mama und Papa und der Mann von der NPD nebenan denken. Und sie müssen versuchen, sie zu verstehen!“

„Die Realität ist da draußen.“ Abgesehen davon, dass sich natürlich mit Watzlawick fragen lässt, welche Realität das sein soll – das führt jetzt aber etwas zu weit – hat Dueck einfach Recht. Ob ich nun wirklich den Mann der NPD verstehen muss – urgs – wohl eher nicht. Aber Dueck hat natürlich darin Recht als das wir es uns immer so gemütlich in dieser Comfortzone einrichten, die auch als Blase verstanden werden kann und selten mal den Mut haben aus unseren Gewohnheiten herauszubrechen. Wer sich für Social Media interessiert besucht Veranstaltungen über Social Media. Daran ist ja auch nichts Falsches, den Kontakt mit Fachleuten zur Diskussion zu suchen und sich auszutauschen. Es gibt aber eine Tendenz – ich nehme mich davon nun nicht aus, bewahre – nur dauernd auf Veranstaltungen und Events zu gehen, die zum eigenen Thema passen. Und damit trifft man dann halt mehr oder weniger immer dieselben Gesichter und irgendwann möchte man diese behagliche Blase auch nicht mehr verlassen.

Fünf Meter weiter spielen die Themen der republica keine Rolle mehr und ja, so sehr ich Barcamps als Weiterbildungsmaßnahmen schätze und mag – und ich organisiere ja das stARTCamp Ruhr York mit – wenn man schließlich nur noch auf stARTCamps geht ohne mal zu Schauen ob nicht vielleicht auch andere Barcamps mit anderen Themen interessant sind … dann gerät man schon in die Gefahr eine Filterblase.

Deswegen: Gunter Dueck hat Recht! Wir brauchen Bodenhaftung. Wir brauchen Kontra, denn nur dann entwickeln wir unsere Meinungen auch weiter. Wir brauchen auch Verständnis und Einfühlungsvermögen – denn ich glaube, die Snowden-Thematik wäre sicherlich beim normalen Internetnutzer weit besser angekommen wenn wir versucht hätten den von seinem Wissensstand abzuholen. Und dazu gehört nicht ihn mit PGP-Schlüsseln zu verwirren sondern erstmal ein allgemeines Verständnis dafür zu schaffen, was der NSA-Skandal mit dem normalen Leben zu tun hat. Die hören ja auch Telefone ab. Die öffnen vermutlich auch Briefe.

Also auch wenn das hier natürlich mal wieder keiner machen wird, ich schreibe es trotzdem mal hin: Raus aus der Comfortzone und erleben, das Wunder passieren können. Jenseits von ihr.