Filterblasen und Schaumschlägereien

Offenbar gibts zwei Dauerthemen bei Social Media, die es wert scheinen permanent und dauernd diskutiert zu werden ohne dass man auf eine Art von Lösung kommt. Das eine ist „Journalismus versus Blogs“ – in Dutzenden Facetten seit 2000 diskutiert und immer wieder gerne hervorgekramt wenn irgendwo wieder die Rede vom digitalen Umbruch ist, ich vermute um den 23.11. – DJV-NRW-Tag – dürften wir diese Debatte wieder in der einen oder anderen Form erleben. Zweitens: Diese ominöse Filterblase in der wir uns ja alle befinden die Social Media machen oder im Internet sind und die Herr Gabriel vor kurzem ja auch anprangerte – also nicht direkt, aber irgendwie fand er Leute, die sich im Netz bewegen wohl für sehr weit abgehoben…

Sobald dieser Tage irgendwo das Wort „Filterblase“ auftaucht bin ich geneigt sofort zur nächsten Webseite, Blogeintrag, Tweet oder Facebook-Posting zu springen weil es im Endeffekt keine weitere Entwicklung im Thema gibt. Es gibt – wie beim Journalismus und Blogs-Thema – in der Regel nur zwei Fronten. Die einen sagen: „Filterblase – schlecht.“ Und die anderen überraschenderweise „Filterblase – gut.“ Die einen beschweren sich, dass man ja ständig nur vertraute Gesichter auf Barcamps mit dem Thema Social Media findet, die anderen freuen sich darüber nicht ständig von Informationsfluten überschwemmt zu werden sondern Vorsortiertes in ihren Kanälen zu finden. Dazwischen gibts kaum irgendwas – mal wird das Thema mehr oder weniger fundamental ausgelegt – „Ich lass mir doch nicht von Maschinen vorschreiben was ich lesen sollen darf“, „Facebook zensiert meinen Stream!“, „Wir sollten wieder mehr Ansprechpartner für Digitale Themen sein statt uns in Filterblasen zu verstecken“, „Oh Gott, aber wenn jetzt jeder allen Mist auf meine Facebook-Wand schmeißen könnte, wäre ich ja gleich bei Twitter!“

Langweilig!

Es gibt offenbar so Themen bei denen wir Menschen uns verhalten wie Bullterrier, die sich ineinander verbissen haben und bloß nicht voneinander lassen möchten. Ich habe keine Ahnung warum das so ist – muss was mit der Evolution zu haben oder Gott hats so gewollt – aber irgendwie scheinen wir uns gerne in Für-oder-Wider-Debatten zu stürzen und vergessen darüber, dass das Leben – und auch der Alltag – glücklicherweise kein reines Für oder Wider kennt. Kein reines Schwarz und kein reines Weiß. Von daher finde ich diese Diskussion darüber ob wir in einer Filterblase sitzen oder nicht mittlerweile als tödlich langweilig – die Argumente sind von allen längst schon für alle gesagt und wer sich seine Meinung über das Thema machen möchte, kann das ja gerne tun.

Statt der ewigen Wiederkehr der selben Argumente wäre es allerdings an der Zeit mal genauer hinzuschauen und vielleicht auch mal darüber nachzudenken warum eine Filterblase und eine Comfortzone ihre guten und nicht so guten Seiten haben und wie man neue Horizonte für das Thema entwickelt. Vielleicht auch mal mit einem Seitenblick darauf, dass wir alle im Alltag ständig, dauernd und permanent filtern sonst kämen wir mit den ganzen Umweltreizen einfach nicht klar. Dazu hat Douglas Adams im fünften Anhalter-Roman schon einiges Wahres gesagt und falls man den nicht als Kapazität betrachtet, schaue man einfach mal ein wenig aus der Filterblasen-Diskussion raus zur Wissenschaft und zur Hirnforschung rüber.

Mit Filterblasen umgehen

Nun habe ich nichts gegen die Feststellung, dass es Filterblasen gibt und es ist natürlich erfreulicher wenn man weiß, dass man in einer Blase gefangen sein könnte – dann und nur dann nämlich kann man auch was dagegen tun. Aber wenn immer wieder Grundsatzargumente in immer neuen Variationen aufgeschäumt und aufgeblasen werden hilft das nun nicht unbedingt weiter wenn uns wirklich an einer Weiterentwicklung der Diskussion gelegen ist. Aber es ist natürlich auch eine Comfortzone schön in einer Diskussionhaltung zu verharren und selektive Wahrnehmung ist halt etwas, was sich nicht so leicht abstellen lässt.

Wie wäre es einfach mal die Schaumschlägereien sein zu lassen und mal ganz nüchtern betrachtet an die Vor- und Nachteile der Filterblase zu gehen, damit man am Ende vielleicht mal so eine Handlungsanweisung hat? Sprich: Woran erkenne ich eigentlich eine Filterblase? Was tue ich, wenn ich aus ihr raus will – vielleicht zum Beispiel mal Barcamps zum Thema Social Media meiden und eventuell mal zu anderen Veranstaltungen gehen, die nichts mit meinem Thema zu tun haben? Und muss ich mich dauernd rechtfertigen, wenn mir gesagt wird ich würde in einer Filterblase leben wenn auch im Alltag die Maxime „Gleich und gleich gesellt sich gern“ vorherrscht?

Vermutlich brächte uns das viel weiter als immer die Frage aufzuwerfen, ob wir in einer Filterblase leben – die Antwort darauf ist ja nun leicht gefunden wenn wir ehrlich sind – und ob es schlimm ist in einer solchen zu leben – wenn sich jemand in einer Blase wohlfühlt habe ich doch nicht unbedingt das Recht ihn daraus zu zerren. Insofern: Lasst uns bitte mal über ein anderes Thema genau so lebhaft diskutieren wie über Filterblasen oder Journalismus versus Blogger. Wäre das möglich?