Follow-Friday: Ein Plädoyer gegen das Bündelempfehlen

@micah ist Schuld. Eindeutig. Ohne ihn würden wir Twitterer an Freitagen keine Empfehlungen twittern. 2009 hat Micah damit am 16. Januar angefangen – es könnte ein Freitag gewesen sein. Mittlerweile ist der Follow-Friday unverzichtbar. Wenn man denn nicht dauernd diese Bündelempfehlungen in der Timeline hätte wäre das Ganze auch heute noch ein Genuss.

Jeder Twitterer hat diese Bündelempfehlungen schon mal gesehen: In einem Tweet – möglichst nach dem Hashtag #ff – folgen einfach aufgereiht Twitternamen nacheinander. Manchmal steht sowas wie „Ruhrgebiet!“ oder „Duisburg!“ noch dabei als minimalen Themenbezug. Immerhin mehr als nichts: Der Leser weiß dann – aha, das sind Twitterer aus Duisburg. Oder aus dem Ruhrgebiet. Wenn ich also im Norden wohne brauche ich mir die gar nicht anzusehen. Wohne ja nicht in Duisburg sondern in Hamburg. Dass ich allerdings einige gute Informationsquellen verpasse wenn ich so denke ist eine Schlussfolgerung, die nicht unbedingt jeder zieht.

Ich folge allem, was nicht bei 3 auf den Bäumen ist?

Irgendwie hat sich das in der letzten Zeit geändert mit dem Follow-Friday. Denn früher gabs diese Bündelempfehlungen zwar auch, es dominierte aber eher der Typ von liebevoll geschriebener Empfehlung warum man demjenigen folgen sollte. Da das vermutlich keiner mehr kennt konstruiere ich jetzt mal was: „Ich folge @gestalterhuette weil der immer weiß, was im Social Web los ist. #ff“ – jetzt meckert bitte nicht rum wenn das 140 Zeichen überschreitet, darum gehts nicht, es ist ja nur ein Beispiel.

Das hat sich jetzt gewandelt: Beim Follow-Friday bekomme ich ja nur noch diese Bündelempfehlungen – lauter Twitteraccounts von Leuten, die ich nicht kenne – also manchmal kenne ich die alle schon, aber man kann nicht alle kennen – und bei denen ich mich frage: Okay – die werden mir jetzt wegen was empfohlen? Ihr verlangt wirklich, dass ich jetzt alle Twitternamen der Reihe anklicke, mir das Profil anschaue, zurückblättere was die getwittert haben und dann auf Follow klicke? Bei fünf, sechs, sieben, acht Namen? In der Zeit habe ich wertvolle Blogeinträge geschrieben, bei Facebook die Welt gerettet und mit Twitterern über Platons Höhlengleichnis philosophiert.

An der eigenen Nase ziehen!

Aber moment – ich retweete doch auch diese ganzen merkwürdigen Bündelempfehlungen weiter? Und tue ich das auch wenn ich für Unternehmen arbeite? Ja. Bei Unternehmen ist das tatsächlich etwas Anderes – wenn am Freitag die Timeline nur von lauter einzelnen FF-Empfehlungen dominiert wird schreckt das die Nutzer wohl eher ab. Das gerät dann tatsächlich etwas ins Spammige. Schließlich gebietet es auch die Höflichkeit sich zu bedanken – und ich kann nicht bei den ganzen Bündelempfehlungen bei einem Unternehmen mich bei jedem einzelnen bedanken weil – genau – und wenn die Timeline dann auf der Homepage eingebettet sein sollte sieht das ja auch völlig bescheuert aus…

Da kann man also nichts machen. Und ehrlich gestanden: Persönlich könnte ich das Ganze zwar entwirren, aber dann ist in meiner Timeline am Freitag ja alles nur noch mit #ff voll. Da ist mir dann ein Tweet mit vielen Namen lieber als wenn ich 20 oder 30 Einzeltweets in die Timline mit „Danke für den #ff“ packe. Vielleicht finde ich auch da noch eine optimale Lösung – aber wer mich kennt weiß, dass ich keine Bündelempfehlungen schreibe. So aktiv.  Also immerhin etwas.

Dennoch: Besser gut begründet als zuviel gebündelt

So praktisch auch Bündelempfehlungen sind, so schnell Twitter auch ist: Mir ist eine Einzelbegründung lieber denn sie beweist, dass ich mir Gedanken gemacht habe – oder der Mensch, der sie formuliert hat. Dass ich mich mit dem Menschen und seinen Themen beschäftige und dass ich mir etwas gedacht und etwas überlegt habe, warum andere Leute diesem Menschen folgen sollen. Das hat meines Erachtens etwas mit Respekt zu tun. Und auch etwas mit Herzblut. Das geht beim Erstellen von Namensketten habe ich den Eindruck etwas verloren. Was schade ist. Und wenn man keine Zeit hat: Ein Retweet von einem Twitterer, den man mag ist auch eine Empfehlung. Vielleicht sogar die Beste. Und das kann man nicht nur an einem Freitag machen…