Wer viel weiß, ist weise? – Teil 1 des Gesprächs zwischen Heidlinde Tiger und Dr. Andrea Vierle

Dies ist ein Beitrag in der Reihe “SIO für Kepia” – alle gesammelten Artikel finden sich auf der Übersichtsseite hier im Blog.Heidlinde Tiger befragte für die kommende Tagung bei Kepia Dr. Andrea Vierle – die nächsten zwei Teile folgen morgen und übermorgen.Tiger: Lehren und Lernen – heißt das, diese Tagung richtet sich vor allem an Schüler und Lehrer?

Vierle: Nein, ganz und gar nicht. Aber dieses Mißverständnis deckt schon vieles auf: wir alle sind Lernende, und zwar lebenslang, indem wir ständig neue Dinge und Aspekte aufnehmen, verarbeiten, einordnen und ins Bewußtsein nehmen müssen. Oftmals geben wir uns keine Rechenschaft darüber, wie wir das eigentlich tun, es geschieht uns eher – und darum kommt es auch des öfteren zu Konfusionen, Entscheidungsschwierigkeiten, Krisen. Das läßt sich besser bewältigen, wenn wir uns darüber im Klaren sind, wie und was wir eigentlich wirklich wissen wollen. Das ist der erste Schritt.

Tiger: Betrifft das auch die sogenannten Gefahren des Internet, die uns ja einer ungeheuren Datenflut gegenüberstellen, uns aber nicht im gleichen Maße dazu befähigen, diese Flut auch zu beherrschen?

Vierle: Ganz genau. Und darum wollen wir in unserer Tagung einen sehr weiten Bogen schlagen von philosophischen Aspekten des Wissenkönnens und Weise-seins über Fragen der politischen Verstrickungen allgemein verbindlicher Bildungsvorgaben bis hin zu den Möglichkeiten medialer Kommunikation im sogenannten „social web“.

Tiger: Aber gerade im Blick auf unsere moderne Kommunikationswelt scheint doch der Begriff „Weisheit“ etwas veraltet. Was soll denn hierin angesprochen sein?

Vierle: ‚Weisheit‘ stand schon immer in einem gewissen Gegenüber zu ‚Wissen‘. Viel zu wissen macht uns nicht schon weise. Es macht uns im besten Falle zu Millionärsgewinnern, aber nicht unbedingt zu glücklichen Menschen. Das Wissen muß immer in Verbindung zu unseren konkreten Lebensvollzügen stehen, erst dann wird es für uns verbindlichen und wertvoll. Und so stellen wir uns unter einem weisen Menschen auch einen lebensklugen, gerecht urteilenden, authentischen und auch glücklichen Menschen vor.

Programm, Kosten und Anmeldungsmöglichkeit für die 1. Philosophische Tagung finden sich im Kepia-Blog