Wenn die Social-Media-Manager-Rolle mit der Privatperson-Rolle in Konflikt gerät…

Eine Binsenweisheit lautet: Wir alle wechseln täglich mindestens tausendfach von einer Rolle in die andere um mit dem Leben klarzukommen. Eine These, die im NLP genutzt werden kann, lautet zudem: Wir alle haben in uns verschiedene Teilpersönlichkeiten, die ab und an sich ins Gehege kommen ohne dass wir selbst das merken würden. Das berühmte Sich-Selbst-Torpedieren ebend. Ob man nun diese These annimmt oder nicht: Wer nicht zwischen der Rolle des Social Media Managers und seiner privaten unterscheiden kann, der wird beim Lesen von Postings in Foren den Puls halt auf 190 hochgejagdt bekommen. Weil er natürlich mit Herzblut und Engagement dabei ist um seine Sache, sein Produkt zu vertreten – und wie können da diese blöden Trolle behaupten, das Produkt sei schlecht, Tatsachenfälschungen aufstellen und überhaupt – die haben doch keine Ahnung.

Im Prinzip ist das identisch mit dem Konflikt den der normale Mitarbeiter hat, der im Betrieb facebooken darf und dann zu Hause mit dem persönlichen Profil feststellt, dass schlecht über den Arbeitgeber geredet wird und deshalb unbedingt privat diesen in Schutz nehmen muss. Gerade um diese Konfliktherde zu vermeiden – schließlich ist das weder für das persönliche Profil gut, noch für die Firma – gibt es Social Media Guidelines. Dass diese für die Mitarbeiter gelten, klar. Dass diese aber auch für denjenigen gelten, der sie verfasst hat, dass wird übersehen – als Profi steht man ja über den Dingen, da braucht man sowas doch nicht für sich selbst.

Als Social Media Manager muss ich mit Krisen und Problemen umgehen können. Ich bin aber hier in der Rolle des Beschäftigten einer Firma – eine Berufsrolle und verhalte mich dementsprechend. Nach Möglichkeit also nett, höflich, je nachdem wie das Wording festgelegt wurde nutze ich die Sprache etc. pp. In der Rolle des SMM sind mir diese Dinge geläufig, persönlich gemeinte Angriffe auf die Marke, das Produkt prallen von mir ab weil ich die „Ich bin jetzt nicht privat“-Rüstung anhabe. Natürlich darf ich als SMM auch eine persönliche Meinung von Dingen haben und vielleicht bin ich am Ende der Arbeitszeit so verdrossen und angespitzt, dass ich zu Hause mit meinem privaten Account Dinge schreibe, die ich persönlich gut vertreten kann, die der Firma allerdings schaden. Ein Posting in der Art von „Mein Gott, die sollen einfach mal die Klappe halten, die haben keine Ahnung von der Materie“ im privaten Profil mag im ersten Moment angebracht sein – wenn ich natürlich keine Listen pflege und das auch alle sehen können, die wissen dass ich als Manager für ein Unternehmen unterwegs bin und die Eins und Eins zusammenzählen können – dann ist das nicht so günstig.

Es ist natürlich menschlich: Verdammt, das ist mein Produkt, da habe ich Liebe und Zeit reingesteckt und dann kommen diese Miestrolle daher und feuern ihre Wortkanonaden ab. Es ist aber besser sich daran zu erinnern: Die meinen nicht die private Person an sich. Also in der Regel zuerst nicht, wenn ich mich natürlich dumm verhalte schießen die auch auf Beziehungssebene meiner Botschaften. Die meinen die Sachebene, das Produkt, die Marke – ihnen passt die Farbe der Verpackung nicht oder die stellen falsche Tatsachenbehauptungen ins Netz – egal was. Die meckern halt über die Preise – wer meckert eigentlich nicht darüber im normalen Leben? 😉 oder über anderes.

Aber: Das geht mich privat gesehen rein gar nichts an. Null, nada, niente, nuscht.

Es wäre im Gegenteil höchstverkehrt sich auf einer persönlichen Ebene – ob nun vom Privataccount oder vom Firmenaccount – von Vorwürfen die Marke betreffend – nun – sich treffen zu lassen. Schlimmer wirds, wenn man beide Seiten vermischt und die Beziehungsebene der Botschaft auf die Sachebene der Botschaft antwortet und man zudem vergisst, dass man im Internet keine Gestik hat, keine Stimmlage, keinen Tonfall – kurz: All das was Watzlawick als analoge Ebene der Kommunikation bezeichnet fällt komplett raus. Eine normale Bemerkung mit einer ironischen verwechselt? Die nächsten Kommentarseiten sind garantiert spannend…

Insofern sollte man – auch wenn es natürlich mehr und mehr verschwimmt – eine Grenze zwischen Beruf und Freizeit ziehen. Als Admin mal aus dem Firmenaccount ausloggen bei Facebook und die rein private Timeline durchlesen und sich bewußt zu machen: „Ich bin jetzt persönlich hier oder sogar privat, was irgendjemand über die Firma äußert betrifft nun mich überhaupt nicht persönlich“ ist hilfreich. Natürlich darf man sich aber die URL, die einem so privat unangenehm auffiel auch notieren und am nächsten Tag in der Arbeit genauer nachschauen, was da wer verbockt hat…

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2 Gedanken zu „Wenn die Social-Media-Manager-Rolle mit der Privatperson-Rolle in Konflikt gerät…

    1. NLP ist keine Wissenschaft, NLP ist eine Ansammlung von Werkzeugen. Einiges davon funktioniert gut für mich selbst, anderes halt nicht. Ob NLP eine Pseudowissenschaft ist oder nicht, ob es gefährlich ist oder nicht werde ich hier nicht diskutieren – sein Weltbild macht sich jeder selbst und das wiederum ist Watzlawick und Wissenschaft.

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