The Third Club Roundtable: Ist der Social Meda Hype am Ende?

Über den Namen zerbreche ich mir mal andermal den Kopf – wenn ich das richtig mitbekommen habe war das eine Veranstaltung, die aus einem Blogposting und einer Debatte auf Twitter hervorging, womit Dritter Club Rundtisch 😉 als Name ja so ziemlich irgendwie nicht ganz günstig war. Jedenfalls war es ein Roundtable mit Thomas Knüwer, Mirko Lange, Sebastian Matthes und Thilo Specht. Thema: Ist der Social Media Hype am Ende und/oder baut Facebook seine Vormachtsstellung aus bzw. werden kleinere Netzwerke neben Facebook existieren?

Im Nachhinein betrachtet war der zweite Teil des Themas – der mich eigentlich mehr interessiert hätte – dann leider gegen Ende mit einigen Beiträgen schnell abgehakt. Irgendwie scheint wenn das Wort Facebook in einem Themenvorschlag drinsteckt sich der größte Teil der Diskussion halt nur um diese eine Plattform zu drehen, auch wenn man sich ja eigentlich mit einem Blick über den Tellerrand beschäftigen wollte. Andererseits kann niemand jetzt meine Meinung zum Thema anfechten… 🙂 (Ich skizziere mal ebend: Einerseits gibts Nischen-Social-Netzwerke seit langem, andererseits ist das nun nicht weiter erstaunlich sieht man sich mal die Entwicklung von Foren im Internet an. Nur dass es damals kein „Überforum“ gab wo alle Mitglied waren, NING gab die Möglichkeit schon sein eigenes Social-Netzwerk zu bauen, MIXXT ja wohl ebenso. Und ich verweise immer gerne auf das Social Netzwerk von Lady Gaga, in dem ich rein beruflich drin bin. Hüstel. Insofern: Es wird immer Nischen-Netzwerke geben.) A propos: Warum Foren nicht zum Social Web gezählt werden sollten wie Mirko Lange meinte ist mir unverständlich.

Aber kommen wir zurück zum Hype und Daniel Fiene startete ja auch mit der Frage, was eigentlich ein Hype ist. Das scheint genau so schwer zu definieren zu sein wie die Frage was Glück ist und ich glaube, schon hier zeigte sich etwas woran die Diskussion manchmal krankte: Man sprach zwar in einheitlichen Fachtermini, aber so ganz genau zu definieren was man jetzt womit meint gelang nicht. Wie zum Beispiel Hype. Oder Digital Natives – wer sich mit jungen Studenten an der Uni beschäftigt weiß genau, dass die 20-Jährigen NICHT zu dieser Zielgruppe zählen, trust me on this, Digital Natives sind die heute 3- oder 4-jährigen, die wachsen nämlich selbstverständlich mit dem auf was für uns neu war. Schon mal einem Kleinkind ein iPad in die Hand gedrückt?

Beim Begriff Hype verlinke ich immer gern zum Begriff des Hypecycle – und der beinhaltet eigentlich dann auch schon die Antwort auf die Frage ob Social Media als Hype am Ende ist oder nicht. (Treffend ja auch Frank Tentlers Anmerkung, Berater würden gerne das Wort Hype benutzen weil wir mit dem Medium Geld machen müssen oder wollen. Da hat er Recht. D’oh!) Während Thomas Knüwer meinte, der eigentliche Hype stünde uns hier in Deutschland noch bevor, bin ich der Ansicht: Social Media hat in Deutschland gerade so den Schnittpunkt zu Phase 3 – „Trough of Disillusionment“ – und Phase 4 – „Slope of Enlightenment“ – erreicht. Und muss schon wieder differenzieren: Wir Early Adopters sind schon längst in Phase 5. Für uns ist das alles Alltag. Man gebe uns ein neues Tool, wir melden uns da sofort an – ohne zu fragen ob wir da nicht eventuell wie bei Path in die Falle tappen und unsere Daten abgeben – und spielen damit rum. (Bei Pinterest und Rebelmouse gings mir auch nicht anders und ja, ich habe auch immer noch Path installiert weil ich das für ein schickes kleines Nischennetzwerk halte. Bei Diaspora war ich dagegen schon seit Ewigkeiten nicht mehr…) Frank Tentler benutzte in der Diskussion das Bild des Kontinents, den wir als Social Media Affine vom Strand aus sehen und mit ersten Bötchen uns unseren Weg zum neuen Land paddeln. (Wer Wüsten mag: Wir laufen der Karawane halt sehr weit voraus. Das hat Vorteile, Nachteile.)

Vielleicht liegt das Problem aber auch daran, dass wir alle viel zu sehr toolorientiert sind. Dass wir uns auf die Seite der Werkzeuge konzentrieren – eine Weile drehte sich die Diskussion ja auch um die Frage ob und wie Unternehmen Social Media nutzen oder ob es nicht auch einfach reicht eine Beschwerde-Mail zu schreiben. Ich habe letztens noch Kunden ausschließlich zu XING geraten weil deren Geschäftsfeld nicht affin für Twitter, Facebook oder Google+ war. Manchmal rate ich sogar ganz ab, weil nicht jedes Unternehmen unbedingt Social Media machen muss. Offenbar ist mir die Devise, dass es erst eine Kommunikationsstrategie geben muss und man sich dann das passende Tool raussucht – oder auch bleiben lässt – so sehr in Fleisch und Blut übergegangen dass ich immer staune wenn es bei solchen Diskussionen – wenigstens Mirko Lange erwähnte es am Ende, phew – all zu sehr darum geht ob Facebook nun zu kompliziert für den Nutzer ist, ob Facebook jetzt die nächsten Jahre bleiben wird, ob Big Data – was immer das nun wieder sein mag – wichtig ist oder nicht.

Wichtig ist: Die Tools, die wir bedienen, sind nur eine Ebene. Denn – ich warf das auch ein – Maslow bleibt Maslow. Watzlawick bleibt Watzlawick. So schnell geht die Evolution des Menschen nun nicht voran dass er auf einmal all das was er Jahrtausende in sich vereinigt und was wir im Laufe der Zeit dank der Wissenschaft erkannt haben von sich abstreift weil auf einmal das Social Web da ist. Sicherlich ändert sich etwas – und man kann natürlich fragen: Ändert sich die Kommunikationshaltung in Unternehmen weil die Tools eingeführt werden oder andersherum, Christian Henner-Fehr würde jetzt sagen Ersteres 🙂 – sicherlich gehen Unternehmen anders mit ihren Kunden an. Aber wenn Unternehmen die Fundamente menschlicher Kommunikation nicht begriffen haben, dann sollten sie sich aus dem Social Web raushalten. Oder um die Frage aus der Diskussion aufzugreifen: „Warum sollte ich Fan von Kitkat bei Facebook werden?“ – Abgesehen von, hmm, „Schokoriegel! Yay! Lecker“, Katzenbildern mit Kitkat, Gewinnen und all dem was menschliche Motivation auszeichnet. Denn das haben wir gar nicht mal berührt, dass es Menschen bisweilen reicht wenn sie ihre neuesten Angebote per Facebook-Posting mitbekommen statt per Prospekt in der Zeitung. Manche Menschen wollen auch gar nicht mit Unternehmen reden. Hoppala… Siehe dazu aber den Blogbeitrag von Christian Henner-Fehr: Warum wir Follower oder Fans werden.

Das ist jetzt meine Sichtweise, die aber auch wiederum nur eingeschränkt sein kann und was ich immer bedaure ist, dass bei Fortbildungen zum Thema die eigentliche Art und Weise wie wir Menschen miteinander kommunzieren und warum analoge und digitale Kommunikation nicht gleich sind überhaupt keine Rolle spielt. Gerade das ist aber doch der Knackpunkt und um diese Thematik kreise die Diskussion ja andauernd. Also um Kommunikation. In welche Richtung nun auch immer, aber immer wieder kam man ja auf Kommunikation als Grundthema zurück. Vielleicht ist es endlich an der Zeit dass wir alle mal einen Schritt von den Shiny Tools zurücktreten und uns fragen: Was macht eigentlich gute Kommunikation aus. Nicht nur im Web sondern auch im Alltag. Zeit wäre es.

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2 Gedanken zu „The Third Club Roundtable: Ist der Social Meda Hype am Ende?

  1. Stimmt, das würde ich vermutlich sagen, aber den Automatismus, dass sich mit der Nutzung eines Tools die Kommunikationskultur ändert, den gibt es leider nicht. Insofern ist so ein Tool nach wie vor kein Allheilmittel.

    Dein Hinweis, dass wir uns zu wenig damit beschäftigen, was gute Kommunikation ausmacht, nehme ich dankend auf. Es ist richtig, dass es meist nur um die Tools geht und das Thema Kommunikation außen vor bleibt. Ich vernachlässige das auch meist, aber Du hast recht, das gehört unbedingt dazu. Danke! 😉

    1. Natürlich gibts da keine Automatismen bezüglich Tool und Kultur im Unternehmen. Wenn „von oben“ unbedingt Social Media eingeführt werden soll und die Mitarbeiter das nicht mitmachen wollen dann klappt das auch nicht wenn man das beste, neueste Tool nimmt…

      Die Kommunikations-Grundlagen sollte man eigentlich als Social Media Manager schon kennen. Aber irgendwie gehts tatsächlich immer nur um Marketing-Theorie oder Tools. Kommunikations-Wissenschaftler scheinen hingegen sich kaum mit dem Social Web auseinanderzusetzen – aber ich kenne nun auch nicht jede Studie aus dem Bereich…

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