Post-Postludium: Die White-Ravens-Festival-Revue

Im Rahmen des 2. White Ravens Festival 2012 entsteht hier eine kleine Seitenblick-Reihe mit persönlichen An- und Einsichten. Meine Hauptimpressionen finden sich im Festivalblog der White Ravens.

Es regnet als ich mich am 14. Juli auf den Weg zum Bahnhof in Duisburg begebe und zusammen mit Christoph Müller-Girod und Frank Tentler die Reise nach München auf mich nehme. Das White Raven Festival ruft. Genauer: Die Schloss Blutenburg wartet auf uns, eine echte Burg inmitten einer idyllischen Landschaft – falls jemand mal „Wölfe ums Schloss“ von Joan Aiken gelesen haben sollte, so stelle ich mir das Schloss im tiefsten Winter vor… 😉 Sechs Stunden Zugfahrt liegen vor uns, die vergehen aber wie im Flug.

Kurz nach der Ankunft in München und nach dem Einchecken ins Hotel werden Frank, Christoph und ich einmal durch die Burg geführt – in den Archivkeller, wo die Bücher aus Angola momentan nicht da sind bis in die Höhe durch das berüchtigte Treppenhaus – man darf gerne persönlich nachfragen, warum das berüchtigt ist, das ist eine Geschichte die ein anderes Mal erzählt werden wird. Der James-Krüss-Turm, das Michael-Ende-Museum, die Kirche, die Gänge und Winkel: Schon beeindruckend. Zudem fließt die Würm in den Teich, der neben dem Schloss liegt. Raben, Wildgänse, Schwäne und Enten bevölkern ihn und im Winter – so lassen Photos schließen – kann man auf ihm schon mal Schlittschuh laufen. Wir haben den Regen hinter uns gelassen und die Sonne dringt in den Innenhof. Wir landen schließlich beim „Alten Wirt“, der 1417 das erste Mal erwähnt wird und seitdem wohl unablässig bewirtschaftet wird. Hier treffen wir zum ersten Mal auf alle eingeladenen Autoren und das erste Mal mischen sich die Sprachen miteinander. Spanisch, Deutsch, Französisch, Englisch…

Ein Eröffnungsfest läutet am nächsten Tag das White Ravens Festival ein. Das Wetter ist dabei wechselhaft, der Regen macht das Festzelt mit den auftretenden Autoren allerdings zu einer wunderbaren Lauschinsel. Erwachsene und Kinder hören aufmerksam zu und lassen sich auf die Erzählungen, Geschichten, Lieder ein. Frida Nilsson entführt die Kinder in die Welt von Hedvig, Sylvain Rivard liest nicht, er erweckt die Elch-Geschichte mit Stimme und Körper zum Leben – ein wahrer Storyteller. Ich werde noch einmal gegen Schluss des Festivals das Vergnügen haben ihm zuhören zu dürfen, dann auch mit Fellen, Federn und dem echten Elch-Horn. (Insgeheim frage ich mich, ob auch Mammuts so geklungen haben…) Viel Spaß machen den Kindern auch die „Kikki und ich“-Geschichten von Jenny Valentine und Jutta Richter liest als Weltpremiere ein Kapitel aus ihrem kommenden Buch „Das Schiff im Baum.“ Zum Schluss des Tages ist Benny Lindelauf anwesend, der Lieder im limburgischen Dialekt singt, den Romananfang von „Das Gegenteil von Sorgen“ auf niederländisch und zwischendurch viel auf deutsch über die Entstehung des Buches erzählt.
It is amazing to experience and read about so many diverse authors from different parts of the world, with different backgrounds, styles, life experiences and expectations. All the authors come together interrelating, showing their art of writing, promoting and going to schools nurturing the joy of reading in children and teenagers by reading some excerpts of their relevant work. Das schreibt Christina Ward, eine Stipendiatian der IJB und ich kann ihr zustimmen: Es ist wirklich aufregend all die Autoren zu sehen und zu erleben, mit Mirjam Pressler sogar eine Heldin meiner Kindheit.
Jetzt hätte ich doch glatt noch das Tweetup vergessen

Am nächsten Tag des Festivals gibts noch mehr von Frida Nilsson – die Geschichten über Hedvig und ihre Schulerlebnisse treffen bei den Erst- und Zweitklässlern ins Schwarze und auch die anwesenden Lehrer amüsieren sich. Kurz danach gibts dann ein für die älteren Schüler eine Lesung aus dem Thriller von Jenny Valentine – Identitätstausch und Doppelleben sind Themen, die die älteren Jugendlichen ansprechen. Wobei Jenny Valentine viel vom Beginn des Romans liest, aber wenig vom Schluss, denn sie möchte die Spannungskurve des Thrillers – wie eine Achterbahn gestaltet, so dass es einen langsamen Weg nach oben gibt, dann aber zum Schluss hin sehr rasant und spannend – nicht unnötig verraten. Außerdem soll man ja das Buch auch noch irgendwann selbst lesen. Wäre ja sonst auch doof wenn man schon wüßte wie es ausgeht.
Nach den beiden Lesungen gibts immer einen Mittagstisch in der Schloss-Schänke wo wir uns nochmal koordinieren. Dank der ausgezeichneten Vorbereitung ist immer WLAN vorhanden und selbst im Gewölbe, besonders bevorzugt für Heiratsfeiern – am Ankunftstag bekommen wir das noch etwas mit – ist das Internet trotz der dicken Mauern und der Ritterrüstung in der Ecke ausgezeichnet. Kaffee und Kekse in der Nähe – perfekt… Zwischendurch führt Frank ein Interview mit der Bibliotheksdirektorin Frau Raabe, die erzählt warum die White Ravens auch im Social Web zu finden sind. Und bei den reizenden Damen des Webteams musste ich nicht lange nach passenden Fragen suchen. 🙂

Mirjam Pressler und Uri Orlev sind am Dienstag in der Burg. Mirjam Pressler liest einen Text von Orlev vor, den dieser für das Festival geschrieben hat und anschließend stellen sich beide den Fragen der Kinder. Selten habe ich so aufmerksame und gebannt dasitzende Kinder erlebt, die voller Fragen über das Warschauer Ghetto und den Krieg sind. Das Vorurteil, man könne Kindern den Holocaust nicht vermitteln wird eindrucksvoll widerlegt. Am späten Abend gab es nochmal eine Lesung, die vom Gastblogger Andrei Craciunescu verfolgt wurde.
Die Bücher von Suzan Geridönmez sind leider nicht auf deutsch erhältlich, es wird zwar viel aus dem Deutschen ins Türkische übersetzt, umgekehrt ist das aber nicht so. Glücklicherweise gibts aber einige Kurzgeschichten doch auf Deutsch, wurden Textauszüge aus ihrem Roman übersetzt. Spannend an dieser Veranstaltung ist, dass es nicht nur meine Sicht des Abends gibt, sondern auch die des Gastbloggers Andrei.

Mittwoch Abend: Die Stunde von Nils Mohl im „Import/Export“ – die Definition des Satzes „Das ist ganz nah am Münchener Hauptbahnhof“ werde ich neu für mich fassen müssen, gut, wenn man auf der falschen Seite rauskommt IST das auch nicht so nahe dran. Zusammen mit Nils Mohl habe ich am Vorabend die Lesung von Suzan Geirdönmez erlebt und weiß daher, dass der Autor ein sehr sympathischer Mensch ist. Die „Sitzdisko“-Premiere führt anhand des Sountracks im Anhang von „Es war einmal Indianerland“ durch den mit Vor- und Rückblenden ausgestatteten Roman. Gastblogger Andrei war auch vor Ort. Später trifft Nils Mohl dann auf die Schüler der 9c der Situlischule, die ein Videotagebuch während des Lesens seines Romans erstellt haben. Ein Interview ist da natürlich im Festzelt Pflicht. Oh, Anne-Laure Boudoux darf ich natürlich nicht vergessen, deren Roman „Die Zeit der Wunder“ sich mit dem Thema Flucht beschäftigt und den Klischee-Bildern, die man sich von gelobten Ländern macht. Familienlegenden, so sagt sie, hat jeder und obwohl sie manchmal erfunden sind können sie nach langem Wiederholen doch zu einer eigenen Wirklichkeit werden – ich glaube, da hat jeder so seine Erfahrungen mit.

Kaum zu glauben wie schnell die Zeit vergeht – kaum angefangen neigt sich das Festival auch schon wieder seinem Ende entgegen. Ich lasse mir die Gelegenheit nicht nehmen und schaue schnell noch beim Michael-Ende-Museum rein, gerne hätte ich noch den James-Krüss-Turm mitgenommen aber der läuft einem ja nicht weg. Obwohl – hmmm, wer weiß. Schnell wie das Internet halt so sein kann gibts auch nach dem Ende des Festival schon ein Resümee von Tanja Praske.
So schnell bin ich trotz meines Spitznamens „Flashwriter“ nun nicht und die Dokumentation des Festivals wird vom Webteam ja auch noch selbst erstellt. Ich versuche mich stattdessen am Falten eines weißen Raben und stelle fest: Basteln kann ich ab-so-lut nicht. (Bekanntlich kann ich auch keine Kunst. Ich kann nur drüber reden. :-))

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