Tag 5: Sprachengemisch

Im Rahmen des 2. White Ravens Festival 2012 entsteht hier eine kleine Seitenblick-Reihe mit persönlichen An- und Einsichten. Meine Hauptimpressionen finden sich im Festivalblog der White Ravens.

Oh, oh, Frank klingt heute beim Frühstück eher so nach Krankheit. Verschwindet rasch in sein Zimmer und ist dann auch für den Rest des Tages nicht zu sehen. Nicht so nett und gute Besserungswünsche werden per Internet überbracht. Ich hingegen mache mich auf dem Weg zur Lesung mit Daniel Nesquens – und lande dann doch bei Benny Lindelauf. Denn die Lesung mit Nesquens ist auf Spanisch und das ist so gut wie mein Hindi.

Also nochmal Niederländisch, Limburgisch und Deutsch – einen Teil des Programms habe ich ja am Sonntag erlebt und bin für den Kanon bestens gerüstet. Sehr schön: Lindelauf singt ein Hermann-van-Veen-Lied, das ich auch sehr gerne mag: „Jessie“ heißts wohl im Orginal. Und so ganz beiläufig meint er auf die Frage, ob er verheiratet sei, ja, das sei er, aber mit einem Mann. Was – und das finde ich gut – überhaupt keine Reaktion bei den Schülern auslöst. Der ist halt mit einem Mann verheiratet, das ist okay und völlig normal irgendwie. Noch netter: Statt nur Texte zu lesen hat Benny Lindelauf ein interaktives Programm vorbereitet – mit Fragen und Aktionen, mit Bildern, mit dem Kanon zum Mitsingen, mit der Nachfrage was man bei den fremdsprachigen Liedern denn verstanden habe. Schon toll.

Irgendjemand muss dann doch noch applaudiert haben denn kaum soll es mit dem Schlangentanz losgehen beginnts zu regnen. Passt zwar hervorragend zur Geschichte, aber nicht so ganz für die Absicht des Tanzens. Also umziehen und rein in die Burg. Sylvain Rivard erzählt die Geschichten vom Elch, den Hermelindamen und Ottern auf französisch – die Klassen kommen da wohl ganz gut mit, ansonsten gibts natürlich auch noch eine deutsche Version. Es hilft natürlich wenn man die Geschichte vom Riesen-Elch schon am Sonntag gehört hat – hüstel – wobei ich feststelle, dass mein Französisch tatsächlich ausreicht um die Geschichten zu verstehen. Ich finde es ungeheuer faszinierend einem echten Storyteller zu begegnen, der mit Körper, Stimme und Gegenständen die Erzählungen zum Leben erweckt. Das Problem aber dabei ist natürlich, dass wenn der Erzähler der Geschichten stirbt und niemand nachfolgt dass die Geschichten verstummen. Deswegen müssen Geschichten aufgeschrieben werden.

Am Abend erfahre ich dann, dass die Abernaki-Sprache nur noch von 23 Menschen gesprochen wird. Ebenso, dass die Erdbeere bei Geburt und Tod eine wichtige Rolle spielt, die Frucht der Geister sei sie. Und: Neben den Artikeln gibts noch den Unterschied zwischen belebten und nicht belebten Gegenständen – und dafür grammatikalische Feinheiten.
Ein sehr amüsantes Erlebnis noch: Zwei Teilnehmer des Festivals unterhalten sich zu Beginn in Englisch bis sie feststellen, dass sie eigentlich beide Deutsche sind. So ist das halt bei einem internationalem Festival… 🙂

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