Tag 4: Genesis und Soundtrack

Im Rahmen des 2. White Ravens Festival 2012 entsteht hier eine kleine Seitenblick-Reihe mit persönlichen An- und Einsichten. Meine Hauptimpressionen finden sich im Festivalblog der White Ravens.

Und dann passt der Abend wieder ohne dass es geplant ist zur Vormittags-Lesung und das, weil die Frage der Pixies „Where is my mind?“ Bernhard Beckett und Nils Mohr perfekt miteinander verbindet. Fight Club meets Philosophy – wobei sich fragen lässt ob Fight Club nicht eh im Grunde schon ein zutiefst philosophisches Werk über den Willen an sich ist. Ist Fight Club nicht eigentlich der Film, dessen philosphische Grundlagen – neben Matrix 1, die anderen Teile gibts für mich einfach nicht, so – ausführlichst debattiert werden müssten im Schulunterricht? Aber da sind wir mit Neuseeland gleich: Philosophie als Schulfach – undenkbar. Allenfalls mal kratzen im Religionsunterricht wenn überhaupt. Ist ja aber auch nicht so einfach das mit den ungleichen Schwestern, die lange Zeit im selben Haushalt gelebt haben und plötzlich stellt sich dann die jüngere hin und meint, sie müsse unbedingt auf eigene Faust nachdenken gehen.

Dabei ist eigentlich doch jeder Autor ein Schöpfer und muss seine eigene Genesis hinter sich bringen. Wie vielfältig diese sein kann kriegt man beim Festival hier schon mit. Boudoux erträumt ihre Gestalten bevor sie sie aufs Papier bringt, Jutta Richter sammelt erste Sätze, manchmal haben die Autoren teilweise doch schon eine feste Struktur der Geschichte im Kopf – Jenny Valentine schrieb einen Thriller, da muss man zumindest das Ende kennen – manchmal scheinen die Figuren auch ein Eigenleben zu entwickeln und ob sie dann das am Ende tun was sie tun sollen ist dann auch so eine Sache.

Manchmal hilft bei der Entstehung eines Romans auch ein Soundtrack. Es gibt Blogger, die posten regelmäßig das, was sie bei ihrer Arbeit hören, ich finde, das wäre doch auch eine schöne Idee für Autoren zu beschreiben, welche Sounds, welche Tracks und welche Songs sie beeinflusst haben. Schmachtet Elvis für eine Liebeszene im Hintergrund wie bei Nils Mohr – der allerdings zu Recht meint, man kann Kitsch nur schreiben wenn man Rock’n’Roll vorher hatte – oder gibts doch Heavy Metal wenn die Welt unterzugehen droht? In den Schubladen meines Gedächtnisses gibts es nur zwei Autoren, bei denen ich das mit Songtexten irgendwie noch verbunden habe und alle sind garantiert nicht auf diesem Festival: Stephen King, der gerne Songzeilen den Kapiteln voranstellt, „I’m a Believer“ spielt bei Neil Gaiman eine tragende Rolle. Gut, ja, „Das Wüten der Ganzen Welt“ – zugegeben – und dann hat noch ein Hart-Roman eine Figur, die durch eine Bearbeitung einer Mozart-Arie reich geworden ist. Musiker oder Songschreiber tauchen alle Male mal in Romanen auf. Doch ein Roman, dessen Grundthema wirklich die Musik ist?

Was also hören Autoren beim Schreiben ihrer Romane? Vermutlich das Pochen des Herzens.

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