El Greco encore

El Greco - Apostle St Thomas - WGA10599
El Greco – Apostle St Thomas – WGA10599 (Photo credit: Wikipedia)

Bis zum 12.08. noch kann man sich im SMKP die Ausstellung „El Greco und die Moderne“ anschauen. Dass der Maler nicht in Konflikt mit der Inquisition kam, kann man sich heutzutage nur schwer vorstellen – schließlich sind eine überdehnten Figuren nicht gerade konform mit dem, was man sonst von Tizian und Co gewohnt ist. Andererseits ist verständlich, dass die jungen Modernen von El Greco begeistert waren – die Dramatik der Farbgestaltung, die Behandlung des Raums – kein Wunder, dass Picasso und Co. von dem Maler begeistert waren.

Mich faszinieren – abgesehen mal von der Öffnung des fünften Siegels, der Entkleidung Christi und des dynmischsten Auferstehungsbildes der Christenheit wohl jemals, da ist alles in Bewegung: Christus selbst entstrebt nach oben, die römischen Legionäre sind im Fallen begriffen oder starren etwas verdutzt mit offener Gebärde in den Himmel – besonders die Apostelbilder. Der Heilige Thomas etwa, der Herr nebenan, hat eine sehr lange Nase, vom verlängertem Hals mal abgesehen – andere Apostel haben ebenfalls in ihren Gesichtern Merkwürdigkeiten, die zum Ideal eines Heiligen nun so gar nicht passen.

Wir sind als Bildergucker von Heiligen anderes gewöhnt. Unsere Vorstellungen von Heiligen-Darstellungen oder von Jesus sind ja eher die von „schönen“ Menschen. Menschen, die ohne zu Zögern alle Runden von „Germanys Next Top Model“ mit Leichtigkeit nehmen würden. Und diese Bilder gibts ja auch zu der Zeit von El Greco schon zu Hauf und wenn man sich die Heilige Maria von Magdala anschaut, die El Greco ja auch gemalt hat, dann ist die tatsächlich – nun – kitschig. Doch, doch, diese tränenvollen zum Himmel erhobenen Augen, die Inszenierung mit Himmel und so – das kommt Kitsch schon sehr nahe.

Warum also malt El Greco die Apostel so, wie er sie malt? Vielleicht weil er gerade den Aspekt des Menschlich-Seins betonen wollte. Die Apostel sind einfache Menschen, die ihr Leben bis zur Nachfolge mit anderen Dingen verbracht haben und vom Leben geprägt sind. Damit erdet El Greco – nicht nur mit den von ihm verwendeten Farben übrigens, der Hintergrund der Apostel-Bilder, die Farbe der Gesichter selbst, nur ab und an die Gewänder stechen farbig hervor – die Apostel. Es sind keine Schönheiten sondern Menschen mit Ecken und Kanten. Unter diesem Gesichtspunkt betrachtet sind El Grecos Apostel dann doch nicht seltsam.

 

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