Bilderpatenparty mit El Greco

Die Social Media Welt der an Kunst und Kulturinteressierten bringt bisweilen sehr nette Schnittmengen hervor – deswegen landeten auf meinem virtuellem Schreibtisch zwei Einladungen für die „Bildpatenparty“ des SMKP zur Ausstellung El Greco und die Moderne. (Witzigerweise waren beides Mitglieder des Stammtisches, der nicht genannt werden darf.)

Von der Ausstellung und den Bildpaten hatte ich natürlich schon was gehört und mitbekommen – El Greco war mir allerdings kein Begriff. Bis ich dann auf der Ausstellung auf die „Auferstehung Christi“ traf, das dynamischste Auferstehungsbild aller Zeiten war mir doch schon mal begegnet, aber das Gedächtnis verlässt mich gerade – vermutlich im Zusammenhang mit meinen kirchlichen Aktivitäten. Jedenfalls: Zusammen mit den anderen Mitgliedern des Stammtisches, der nicht genannt werden darf, brach ich dann gestern abend nach Düsseldorf ins Museum Kunstpalast auf. Sebastian Hartmann kurz vor der Tür Hallo sagen, Namen auf der Gästeliste abstreichen lassen und – Gutschein in die Hand gedrückt bekommen. Nett. Während die anderen dann unten an der Garderobe ihr Zeugs abgaben, durfte ich ein kleines – na ja, klein – El-Greco-Überraschungspaket in Empfang nehmen.

„Ist das das lymbische oder das vegatative Nervensystem?“, rätselten wir dann über die hängende Konstruktion im Eingangsbereich des SMKP nachdem wir Platz gefunden hatten. „Vegetativ! Steht da!“ Damit war das Rätsel erst mal gelöst und ich selber tauchte glücklich – obwohl Abend! – Brotstückchen in die Aioli-Sosse. Oliven sind nicht meins, selbst nicht in Braun. Nachdem Mike Litt schon einige Töne aufgelegt hatte, moderierte er kurz den Abend an und gab dann das Mikro an die Damen des Museums weiter, die die Ausstellung vorbereitet hatten – (wobei, wer fast jeden Donnerstag im Lehmbruck ist, der hat halt keine Fragen dazu wie man Ausstellungen macht, was die Kosten sind und wie das so funktioniert… ;-)) Nett war die Geschichte mit dem Bild, dass man nur als Leihgabe bekam weil man ein Honigglas des Bienenstockes vom Dachgarten da ließ. Die Frage ob Social Media mit El Greco zusammengeht wurde positiv beantwortet: Ja, durchaus, man hat allerdings auch ingesamt nicht mit so viel Feedback gerechnet. (Vielleicht hätte ich nachfragen sollen, wie man dann genau den Erfolg im Social Media Bereich rechnet – zählt man Likes? Schaut man auf die Fanzahlen? Und die übliche Frage: Ist Facebook das Medium wenn man junge Leute erreichen möchte? Also jung im Sinne von „so bis zwanzig“? Darüber müssten wir nochmal ausführlich diskutieren scheint mir, vielleicht beim stARTCamp in Köln. ;-))

Zwei Führungen wurden dann am Abend durch die Ausstellung angeboten und erinnert mich bitte beim nächsten Mal daran, die spätere Version zu nehmen – der Andrang bei der ersten war ja echt voll. Immerhin stieß noch Becker Schmitz im Laufe derselben zu uns, was mich natürlich aus Gründen freute. Die Führung selbst war immerhin nicht langweilig, wobei: Nein, Franz von Assisi kommt nicht in der Bibel vor, nein, Johannes der Täufer hat nicht die Apokalypse geschrieben – wie auch, Herodes hat den einen Kopf kürzer gemacht – und ob ein Gemälde, dass im Ankleidezimmer von Priestern hing wirklich die christliche Öffentlichkeit schockierte – ähm, gut, das haben jetzt die Priester gesehen, eventuell noch die Messjungen – ist auch fraglich. Immerhin bekam man einen Einblick in das Leben und Werk von El Greco und in einer halben Stunde kann man natürlich nicht auf alles eingehen was man in der Ausstellung hängen hat. Wobei natürlich beim Stichwort „gestreckte Gliedmaßen“ der Verweis auf Lehmbruck total logisch erscheint. (Im Katalog schreibt Stecker, Direktor des Lehmbruckmuseums, dass man zwar nicht weiß, ob Lehmbruck die El-Greco-Manie von 1911 mitbekommen hat, aber es hätte durchaus sein können…)

Da vor kurzem noch die Reminiszenz an den klassischen Laokoon im Lehmbruck zu sehen war, ist es natürlich spannend El Grecos „Laocoon“ damit zu vergleichen – und bei Gelegenheit sollte ich mir nochmal merken, welche Götter denn jetzt für die Trojaner und welche für die Griechen waren, die Laokoon-Episode ist aber ja eh nicht bei Homer zu finden. Interessant auch, dass bei der Öffnung des Fünften Siegels 175 Zentimeter fehlen – damals hat man Restauration halt anders verstanden. So kann man nur spekulieren ob oberhalb der Figurengruppe noch etwas zu sehen war. (Laut Bibelstelle sollte da zwar nichts zu sehen sein, aber vorstellbar, dass das Lamm oder Christus noch erschien…) Überraschend zudem wie modern diese Bilder wirken – mit der Vorstellung dessen, was wir so im Kopf von der Ära haben – also Tizian oder so – hat El Greco nun nichts zu tun, man kann seine Bilder auf einen Blick wiedererkennen und ja, mir gefällt die „Auferstehung“ dank der Dynamik jetzt noch besser. Abgesehen mal von den Farben.

Wir haben nach der Führung noch vor El Grecos „Letztem Abendmahl“ zusammengestanden und das gemacht, was man in einem Museum machen sollte: Über Kunst reden. Krumm und schiefe Fenster und Türen, schwebende Apostel und ein Tisch, auf dem nur Brot und Wein zu sehen sind – El Grecos „Letztes Abendmahl“ ist schon ein besonderes Bild, vor allem weil wir ja eher Da Vinci im Kopf haben. Mit nettem Geplausche ging der Abend dann zu Ende – leider ist das unter der Woche immer so ein Problem – und zum Schluss des Tages haben wir die A59 ausprobiert, die jetzt tatsächlich endlich fertig ist und einen in fast einem Rutsch stressfrei am Abend von Düsseldorf nach Duisburg bringt.

Claudia Pirc, die Bildpatin fürs „Letzte Abendmahl“, die uns eingeladen hatte, bloggt übrigens unter „El Greco und ich„.

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