Das Märchen vom armen Bauern, seinem Nachbarn und dem Acker

Es war einmal hinter den Reichen der sieben vergessenen Social Networks ein Bauer, der war bettelarm. Denn sein Acker brachte keine rechte Frucht und so oft er sich mühte, den Boden umgrub, der Acker brachte ihm keinen Gewinn. Seinem Nachbarn aber gedieh und spr0ß alles, was dieser auf den Acker säte. Und weil der Nachbar so viel geschickter war, ständig neue Methoden des Umgrabens erforschte und auch beim Gärtner des Königs vorbeiging um Wissen auszutauschen, so war der Nachbar des armen Bauern ein weitgeachteter und reicher Mann.

Da überkam der Neid den armen Bauern und Tag und Nacht sann er darauf, wie er es anstellen konnte auch etwas vom Reichtum des Nachbarn abzubekommen. Doch wie er es auch trachte und wendete, er konnte nichts ersinnen. Da ging er in den Wald, setzte sich hin und seufzte tief. „Was seufzest du?“, fragte da auf einmal eine Stimme und als der Bauer sich umwandte sah er ein kleines graues Männlein mit herabgezogenen Mundwinkeln. „Ach,“ sprach der Bauer da, „ich mühe mich Tag und Nacht, grabe den Acker nach der Art meiner Väter, aber er gibt keinen Gewinn. Mein Nachbar dagegen, der nur wenige Meter neben mir anbaut, hat die Hülle und die Fülle.“
„So, so,“ sprach das graue Männlein. „Wenn dem so ist, will ich dir helfen. Höre mir gut zu: Gehe zum König und sage, der Nachbar habe von dir Samen erworben.“
„Was soll mir das nutzen?“, sprach der Bauer verwundert, „da es doch nicht wahr ist?“
„Oh, ich gebe dir dieses Pülverchen,“ sagte das graue Männlein und holte einen Beutel hervor. „Bläsest du es dem König ums Haupte, so glaubt er alles, was du ihm sagst.“
„Und was soll ich dann weiter sagen, wenn der König mich weiterhin fragt?“
„Sage, da alle Samen gleich gut seien und der deine am Besten und da der Nachbar Samen von dir erworben habe, der prächtig aufgegangen, so müsse er dir einen Teil davon abgeben, den Teil, den du dir nur anschaust.“
Der Bauer schaute das graue Männlein verdutzt an. „Dies ist mir zu hoch, oh Männlein.“ Das Männlein lachte schallend und sprang keck auf und nieder. „Nun, hat der Nachbar von dir den Samen gekauft?“
„Gewiß.“
„Und der Boden ist gleichermaßen bestellt worden von euch?“
„Sicherlich.“
„Und grenzen die Äcker aneinander?“
„Dies doch!“
„So ist dies ganz einfach erklärt, mein armer Bauer: Dein Nachbar nahm dir auf unrechte Art und Weise die Ernte, da er unrecht mit dem Samen umging. Denn wäre er rechtens damit umgegangen, so wäre der Samen nicht aufgegangen. Und so, sage das dem König, ist ein Teil des Samens unrechtmäßig gehandelt wurden, deswegen stünde dir ein Teil zu.“ Der Bauer versuchte zu verstehen, was das Männchen sagte, aber es gelang ihm nicht. „Ach, Bauer, gehe nur hin, blase dem König das gehörig ins Ohr und du wirst sehen, er wird dir Recht geben.“
„Aber was verlangst du für deine Hilfe, oh Männlein?“, gab der Bauer jetzt auf. Das Männlein grinste. „Oh, ich selber verlange nichts. Nur wird das, was du dem König sagst ein Gesetz werden und die, die mir unterstehen werden durch das Land streifen und viele Taler mir zu Füßen legen.“ Und so geschah es: Der Bauer betörte den König und fortan musste jeder, der auch nur den Hauch eines Samens wagte in den Boden zu senken, den Bediensteten des grauen Männleins viele Taler zahlen. Warum dem aber so war, das verstanden weder Bauer, noch König, noch sonst einer im Lande. Nur das graue Männlein kicherte, hüpfte und freute sich.

Und falls du, lieber Leser, jetzt sagst: Ich verstehe diese Argumentation des Männchens immer noch nicht, keine Sorge, es ist ja nur ein Märchen, es ist ja nicht so als ob das jemals tatsächlich so oder ähnlich Wirklichkeit werden würde, nein, außerdem würde der Vergleich ja sowas von hinken und überhaupt…

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