Die Sandwich-Generation: Social Media Manager und Professionalisierung

Deutsch: Kommunikationsmodell (3), Kommunikati...
Deutsch: Kommunikationsmodell (3), Kommunikationsmodell nach Paul Watzlawick (Photo credit: Wikipedia)

Momentan spüre ich wieder das Dilemma dessen, der der Karawane voranmarschiert – und zwar auf dem Feld der Bewerbungen. Es ist ja kein Geheimnis, dass ich die Verbindung zwischen einer halbe Stelle auf der einen und selbstständiger Tätigkeiten auf der anderen als ideal empfinde und mich daher auch vermehrt auf Stellenauschreibungen im Bereich Social Media und angrenzende Felder – oder auf alles, was in der Job-Beschreibung irgendwie damit zu tun haben könnte – ja, sogar in Berufszweige, die nur entfernt mit Social Media zu tun haben, bewerbe. Dabei sollte man meinen, dass in Düsseldorf und Köln genügend Firmen existieren, die einen Social Media Manager gut gebrauchen und einstellen können. Vor allem bekommt man bei mir noch den Datenschützer und den Qualitätsbeauftragten dazu.

Was ich allerdings feststelle und ich glaube, würde ich mich momentan bei den jungen und frisch ausgebildeteten Social Media Managern der diversen Institute umhören kämen wir wohl auf den gleichen Stand, ist, dass wir aktuell die Sandwich-Generation in diesem Beruf sind. Auf der einen Seite haben wir durch das praktische Tun viel Erfahrung, kennen uns gut aus mit allen Tools, finden selbst Pinterest akzeptabel – einigermaßen – sind am Puls der Zeit und könnten ohne Probleme sofort in einer Firma anfangen. Andererseits haben wir, die wir den Beruf miterfunden haben, nicht die Voraussetzungen die in Stellenausschreibungen gefordert werden und scheitern immer wieder bei dem Versuch, eine Festanstellung im Bereich Social Media Manager zu bekommen. Wir sind zur Selbstständigkeit gezwungen weil es sonst keine andere Möglichkeit gibt wie wir in diesem Bereich Geld verdienen könnten. Damit unterscheiden wir uns nur wenig von SEOs oder Community-Managern – für letztere gibts aber immerhin einen Berufsverband, für SMM existiert sowas nicht.

Es ist aber auch verdammt schwierig die Erfordernisse eines Unternehmens zu erfüllen: Ausschreibungen für den Social Media Manager klingen häufig nach einem Idealbild, welches überhaupt niemand ausfüllen kann. Da soll man natürlich jung, frisch und dynamiwch sein – schließlich können Social Media ja nur die Digital Natives und die sind ja deutlich unter 20. Wer sich, wie ich, an der Universität herumtreibt als Gasthörer wird aber wissen, dass Digital Natives so native gar nicht sind. Generation Opfer 2.0 betitelt Frank Tentler diese und damit hat er Recht: Facebook ist das höchste der Gefühle wenn überhaupt. Klar, abgeschlossenes Studium im Marketing oder Öffentlichkeitsarbeitsbereich muss man haben, weil man ja sonst nicht verstehen kann wie Kommunikation funktioniert. Das ist eine der Voraussetzungen, an der ich persönlich häufig scheitere: Ich kann Schultz-von-Thun und Watzlawick auswendig, weiß dass im Internet dem Gespräch eine Komponente fehlt – weswegen Ironie und Satire kaum funktionieren – aber mein Wissen kann ich nicht mit einem Master oder Bachelor beweisen. Den gabs damals zu meiner Zeit noch nicht, ich studierte auf Diplom.

Während wohl Bestrebungen einen richtigen Ausbildungsberuf aus dem Social Media Manager zu machen scheiterten, gibt es Fortbildungen in diesem Bereich aller Orten und Unternehmen, die händeringend Bewerber brauchen. Doch die Anforderungen der einen Seite sind nicht identisch mit dem Können der anderen. Ich lege mal den Hasen in den Pfeffer und behaupte: Die meisten Unternehmen haben immer noch keine Ahnung davon, was sie eigentlich suchen – Hauptsache, es steht in der Stellenausschreibung irgendwas schickes drin, wenn der Platz nicht besetzt wird, ja mei, da kann bestimmt jemand aus der eigenen Firma was machen und Social Media ist eh so eine Mode, brauchen wir uns nicht ernsthaft im Unternehmen mit beschäftigen – aber eigene Facebook-Seite wäre schon schön, macht dann die Praktikantin, die gerade frisch von der Uni kommt, die jungen Leute können das bestimmt.

In Zeiten, in denen Unternehmen Festangestellten kündigen um sie dann – falls sie sich selbstständig gemacht haben – zu einem anderem Satz wieder einzustellen sollte man von der Vorstellung eine Festanstellung zu bekommen grundlegend verabschieden. Ab und an gibt es noch das Modell, dass feste Freie übernommen werden – aber das ist realtiv selten im Social Media Manager Bereich. So bleibt also nur das Arbeiten im freien Raum. Vielleicht wäre es endlich an der Zeit mal darüber nachzudenken – auf beiden Seiten – ob das, was man fordert erfüllbar ist…

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