Als ich mal Heftromane las

Man legt Lesegewohnheiten ab wie eine alte Haut und unter den abgestoßenen Schuppen schimmert dann etwas hervor, dass den Geruch des Neuen und Aufregenden hat. Vielleicht gehört im Leben auch eine Phase dazu, in der man intensiv einem Genre verhaftet bleibt. Bei mir waren das Heftromane – Professor Zamorra, Perry Rhodan, Maddrax.

Vielleicht waren sie stellvertretend für die Übergangszeit in meinem Leben: Das erste Perry-Rhodan-Heft las ich als ich damals bei einem Kompositionswettbewerb in Duisburg teilnahme – an der jetzigen UDE unter Norbert Linke. Nicht, dass ich da was gewonnen hätte, aber ich kam immerhin in die Endrunde und wurde für einen Abend eingeladen. Das muss kurz vor Ende meiner Schullaufbahn gewesen sein, ich meine die intensive Bewerbungsphase war damals für mich angebrochen, das Bestreben einen Job zu finden oder – witzigerweise – ein Studium. Und später schrieb ich mich tatsächlich für die UDE ein nur um kurz danach die Antwort zu bekommen, dass die FH Köln mich doch akzeptiert hatte. Lange her das alles.

Ebenfalls blicke ich wehmütig auf die Zeit zurück in der ich aktiver Teil eines Fandoms war, dass sich mit Fragen wie „Warum macht dieses doofe Amulett eigentlich nie das was es will“ oder „Was verbirgt sich hinter dem Projekt Bad Earth eigentlich“ und „Hey, da kommt eine neue Miniserie? Cool“ sowie „Ach nee, Geisterschocker ist doch dämlich, Dämonenland war besser“ beschäftigte. Im Bastei-Forum zu Vampira flimmerten rote Buchstaben auf schwarzem Grund, das neueste Heft musste rezensiert werden – unbedingt so, dass es keine Spoiler gab, nicht immer so ganz einfach – der Maddrax Internet Fanclub gründete sich und richtete Treffen aus. Eines davon in der Wohnung von Michael Schönenbröcher – gelungen – eines, das nicht so ganz gelungen war. (Ich gestehe: Das habe ich ausgerichtet, aber ich hatte auch damals eigentlich mehr auf die Unterstützung der Community gesetzt. Seitdem weiß ich: Ich bin Teamplayer, kein Leader.)

Jedes Jahr dann runter nach Frankfurt zum BuCon um mit Werner Kurt Giesa – RIP – zu plaudern. Um in alten Ausgaben von Heftromanen zu stöbern – „KONGA DER MENSCHENFROSCH???? GEILOMAT!“ so die Reaktion von einer befreundeten Autorin damals allerdings beim MarburgCon – und um Kontakt mit den Autoren zu halten. Anders als bei Star Trek sind Heftromanautoren ansprechbar, freuen sich über regen Kontakt und geben auch gerne Autogramme. (Ich mache jetzt nicht das Faß zwischen „Media-Fans“ und „Lese-Fans“ auf, bis heute ist mir das sowas von egal wer was macht – ich bin auch auf der FedCon und habe meinen Spaß bei Lesungen von Autoren, die Heftromane schreiben.)

Dann aber das Gefühl, dass bei Perry Rhodan sich alles nur wiederholt und das Gedankengebäude was die Grundväter errichteten nurmehr nur noch ausgeschmückt wurde ohne besonders gut zu werden. Ich brach die Lektüre dann so um 2200 ab – wohl noch eher – weil mir Perry nichts mehr erzählen konnte. Das Grundmuster der Bedrohung des Solar-Systems, das dann im letzten Heft des Zyklus gerettet werden muss war mir zu stupide – und die Dscherro eindeutig ein Fehler der damaligen Expose-Autoren. Nein, musste nicht sein. Bei Zamorra stieg ich kurz nach dem Tod von Werner Kurt Giesa aus, Zeitmangel. Bad Earth – nicht meins. Immerhin aber blieb ich der Hardcover-Ausgabe der Vampira-Serie treu bis auch dort ein Zyklus abgeschlossen war.

Vielleicht suchte ich in jener Zeit der Unsicherheit und des Wandels einfach etwas, was Beständigkeit signalisierte. Dafür eignet sich eine Figur wie Perry hervorragend – ein unsterblicher Übervater, der alles mit diplomatischen Mitteln zu lösen versucht aber notfalls auch Gewalt ansetzen kann. Vielleicht brauchte ich diese Vorbilder dieser Art irgendwann nicht mehr, mag auch sein, dass ich erkannte wie die Grundmuster hinter den Serien verlaufen – wobei Zamorra da echt eine Ausnahme machte und auch immer noch ist, ich versuche demnächst wieder dort einzusteigen weil ich Nicole, Zamorra und den Drachen doch irgendwie vermisse. Aber es ist so wie mit der Bravo: Irgendwann ist man rausgewachsen und legt die Jugendzeitschriften zur Seite um sich dann dem Spiegel zu widmen…

 

 

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