Spotify ist fürs Streaming das, was iTunes für den Kauf von Alben ist

Okay, ich ergebe mich. Nachdem ich zuerst dachte: „Hmm, ich nutze Last.fm schon so selten aktiv und Blip.fm nun auch nicht unbedingt, wozu brauche ich dann noch Spotify?“ habe ich nach etlichen Tagen testen – sowohl Windows- als auch Mac-Variante, da unterscheidet sich ja auch nichts sonderlich, aber ich wollte mal sehen wie das mit dem Synchronisieren so ist – geseufzt: „Okay, Spotify, du hast mich.“

Spotify ist vom Handling her genau das, was man sich eigentlich für Streaming-Dienste gewünscht hat. Es ist einfach zu installieren, hat eine Oberfläche die verblüffend an die von iTunes erinnert – natürlich Absicht, so muss man nicht all zu sehr umlernen, schließlich ist iTunes ja das Standardvorbild für das erfolgreiche Verkaufen von Musik. Was schon kritisiert wurde: Nur wer einen Facebook-Account hat kann den Service nutzen – finde ich auch nicht so toll, ebensowenig an den ersten Tagen die Flut von Meldungen im Newsticker „XYZ hat gerade GEDÖNSE auf Spotify gehört“. (OpenGraph-App halt.) Glücklicherweise kann man das aber abstellen, ebenso wie auch das Melden der eigenen Titel an Facebook.

Kann man jetzt alle Titel der Wahl bei Spotify finden? Finden ja. Anhören in Deutschland aber – da ist offenbar noch das ein oder andere Label, das noch nicht mitmacht. Ebenfalls hat sich Spotify noch nicht mit der GEMA geeinigt, was mir aber momentan noch keine weiteren Auswirkungen hat. Es gibt also kein „Sorry, dieser Song ist wegen der Nicht-Einräumung der Verwertungsrechte nicht in deinem Land verfügbar.“ Noch. Die Frage ist, ob das auf lange Sicht so bleibt oder ob die GEMA sich tatsächlich mal bewegt. (Dass die schwerfällig ist wenns um Neuerungen geht weiß man ja seit Podcastzeiten – „huch, wie, da wollen Leute Songs von Künstlern in Audiodateien on Demand reinpacken? Da müsssen wir aber mal so zwei Jahre drüber nachdenken, ob man das auch darf.“)

Dem Nutzer ist das aber erstmal – so wie bei Youtube auch – gelinde gesagt furzknochentrocken egal. Denn er hat einen gezielten Zugriff auf das, was Spotify im Bestand hat. Anders als bei Last.fm, das ja eher Künstler vorschlägt, die so ähnlich klingen wie – Johann Sebastian Bach. Oder meinetwegen Rihanna. Last.fm ist eher Zufallsradio. Übrigens eine Funktion, die Spotify auch hat – und da wird sich Last.fm nochmal derbe was überlegen müssen um die Nutzer bei sich zu halten bevor die alle rüber zu Spotify wandern. (Auch Simfy und andere Dienste werden es jetzt schwer haben.)

Spotify macht den Zugriff auf Online verfügbare Musik so einfach wie man das von iTunes her gewöhnt ist: Suchfeld – Name eingeben – Künstler auswählen – fertig. Beim Suchen erscheinen dann auch schon angelegte Playlist von anderen Nutzern. Teilen von Musik? Dafür reichen drei Mausklicks: Symbol anklicken, auswählen wo das hin soll – Facebook, Twitter, Spotify-User, Messenger – vielleicht noch Text ergänzen, klick – fertig. Auch ganze Listen kann man teilen. Die Einbindung in Facebook ermöglicht es natürlich auch Freunde als Favoriten abzuspeichern und man bekommt immer angezeigt, wer gerade was gehört hat. (Wobei sich mir noch nicht so ganz erschließt, nach welchem Algorithmus das vonstatten geht – offenbar wohl Freunde, die gerade auch online sind und gerade was hören, aber ab und an gibts auch Profile, die ich nicht kenne. Vielleicht muss sich Spotify da noch eingrooven bei mir.)

Spannend wird es jetzt demnächst, wenn a) die GEMA sich bewegt und was vom Kuchen abhaben will, wobei dann die Frage ist wie Spotify die Künstler bezahlt, die explizit NICHT in der GEMA sind, davon habe ich auch schon etliche entdeckt. Und b) ist die Bezahlung von Spotify wohl kaum darauf ausgelegt kleine unabhängige Künstler zu fördern. Dazu ist der Betrag, den Spotify pro Stream zahlt einfach zu gering und zu lächerlich und im Endeffekt werden eh nur die großen bekannten Künstler davon profitieren. Im Netz war auch schon das Wort „HartzIV-Variante der Musikdienste“ zu lesen.

Man müsste nochmal genauer hinschauen wie Spotify an die einzelnen Alben kommt – Künstler, die nicht in der GEMA sind und unter CC-Lizenz veröffentlichen sind nämlich tatsächlich im Angebot, etwa Shearer oder auch – hüstel – Paranoya, letztere sind nicht CC aber immerhin nicht in der GEMA Mitglied. (Weiß ich reeeiiiinnnn zufällig. ;-)) Und dann sollte man auch für sich entscheiden ob Spotify einem Geld wert ist – natürlich möchte der Dienst Geld verdienen und mit reiner Bannerwerbung bzw. Werbespots zwischen den Titeln holt man das Geld natürlich nicht so einfach rein. Dass wir uns aber an einer erneuten Umbruchstelle befinden was den Konsum von Musik anbelangt – das ist so klar und eindeutig, dass die Musikindustrie vielleicht auf Anhieb kapiert, dass Spotify für sie nützlich sein könnte.

Natürlich werde ich mir weiterhin CDs und MP3s kaufen. Spotify bewahrt mich aber vor Fehlkäufen, weil ich mir in Ruhe das Album bzw. die Tracks anhören kann – na ja, gut, Werbung dazwischen, okay – und dann entscheide ob ich das wirklich zu Hause haben möchte. Und – was Spotify wohl von Twitter und iTunes gelernt hat: Erstens kann wohl jeder eine eigene App für den Dienst entwickeln, zweitens sind die schon vorhandenen Apps wirklich super. So habe ich auf einen Klick meine Lieblingslieder von Last.fm nach Spotify in eine eigene Liste sortiert bekommen – und was ich höre wird auch automatisch an Last.fm gescrobbelt. Zudem: Zugriff auf die Billboard-Charts zu haben, auch wenn ich kein genereller Hörer von Chartmusik bin, sowie auf vom Rolling Stone erstelle Playlisten? Gasp!

Kritische Notiz zum Ende hin noch: Natürlich schafft man sich mit Spotify – vor allem in Zusammenhang mit Facebook – erneut eine Echokammer, die am Ende eventuell nur noch das wiedergibt bzw. das einen suchen lässt, was man eh schon kennt und mag. Kann man aber entweder mit der Radiofunktion ausgleichen oder man weicht auf Last.fm aus. Und: Spotify ist zwar noch keine Bedrohung für Chartsender im Radio, aber das Potential ist auf jeden Fall da. In sofern: Strengt euch mal an, EinsLive und Radio Duisburg, die junge Generation wird es euch schwer machen…

 

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6 Gedanken zu „Spotify ist fürs Streaming das, was iTunes für den Kauf von Alben ist

  1. Kann ich dir sagen, wie Spotify an die Musik kommt: Durch die ganzen großen oder kleinen Distributoren für digitale Musik. Daher sind auch Shearer da zu finden, das hat mit CC erstmal gar nichts zu tun. Sondern ist lediglich der reguläre Vertriebsweg, den Musik im kommerziellen Umfeld geht.

  2. Ah, das erklärt das. Spannend ist ja die Frage, wie diese Künstler die dann nicht in der GEMA sind an ihr Geld kommen. Zahlt Spotify das dann direkt an die Bands? Ich bin gespannt.

  3. Wieso an die Bands? Vertragspartner von Spotify ist unser Vertrieb. Sofern keine Abgaben an die GEMA oder andere VG entrichtet werden müssen, bekommt dieses Geld unser Vertrieb. Dann wir als Label und dann von uns die Bands. Wie nicht GEMA gemeldete Bands ihre Komponisten und Autoren vergüten, ist schlußendlich deren eigene Sache.

  4. Kleiner Nachtrag noch: Spotify als „HartzIV-Variante der Musikdienste“ zu betiteln, ist schon etwas dreist. Nur mal als Randnotiz – für ein Radioairplay mit ca. 100.000 potentiellen Hörern wirst du als Autor/Komponist eventuell rund 30 Euro bekommen. Für 100.000 Streams auf Spotify ungefähr 50 Euro. Treibt Radio also die Musiker in den Ruin?

  5. Der Ausdruck stammt nicht von mir, sondern von – moment – http://www.delamar.de/musikbusiness/spotify-verguetung-13930/ – und hier – http://backstagepro.regioactive.de/story/XNqfwqMRQP/eure_meinung_sind_spotify_und_co_das_hartz_iv_unter_den_verguetungsmodellen

    Zu den Aussagen vor dem Satz stehe ich aber: Kleine Künstler werden dadurch nicht sonderlich viel verdienen, der Großteil geht eh nur wieder an die Großen. Alles also wie gehabt. Vielleicht ist Spotify im Medienmix für die Vermarktung eine nette Ergänzung, aber mehr wohl auch nicht. (Siehe auch die Top-Listen, da ist nicht viel Unterschied zum normalen Chartgedudel dabei.)

  6. Ja sicherlich, verhältnismäßig gesehen landet natürlich das meiste der Einnahmen bei den Künstler, die bekannt sind. Das war aber schon immer so, daran hat sich ja nichts grundlegend geändert. Die Frage ist ja lediglich, wenn schon die GEMA die Hand aufhält, wie werden DIESE Gelder dann verteilt. Das find ich viel spannender, als Spotify unnötigerweise mit iTunes zu vergleichen und wegen der Summen zu verteufeln. Das ist einfach nur Quatsch mit Soße.

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