Ich liebe Print, aber Social Media ist auch cool

Ein Beitrag zur Blogparade von Mike Schnoor 

Zeitungskonsum

Erstmal die schlechte Nachricht für die Lokalpresse: Ich habe zwar während der ersten Jahr eine Tageszeitung im Abo gehabt, werde aber nie wieder ein Abo einer Tageszeitung für das Lokale in Anspruch nehmen. Das hat erstaunlicherweise eine Parallele mit dem, was Mike Schnoor selbst im Beitrag schreibt – ob der Westfälische Anzeiger, den meine Eltern abonniert haben in der Vergangenheit wirklich gut war was lokale Berichterstattung betraf kann ich nicht beurteilen. Es gab ja nur die eine Lokalzeitung, ein Vergleich mit einer anderen war also nicht möglich.

Jetzt aber sehe auch ich: Die guten, lokalen, sauber geschriebenen Geschichten sind auch dort im Schwinden. Entweder hat man auf zwei Seiten reine Pressemitteilungen, nur mal eben leicht redaktionell bearbeitet oder man verfällt in diesen Spiegel-Reportage-Redaktionsstil. Man macht viele Worte, hat aber im Endeffekt nichts zu sagen. Zeitungen sollten aber etwas zu sagen haben und seltsamerweise sind sie dann stark wenn der Journalist Profil hat. Aber wird dieses Profil im Volontariat abgeschliffen? Verlangt der Leser nicht mehr nach den starken Themen im Print? Warum abonnieren Leser ihre Lokalzeitung? Wegen des Lokalen. Und gerade das ist enorm dabei zu verschwinden und ins Hintertreffen zu geraten. Zu wenig Redakteure arbeiten für zu wenig Geld zu viele Themen ab. Wenn dann Place-Blogs gegründet werden sollte das nicht wundern. Vielleicht dreht sich der Trend ja wieder um, doch angesichts der momentanen Entwicklung glaube ich das nicht.

Zeitungen standen mal für was. Sie hatten eine Haltung. Heute haben sie Klickstrecken.

Zeitschriften

Die Berge an Zeitschriften wachsen stattdessen. Aber nicht von Spiegel, Focus und Co. Schlussendlich sind diese auch nichts als aufgeblasene Tageszeitungen, immerhin noch mit einer Haltung. Die ich nicht als so großartig empfinde, dass ich die regelmäßig lesen würde. Stattdessen sinds eher Fachzeitschriften – T3N, Website Boosting, ab und an die CT – oder Zeitschriften bei denen ich gute Hintergrundartikel lesen kann. Cicero mittlerweile weniger, aber brandeins ist ebenso ein Muss wie gelegentlich die K-West, der EPD-Filmdienst oder anderes. Im Abo habe ich genau eine: Die T3N. Alles andere kaufe ich je nachdem ob das Thema interessant ist – selbst bei der brandeins gibts Themen, die ich halt nicht unbedingt brauche. Stellt sich nur die Frage, was macht man mit den Dingern wenn man sie gelesen hat?

Die brandeins kommt, ebenso wie die SpaceView kam, in den Keller. Das Einscannen von Artikeln plante ich stets, aber im Endeffekt trenne ich mich dann doch einfach so von den Dingern. Der Artikel einer CT ist in drei Monaten vielleicht nicht mehr aktuell, die Themen der brandeins dagegen sind doch irgendwie nachhaltiger. Beim Rest bin ich mir manchmal nicht sicher, aber das Wegschmeißen hat manchmal eine sehr befreiende Wirkung.

Bücher

Neulich brach mein Regal zusammen. Noch Fragen?
Gut, es lag vermutlich eher daran, dass die Zapfen des Brettes Schwachstellen haben, schwere Bücher darf man dann auf das Brett nicht mehr stellen. Aber generell liegen hier immer Bücher rum. Fachbücher, Sachbücher, Romane, Bildbände – yepp. Wobei ich aber auch kein Problem damit habe im Bett auf dem eReader zu lesen. „Ulysses“ ist keine leichte Bettlektüre, selbst im Taschenbuchformat nun nicht unbedingt.

Also ja: Nur weil ich Social Media mag schwöre ich Print noch lange nicht ab. Aber es muss sinnvoll eingesetzt werden. Es hat keinen Sinn auf der FedCon Flyer auf Tische zu legen, die gehen da nur unter. Werbepostkarten sind da schon sinnvoller. Jedes Material kann halt zu seinem Zweck eingesetzt werden – und sicherlich liebe ich Print, aber Social Media ist auch cool.

(Ist ja nicht so als hätte ich nicht einen Roman geschrieben oder dass Artikel gedruckt von mir erschienen wären oder so. ;-))

 

 

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2 Gedanken zu „Ich liebe Print, aber Social Media ist auch cool

  1. Sehe das im Großen und Ganzen so ähnlich. Wobei ich noch nie auf die Idee gekommen bin, eine Lokalzeitung zu abonnieren. Immer, wenn mir mal eine in die Hände fällt, rege ich mich fürchterlich über ihren Inhalt auf – das ist mehr oder weniger unabhängig von dem konkreten Titel oder Ort. An überregionalen Zeitungen habe ich in letzter Zeit auch irgendwie das Interesse verloren, obwohl es da zumndest noch einige gute gibt (und ich mal drei Monate lang ein taz-Abo hatte ;)).

    Zeitschriften finde ich hingegen auch haptisch immer noch toll. Deshalb lagere ich sie wahrscheinlich auch in der Wohnung und nicht im Keller. Sie wegzuwerfen hat auf mich keine befreiende Wirkung, meistens ärgere ich mich dann Jahre später, wenn ich gerne einen bestimmten Artikel noch mal lesen würde. (Nie werde ich mir verzeihen, den Großteil meiner TEMPO-Sammlung weggeschmissen zu haben.) Natürlich gibt es auch Hefte, die ich sofort nach Lesen weggeworfen habe, weil man in alten Spiegeln oder Neons dann doch eher selten noch mal blättern will.

  2. Das befreiende Gefühl ist von der Zeitschrift abhängig. Bei der CT reicht auch die CD mit den Inhalten, wenn überhaupt – aber ab und an landet sowas wie Alverde auch bei mir und das kann man getrost nach dem Lesen wegwerfen. 😉
    Wobei: Alleine die angesammelten Space-Views und Brandeins-Ausgaben unten in der Kellervitrine würden das Wohnzimmer schon irgendwie sprengen… (Oder du hast eine TARDIS und willst sie nicht verleihen. ;-))

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