Charakterstärke

Ja, ich habe meine Fehler: Manchmal handle ich zu voreilig und von Emotionen geleitet statt vom Verstand, es braucht immer eine Weile bis es in mir brodelt aber dann erwischt es auch manchmal Leute, die wirklich nichts dazu können. Ich habe zuweilen eine arg spitze Tastatur, sage meine Meinung vielleicht zu laut in die Welt hinaus – aber so bin ich halt. Ich werde mich mit knapp – ähm – nun, also in meinem Alter werde ich mich auch nicht grundlegend ändern. Dass ich mit diesen Eigenschaften keine hohe Karriere im Staatsdienst erlangen werde, weil ich zu widerborstig bin bisweilen – auch wenn ich absolute Loyalität Auftraggebern gegenüber schwöre und einhalte, aber was zählt heute schon Loyalität? – nur: Warum um aller Welt sollte ich denn eine steile Karriere haben wollen? Oder vielleicht anders ausgedrückt: Ich habe meine Werte und die sind manchmal vielleicht nicht so ganz verständlich wenn man mich nicht kennt. Manchmal auch nicht mal dann.

Ich schrieb schon vor einiger Zeit, dass es Arbeitgeber geben mag, die sich beim Umschauen im Internet, beim Erkundigen über mich auf einige Dinge stoßen könnten, die ihnen nicht passen – und dass deswegen die eine oder andere Bewerbung abschlägig beurteilt werden wird. Dass ich mir Feinde gemacht habe und Feinde auch immer noch mache: Ich glaube, der Prozeß bei dem das geschieht nennt sich Leben und ist unvermeidlich. Dass ein Arbeitgeber sich aus allgemein zugänglichen Quellen – und dazu gehört meines Wissens NICHT das passwortgeschützte Facebook-Profil, wenn man es richtig einstellt! – unterrichtet: Mag sein. Dass er dann auf Dinge stößt, die mich nicht für den Job passend erscheinen lassen: Mag sein. Aber dann war es nicht der richtige Job für mich.

Ich bin unbequem – ich weiß das. Ich weiß aber auch, was sich gehört und was ich in meiner Freizeit mache geht Arbeitgeber nun erstmal nur dann was an wenn ich Grenzen überschreite und ich bilde mir ein mich soweit im Griff zu haben dass mir das selten passiert. Im Eifer des Gefechts rutscht mir auch mal der ein oder andere Tweet aus, der nicht so ganz nett sein mag, aber nun gut – Menschen machen Fehler. Arbeitgeber übrigens auch. Und sicherlich werde ich in einem Vorstellungsgespräch mich so gut wie möglich verkaufen und dort in der Rolle des Bewerbers authentisch sein müssen – allerdings bin ich nun mal wie ich bin. Entweder man nimmt dann das Gesamtpaket – beinhaltet unter anderem Zuverlässigkeit, Loyalität, Verschweigenheit, Teamwork, gutes selbstständiges Arbeiten, Hilfsbereitschaft  – oder man stößt sich halt an den Skeletten in meinem Keller. (Immerhin weiß ich vermutlich wenigstens, welche das sein könnten. ;-))

Aber: Ich weiß auch was ich kann. (Was die Aufzählung da oben schon bewiesen haben sollte.) Ich weiß auch, dass ich wohl bis zum Ende meines Lebens an meiner Persönlichkeit arbeiten werde, weil ich von gewissen Dingen geprägt bin, gewisse Erfahrungen gemacht habe. Wer mit Charakterstärke in die Politik geht, hat schon verloren – deswegen bin ich keiner Partei. Wer eigentlich das macht, was Journalisten tun – nämlich unbequem sein, nicht immer im Sinne des Verlages sprechen – der wird keine Festanstellung oder freie Mitarbeit bei Verlagen bekommen. Wer unverblümt seine Meinung sagt, kommt in unserer Gesellschaft nicht so hoch wie jemand, der „radfährt“ – sich nach oben buckelt und nach unten tritt.

Was in aller Welt kann mir also passieren, wenn ich frei und offen sage: Das bin Ich, so bin Ich, das weiß Ich auch und ich bin nicht perfekt. Aber ich arbeite an der Perfektion. Und wenn jemanden das nicht passt, dann kann ich das nicht ändern. Obwohl ich kein definitiver Anhänger der Gestalttherapie bin, finde ich das „Gebet“ mehr als passend als Schluss des Postings:

I do my thing and you do your thing.
I am not in this world to live up to your expectations
And you are not in this world to live up to mine.
You are you and I am I,
And if by chance we find each other, it’s beautiful.
If not, it can’t be helped.

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