Qualitätsjournalismus am Pufferfisch

Okay, wer das nächste Mal „Aber wir sind Qualitätsjournalisten“ anstimmt, könnt ihr dem gerne den ausgedruckten Artikel um die Ohren hauen…

Der Westen berichtet über die Eröffnung des Ruhorter Hafenfestes. Gut. Kann man machen. Was man nicht machen kann ist folgendes:

„Sommer, Sonne, Hafenfest“ – whow! Packend, diese Überschrift. So fesselnd. Da les ich doch gleich den Artikel nicht. Und wenn man Stabreimen möchte, dann sollte man schon irgendwas mit S machen, aber der Reporter hatte wohl nur „Götter, Gräber und Gelehrte“ im Kopf und fand nichts mit S. Wie wärs denn mit „Superwetter“? Wäre genauso nichtssagend gewesen.

„Die Sonne strahlte über der Bühne vor der Schifferbörse…“ – ja, das tut die Sonne nun mal. Sie scheint. Das macht sie jeden Tag. Das muss man selbst als Einleitung nicht schreiben, das riecht nämlich penetrant nach Bratwurstjournalismus.

„… als nach dem Gottesdienst Ralph Lindenau, Vorsitzender des Bürgervereins St. Pauli, furchtlos das Duisburger Hafenlied anstimmte,“ – furchtlos? Ist das Duisburger Hafenlied so schlecht? Kann der Mensch nicht singen? Was soll das denn heißen, furchtlos?

„den viertägigen Festreigen“ – boah, da hat aber jemand eine Pulle zuviel Shakespeare getrunken. Warum an diese Stelle jetzt das Pathos?

„Schon gestern waren die historischen Dampfschlepper im Hafenmund beliebtestes Foto-Motiv.“ – Gestern? Ich dachte, die Zeitung informiert über Aktuelles? Und ihr habt es versäumt, ein Bild vom Schlepper zu machen? Oder ist das Bild im Header eines von denen? Ich kann da leider nichts erkennen.

„sicherlich“, „unter anderem“, „an allen Tagen“ – Das sind Reizwörter, bei denen ich mir immer denke: Der Mensch war gar nich vor Ort. Der hat einfach nur eine Pressemeldung umgeschrieben, was dazugedichtet und macht mit dem Artikel nur Eigenwerbung für die schönen anderen Artikel, die da verlinkt sind.

Wenn das Qualitätsjournalismus ist, bin ich froh nicht bei euch zu arbeiten.

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