Als ich einen Businessplan schrieb…

Wenn ich diesen Beitrag damit beginne, dass das I-Ging mir in Bezug auf ein gewisses Vorgehen das Symbol für den „Rückzug“ anzeigte – Hexagramm 61 meine ich – würde man mich zwei Dinge fragen: Erstens, was ist das für ein Projekt? Zweitens: Moment mal – I-Ging als evangelischer Christ?

Die zweite Frage mal zuerst beantwortet: Ja, natürlich geht das – wenn man das I-Ging nicht generell als Orakelbuch versteht ebensowenig wie die Tarotkarten, sondern diese als Methoden nutzt um das Unbewußte in einem etwas mehr an die Oberfläche zu bringen. Nein, ich glaube natürlich nicht daran, dass das Tarot oder das I-Ging wirklich die Zukunft vorhersehen kann, aber es gibt Dinge, die einem nicht bewußt sind und die man sich erst selbst klarmachen muss. Und dazu kann man – wenn sowieso schon eine kreative Ader hat – auch solche Systeme benutzen. Funktioniert bei mir jedenfalls.

Die erste Frage kann ich auch nicht so konkret beantworten ;-), sonst würde ich zu viele Details verraten. Ich habe mich ja im letzten Jahr bei Start2Grow angemeldet um mir das Ganze mal anzuschauen. In erster Linie. Richtig gründen in dem Sinne hatte ich damals nicht vor, aber das Know-How von Experten anzuzapfen und zu schauen obs passt ist ja nie verkehrt. Bei Start2Grow kann man auch einen Business-Plan einreichen – vielleicht etwas verwegen, direkt sofort einen draufloszuschreiben und abzugeben, aber als Selbsterfahrung auch recht praktisch. Und wenn man die Form kann, kann man ja auch was anderes damit machen.

Jedenfalls habe ich zur zweiten Phase einen Plan eingereicht und das Feedback heute erhalten. Zwei Gutachter haben sich das angeschaut und ich kann mehrere generelle Schlüsse ziehen. Erstmal ist die Projektidee an sich nicht verstanden worden – obwohl ich in der Executive Summary bewußt eine offizielle Definition reingeschrieben habe und auch Beispiele genannt hatte, zudem war eine Beschreibung von Projekten beigelegt, die diese Definition nochmals genauer erklären. Kam offenbar nicht bei den zwei Gutachtern an, denn da lösen sich einige Fragen aus dem Feedback auch wieder auf. Gut – ich könnte den Teil im Plan nochmal auf 10 Seiten aufblasen, damit gehts aber auf die Verständlichkeit. Dass ich an der Spitze der Karawane in einem Bereich voranschreite – was schon mal darauf hindeutet, was ich für ein Projekt eingereicht haben könnte 😉 – ist mir auch klar, dass man es aber bis ins Kleinste runterbrechen muss, selbst wenn ein Bereich schon Mainstream ist – gut. Dann wird das Papier in der nächsten Fassung halt 100 Seiten haben. 😉 Fazit also: Die Grundidee ist nicht deutlich transportiert worden. Kann ich mit leben.

Dass natürlich zweitens die Zahlen und Kalkulationen nicht so stimmig sind, war mir schon vorher klar, wenns mir aber richtig ernst gewesen wäre hätte ich mich halt mit jemanden hingesetzt, der das kann. So aber war der Part wenigstens schon mal dabei und da standen auch nochmal einige Hinweise drin. Gut. Sind nicht angekommen, aber Zahlen, Daten, Fakten – da hole ich mir halt das Personal dazu wenn nötig.

Drittens scheint aber die Projektidee wirklich ZU neu zu sein. Es wird detailliert nachgefragt, wie man damit denn Umsatz machen können würde oder wie ich den denn generieren würde, warum gewisse Dinge jetzt so sind – einiges, was im Plan steht ist auch schon wieder veraltet, weil das Internet nicht schläft 😉 und wenn jemand wie Frank Tentler nur jeweils drei Monate im Voraus planen kann für seine Firma, jedenfalls habe ich das mal so verstanden, dann ist im Internetbereich generell kein Drei- oder Fünf-Jahres-Modell skizzierbar. Vielleicht, ja, in der Methodik – aber selbst Konzepte im Social Media Bereich sind so individuell und so auf den Einzelnen zugeschnitten … nun, man könnte natürlich auf gewisse andere Grundlagen zurückgreifen, aber Google Plus gabs vor dem Erstellen des Businessplans nun mal nicht. 😉 Insofern halte ich das längerfristige Planen in diesem Bereich für problematisch und da ist der Businessplan zu unflexibel.

Wohlgemerkt: Sicher kann ich den Kern der Dienstleistung für, mit, gegen das Internet definieren. Ich kann in einem Satz erklären, was ich mache. (Heute mal wieder getan. ;-)) Ich kann sicherlich auch definieren, welchen Umsatz ich wie in einem Zeitraum ermitteln kann bzw. müsste damit sich das trägt. Ebenso kann ich genau sagen, mit welcher Wahrscheinlichkeit Projekte laufen werden oder nicht, keine Frage. Aber höchstens – allerhöchstens – kann ich das für genau ein Jahr tun. Gefordert ist aber immer – ich hab mal nachgesehen – ein längerfristiger Zeitraum. Ich habe zwar begründet, warum ich keinen Fünf-Jahres-Plan – meine Güte, klingt das sozialistisch – aufstellen kann, aber die Gutachter haben das nicht begriffen warum es nicht geht.

Andere Punkte sind sicherlich im Detail verbesserbar und da haben die Gutachter natürlich auch Recht – aus ihrer Sicht haben beide in allen Punkten Recht. Was dann aus meiner Sicht dazu führen wird, dass – wenn ich mal wieder einen Business-Plan schreibe, der zielführend ist – dies sicherlich intensiver machen werde. Für einen selbst ist so ein Plan jedenfalls auch eine nützliche Erfahrung, weil man gewisse Dinge überdenkt und neu fasst, aus der Routine rauskommt. Klar, das Ganze war ein Spiel, ich habs nicht ernst genommen, insofern hatte ich auch nichts zu verlieren – sondern habe neue Erkenntnisse gewonnen.

Und um die Sache mit dem I-Ging zu erklären: „Rückschritt“ oder „Rückzug“ beinhaltet im Kern auch, dass man sich – so interpretiere ich das für mich – mit Dingen Zeit lassen sollte und den Fortschritt eher in kleinen Schritten angeht anstatt im Großen. Dass man erkennt, dass es jetzt noch nicht an der Zeit für das Große Ganze ist, sondern eher für das Verfeinern der Details. Und dazu passt die Post des heutigen Tages ja perfekt. 🙂

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