Den Menschen sein lassen wie er ist

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Image via Wikipedia

Ich glaube, man legt ein Verhalten des öfteren in Richtung „sehr harmoniebewußt“ aus. Da ist natürlich etwas dran, keine Frage. Und sicherlich könnte ich manchmal auch etwas zielbewußter und dynamischer auftreten – dass ich auch drastisch und laut werden kann, steht außer Frage, auch wenn man mich im persönlichen Umgang vielleicht nicht unbedingt so erlebt. (Diverse Blogeinträge belegen aber auch, dass ich durchaus fies sein kann wenns sein muss.)

Aber das ist halt der springende Punkt: Wenn es sein muss. Wenn es absolut nicht anders geht.

„Dein USP ist, du lässt den Kunden so sein wie er ist“ hat mir meine Kollegin mal gesagt und da ist etwas dran. Auch im persönlichen Umgang versuche ich erstmal den Menschen unvoreingenommen zu begegnen. Ihn wahrzunehmen, ihn kennenzulernen. Es gibt Menschen, deren Urteil steht schon fest wenn jemand nicht so ganz dynamisch zur Tür hereinkommt. „Der kann ja nichts“, gibts dann als Urteil. Das mag so sein, aber ich denke mir meistens: „Der hat vielleicht heute einen nicht ganz so guten Tag gehabt“. (Nennt mich hoffnungslos optimistisch. Ich kanns nicht ändern.)

Es gibt tatsächlich den seltenen Fall, dass ich jemanden vom Fleck weg sympathisch finde. Meistens werden diese Leute dann aber auch zu meinen engeren Freunden – ich unterscheide da doch zwischen Bekannten, guten Bekannten und Freunden. Bei anderen Leuten lasse ich mir etwas Zeit, warte ab, schaue mir das Ganze an. Das ist halt in meinem Charakter veranlagt. Aber ich bin nicht unbedingt harmoniesüchtig.

Es fällt anderen Leuten dann glaube ich schwer, mich zu beurteilen – manchmal gerate ich offenbar in den Verdacht ein Abnicker zu sein, manchmal vielleicht auch zu Harmoniebedürftig zu sein – wobei wir alle das sind, wir alle wollen geliebt werden. Jeder. Der Eine drückt das halt nur anders aus als der Andere. Ich habe schon meine eigene Meinung, nur posaune ich die nicht ständig bei jeder Gelegenheit raus. Manchmal dauert das halt mit der Meinungsbildung auch etwas.

Klar, jetzt kann man natürlich sagen: „Bißchen forscher auftreten hat noch keinem geschadet“, dass kann man aber nur, wenn man es dem Charakter enstprechend macht. Wenn man etwas spielt, fliegt man schnell auf. Das Beurteilen auf den ersten Blick kann täuschen – und natürlich weiß ich auch, dass wir in knapp 3 Sekunden jemanden grob in irgendwelche Schubladen packen. Ich selbst kann auch immer an mir arbeiten, das ist unbestritten. Aber dieses forsche Fordern von „Da muss man halt selbstbewußter werden, so generell“ wie das heute als Denkanstoß im Lauf des Tages kam – nein. Das sehe ich nicht so. „Wir sind alle Individuen“, wir haben alle unsere Erfahrungen im Leben gemacht und natürlich fühlen wir uns alle in unserer Komfortzone wohl. Die verlassen wir auch nur ungern und auf Druck. Es kommt immer auf die Dosis an.

Vor allem aber: Es kommt auch darauf an, wie man das eigene Scheitern einstuft. Bekanntermaßen finde ich das gar nicht schlimm mittlerweile – wie soll ich sonst lernen, wenn nicht durch das Scheitern an sich? Wenn ich mich von dieser Angst freimachen kann, dann habe ich zumindest ein Stück Souveränität gewonnen. Und Souveränität beinhaltet auch, den anderen Menschen erstmal so sein zu lassen wie er ist. Denn ob man sich selbst verbessern möchte oder nicht, muss man selbst entscheiden. Diese Entscheidung kann mir keiner abnehmen. Glücklicherweise.

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