Boardwalk Empire – Pilot

Atlantic City, 1920, einen Tag vor der Einführung der Prohibition. Der Politiker Enoch „Nucky“ Thompson ist einerseits eine ehrenwerte Stütze der Gesellschaft, ist allerdings auch nicht Geschäften jenseits der Legalität abgeneigt. Die Einführung der Prohibition kommt ihm durchaus zupass: Die Preise für Alkohohl schnellen in die Höhe und er verfügt über ein Netzwerk, mit dem er Alkohol herstellen und liefern kann. Die Haupthandlung des Piloten dreht sich demzufolge auch um diesen Aspekt und nutzt ihn geschickt, um die Figuren für die folgenden Episoden einzuführen.
Eine zweite Eben dreht sich um den jungen Jim „Jimmy“ Darmody, der seit einem Monat wieder zurück in den Staaten ist – ein junger Kriegsveteran, der im ersten Weltkrieg kämpfte und seine Schwierigkeiten hat sich wieder in den normalen Trott einzufinden. Er ist Thompsons Fahrer und wird von den Vertretern des Gesetzes angeworben – ob er sich auf das Doppelspiel einlässt, wird im Piloten noch nicht so ganz klar.
Die dritte Ebene berührt Thompsons menschliche Seite: Durch das Schicksal der jungen Margaret Schroder, die durch ihren gewalttätigen Mann ihr drittes Kind verliert, wird er  an seine verstorbene Frau und die Vaterfreuden erinnert, die ihm entgangen sind.

Dass der Pilot zu „Boardwalk Empire“ der teuerste der Seriengeschichte ist, sieht man. Martin Scorcese, der hier Regie geführt hat und mit Mark Wahlberg Produzent der Serie ist, hat bis ins kleinste Detail das Atlantic City der 20-ger Jahre auferstehen lassen. Da stimmt einfach alles. Mit Steve Buscemi hat man zudem für die Rolle von Thompson einen Treffer gelandet: Einerseits versteht er es glorios den kalten, abgeklärten Geschäftsmann zu geben. Andererseits nimmt man ihm auch in den intimeren, ruhigen Momenten den Menschen mit Herz ab. Über die Regiekunst von Scorcese, dem es gelingt mit drei Ebenen in einer Einstellung zu arbeiten – so, wenn Thompson nachdenklich die Frühchen beobachtet – muss man wohl kein weiteres Wort verlieren. Nach den „Gangs von New York“ kehrt Sorcese hier erneut zu Sex und Verbrechen zurück, wobei er allerdings diesmal breitere Möglichkeiten der Erzählung hat. „Boardwalk Empire“ ist mit Preisen und Kritikerlob überhäuft worden – ob es der Serie gelingt, nach dem Piloten die Spannung zu halten muss ich persönlich noch sehen, aber auf jeden Fall ist dies einer der beeindruckensten Serienpiloten, den ich in der letzten Zeit gesehen habe.

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