Rocky Horror Show in Duisburg – Aufwärm-Veranstaltung

So ganz habe ich das Konzept nicht verstanden: Man macht sozusagen drei Warm-Up-Shows als Generalprobe, nimmt dafür dann aber Eintritt – wenngleich auch weniger als normal? Preview – okay – Sneak-Preview – auch in Ordnung, kennt man aus dem Kino – Warm-Up-Shows bei Musicals? Was kommt als nächstes?

Wie dem auch sei, The Rocky Horror Show also zu Gast im TAM. Perfekter Ort dafür, denn das Ganze ist ja für „Les Miserables“ – oh, der Musical-Boom der frühen Jahre, ja, ja – gebaut worden. Zwischenzeitlich war mein Orchester darin beheimatet, momentan dient das Ganze als Veranstaltungshalle für Diverses. Zukunft: Ungewiß. (Eine Studie aus Gelsenkirchen – den Auftraggeber habe ich leider nicht ermitteln können, den braucht man eigentlich um beurteilen zu können ob die wirklich valide ist – soll ja positive Effekte des TAMs für Duisburg ausgemacht haben. Online habe ich die nicht gefunden. Schade.) Von daher: Optimale Bedingungen für Darsteller und Musiker. Und ja, die waren echt großartig. Überhaupt die Inszenierung an sich war toll.

Es ist natürlich schwer den Reiz des Musicals zu beschreiben und zu erklären, warum Erwachsene sich benehmen als wäre Kindergeburtstag. Es gibt bestimmte Traditionen bei dem Stück – Konfetti oder Reis werfen, Toilettenpapier, Plastikhandschuhe anziehen, Karten schmeißen – es wäre mal interessant zu erfahren woher diese Dinge eigentlich kommen, 1973 war das bestimmt noch nicht der Fall, das muss mit dem Film von 1975 eingesetzt haben so nach und nach. Usus ist es eigentlich auch den Film verkleidet zu besuchen – wir Deutschen sind da ja immer etwas zögerlich, ich habe nur zwei oder drei Besucher in kompletten Kostümen gesehen, immerhin auch einige nur mit Federboas und Glitzerhüten.

Sehr schöner Einfall zu Beginn jedenfalls: Trailer zu B-Schinken wie „Tarantula“ zu zeigen. „The Unearthly“ – da spielt dieser grobschlächtige Mensch aus „Plan 9“ mit! Yay! – oder „Village of the Damned“. Was ja Sinn hat, da der Prolog-Song sich ja genau auf diese B-Movies bezieht. Und Rocky Horror ja selbst eine Mischung aus all den bekannten Elementen ist: Verrückter Wissenschaftler baut Kreatur, Aliens aus dem All haben nach acht Plänen die Nase … ups, anderes Stück. Immerhin ist The Rocky Horror Show von der Handlung her etwas logischer als „Plan 9“ – aber jeder Film ist logischer als der. Echt. 🙂 Überhaupt macht die Inszenierung viel Spaß – da geht Frank N. Furter elgant wie Fay Wray gekleidet eine Treppe hinunter, im Hintergrund New York und der Stuhl war wie eine riesige Gorilla-Hand geformt. („King Kong“? Klar.) Die Transsylvanier sind nicht so schrill wie im Film, sie erinnern eher an Gothics, Großartige Show-Nummer übrigens mit Federfächern im zweiten Teil bei „Don’t Dream It“. Sänger machten Spaß, einige Stellen hätten vielleicht etwas bissiger sein können – aber okay.

Ein bißchen kurz ist der Beginn. Kaum hat man das Konfetti oder den Reis rausgekramt, kann man den schon wieder einpacken. Der ganze Dialog vor dem Song im Film ist komplett raus. Schade. Allerdings gibts einige Textstellen, die man nicht unbedingt kennt wenn man nur den Film zur Hand hat. Gabs auch was Negatives?

Ja.

Sky DuMont.

Als Erzähler.

Eigentlich eine ziemlich coole Geschichte, den „Santa Maria“ mal live zu sehen. Allerdings: Irgendwie war der nicht mit dem Herzen dabei. Der kann natürlich gut Texte ablesen – und hat auch schlagfertig die Zwischenrufe aus dem Publikum gekonntert – das kann ic nicht erklären, nehmts einfach mal hin dass es Zwischenrufe gibt ;-). Allerdings – als prägende Figur oder Charakter wie im Film ist der nicht hängengeblieben. Vielleicht liegts darin, dass sämtlich Erzählertexte auf Deutsch gesprochen werden. Sämtliche. Also auch die Einwürfe, die bei den Songs vom Erzähler zu hören sind. Na gut, wer kein Englisch kann, kann der Handlung damit irgendwie schon so folgen – ich bezweifle allerdings, dass das möglich ist ohne sich vorher zu informieren – aber warum in aller Welt wird sowas wie „And then she cried out“ übersetzt? Hat das Sinn? Eigentlich nicht. Und dann ist die Übersetzung auch noch so – also – humpf.

Pluspunkt aber: Der fette deutsche Akzent des Dr. Everett Scott. Boooh! 🙂 Insgesamt hats Spaß gemacht, kann ich nur empfehlen und wenn ihr Glück habt, erwischt ihr nicht Sky DuMont als Erzähler sondern den anderen – wie heißt er noch gleich… Ach, Google ist euer Freund.

Und bei der Pressekonferenz gabs einige erklärende Worte von der Produzentin:

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