Social Media ist keine Soloveranstaltung

Man sollte vielleicht vorausschicken, dass Peter Shrankman etwas geschrieben hat, das man im Englischen gerne als Rant bezeichnet. Dafür gibst im Deutschen leider kein adäquates Wort – vielleicht triffts noch am ehesten der Begriff Glosse. Wobei Rant noch ein Stückchen wütender und agressiver sein kann als diese. Wie dem auch sei – Peter Shrankman hat was gegen Social Media Coaches, Social Media Berater, Social Media Experts.

In „Why I will Never, Ever Hire a Social Media Expert“ zieht Shrankman also gewaltig vom Leder. Vor allem nerven ihnen all jene Personen, die bei Twitter oder Facebook im Profil „Social Media Irgendwas“ stehen haben und nur eines machen: Retweeten. Ohne den Kopf oder das Gehirn einzuschalten. Aber das ist nicht das Einzige, was ihn stört. Für ihn bildet sich momentan eine neue Blase, ähnlich wie damals in der Dotcom-Ära.

Bis hierhin könnte ich mich teils drüber aufregen, teils drüber amüsieren. Natürlich gibts Unmengen von sogenannten Social Media Beratern auf Twitter, ähnlich wie es um 2000 Dutzende von Leuten gab, die behaupteten Webdesigner zu sein – aber wie gestern jemand treffend bemerkte: Die Zeit siebt die Qualität raus. Erst kommen die Early-Adopter und die Experten, dann halt die Nachahmer aber mit den Jahren wird man dann merken, wer Qualität produziert und wer nicht. Siehe Webdesigner – na ja, also immerhin sind das nicht mehr so viele, wie früher. 🙂

Dann aber kommen drei Abschnitte, die vermutlich keiner so richtig gelesen hat und denen ich vorbehaltslos zustimmen kann: Shrankman macht nämlich deutlich, dass Social Media mehr ist als nur der reine Gebrauch von Tools. Es geht ihm um Transparenz und Relevanz – die Reaktion von United auf „United breaks Guitars“ zeigt deutlich, dass ein Unternehmen halt diese Werte verkörpern sollte. Denn Kunden werden, wenn man sie einmal belogen hat, nicht erneut wieder zum Unternehmen zurückkommen. Die Wahrheit ist nur einen Klick entfernt. Dies sind aber, so merkt er auch richtig an, keine neuen Werte. Ebensowenig wie das Vermögen, die Botschaft so zu formulieren, dass man sie versteht. Und natürlich kommt es auch darauf an, sich in den Kunden einzufühlen. Keine neuen Werte also sondern eigentlich Handwerkszeug, dass PR-Leute eigentlich können müssten.

Ob dann Social Media wirklich nur zur Gewinnoptimierung da ist – ich denke nicht. Social Media ist, wie Shrankman aber so schön schreibt, ein weiterer Pfeil im Köcher der PR. Wer diese Grundprinzipien nicht verstanden hat, der sollte tatsächlich mit dem Begriff Social Media Coach vorsichtig sein – er könnte sich unnötig selbst verbrennen. Social Media ist keine Soloveranstaltung, sie gehört in ein Kommunikationskonzept eingebaut – und erst dann wird sie richtig wirksam. Das reine gedankenlose ReTweeten von Social Media Links macht noch keinen guten PR-Menschen.

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