Pratchett, Terry: Unseen Academicals

Traditionen sind Traditionen weil… Nach logischen Gründen muss man die Zauberer der Unsichtbaren Universität nicht fragen, wenns darum geht. Traditionen muss man einhalten. Dummerweise stolpert Ponder Stibbons beim Lesen über eine Tradition, nach der die Universität ein Fußballteam zusammenstellen muss – ansonsten müssten die Zauberer mangels Budget mit drei Mahlzeiten am Tag und einem verminderten Käse-Trolley-Angebot auskommen. Also stellt man ein Team zusammen und glücklicherweise hat man kurz zuvor noch eine Urne mit uralten Regeln gefunden, die das – an den Vorläufer des eigentlichen Sports erinnerndes und heute noch in einer Variante „Dorf gegen Dorf“ in England gespielten Spieles, ähm, also sprich: Da ist der Ball, hau drauf, egal wie! – erinnernde Teamspiel einigermaßen modernisiert.
Während die Zauberer damit beschäftigt sind, braut sich in der Night Kitchen eine Romanze zwischen Jools – pardon, Jewels – pardon Juliet Stools und Trevor Likely an. Fans von gegnerischen Teams können die sich zuerst nicht ausstehen, aber dann… Was deren Freundin Glenda gar nicht gefällt. Gleichzeitig hat aber Glenda Sugarbeans, Leiterin der Night Kitchen, die Bekanntschaft mit Mr. Nutt geschlossen. Einem bemerkenswerten Nichtmenschen, einem Goblin, der erstaunliche Kenntnisse hat – und den ein Geheimnis umweht. Alle Hauptstränge laufen schließlich beim finalen Match um das Budget fürs Essen der Uni zusammen…

Was ich sehr selten tue ist, einen Pratchett nicht als Hardcover-Band zu kaufen. In diesem Fall habe ich es tatsächlich getan – schließlich habe ich auch „Den fünften Elefanten“ signiert zu Hause stehen und man lernt ja immer dazu, der Roman ist echt total wirr. Bei den Unseen Academicals gehts mir fast genauso: Zwar hat man hier mehrere Handlungsstränge, wie man das bei Pratchett gewohnt ist, die alle erstmal nichts miteinander zu tun haben. Anders als in anderen Bänden zerfasern diese aber und kommen im Laufe des Romans nicht recht zusammen.

Nehmen wir mal das dauernde Gerede von Religion – da wird zu Beginn eine  Urne gefunden mit den alten Regeln für Foot-the-Ball, ständig ist im Roman dann irgendwie die Rede von Religion, am Ende auch noch – aber mehr als ein MacGuffin ist das Ganze nicht. Es hat keine Bedeutung, es bringt die Handlung nicht voran – kurz: Überflüssiger Zinnober.
Dann haben wir das offenkundige – hach, wie lustig – Zitieren der Romeo- und Julia-Geschichte im Fußballmilieu. Das entwickelt sich zwar nicht so wie in der Vorlage, aber dennoch – neeee. Allenfalls interessant ist die Geschichte um Herrn Nutt und Glenda, bei der der Patrizier und Lady Margolotta eine bedeutende Rolle spielen, aber selbst die gewinnt nicht so recht an Fahrt. Uuuh, Herr Nutt hat ein Geheimnis. Uuuh, furchtbares. Meine Güte, wie schrieb Pterry das selbst noch in einem Roman? Richtig: DRAMA! Da-da-dum!

Ja, sicher ist die Persiflage auf das Fußballspiel nett, ja, ab und an auch der Dozent für Necro… – ähm- Postmortal Communication – und die Rivalität zwischen der Uni in Ankh-Morpork und der in Pseudopolis ist auch hybsch. Ansonsten aber: Was möchte uns Terry Pratchett hier eigentlich erzählen? Ich weiß es nicht, da die einzelnen Handlungsfäden am Ende nicht stringent zusammenlaufen. Und wenn man nach dem einen Ende noch zwei, drei nachlegen muss – neeee…

Richtig schlecht ist dieser Roman nicht, aber richtig gut ist auch anders. Leider. Dabei ist das Thema an sich nicht uninteressant. Aber nachdem ich den Roman zweimal gelesen habe, habe ich nicht den Eindruck, dass es an mir liegt – sondern an der Aufmachung des Romans. Na ja. Als nächstes war ja wieder einer der Romane für jüngere Leser angekündigt. Was heißt: Kleine blaue Männchen vermutlich. Och neeeeeeeeeee…

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Ein Gedanke zu „Pratchett, Terry: Unseen Academicals

  1. „Der fünfte Elefant“ war mein erster Scheibenwelt-Roman, worauf noch ein paar andere folgten.
    Allerdings „Unseen Academicals“ gehörte nicht dazu, weil mich das Thema Fußball abgeschreck hat. Dann habe ich ja nicht so viel verpasst. Danke für die Zusammenfassung 🙂

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