Blogparaden-Beitrag: Warum ich keine Blogroll habe

Dies ist ein Beitrag zur Blogparade von Tim Krischak. Eine Blogroll ist eine Linkauflistung von Blogs, die man selber gerne liest und die auf der Blogseite eingebaut ist – eine Empfehlungsliste also.

Springen wir kurz zurück in die Jahre um die Jahrhundertwende – die Nuller-Jahre, in denen allmählich in den Early-Adopter-Kreisen bekannt wurde, dass es da diese neue Technologie namens Blogs gibt. Die Jahre, in denen deutsche Blogger noch bei Pyramid oder anderen US-Diensten ihr Angebot einrichteten, sich bei Zusatzdiensten Kommentar- und Trackbackfunktion holen mussten. In diesen Zeiten hatte ich ein Blog – das Archive.org leider oder zum Glück nicht mehr findet, deswegen gebe ich immer als Bloggeintrittsalter 2001 ein, da war das erste Posting im Netbib-Weblog :-). (Furchtbares Design war das damals: Orange mit irgendwas, aber okay, ich war jung und hatte keinen Geschmack.)

In diesen Zeiten war eine Blogroll Pflicht. Vor allem, wenn man in Deutschland gebloggt hat. Denn damals war die Bloggerszene hierzulande eine noch kleinere Gesellschaft als heute. Und Google Blogsearch war noch nicht erfunden, von Technorati mal nicht zu reden und gezielt nach Blogs suchen – das konnte man ja nur, wenn man zufälligerweise mal über eins gestolpert war. Oder jemanden kannte, der bloggte. In diesem Zeiten war die Vernetzung durch Blogrolls und Trackbacks enorm wichtig, weil man nur so auf Blogger aufmerksam werden konnte, die einem vielleicht gefielen. Deswegen habe ich lange Zeit eine Blogroll gehabt und war auch immer bestrebt sämtliche Blogs durchzugehen, die andere Blogger in ihrer Blogroll verzeichneten. Blogs waren so neu, dass man froh war wenn einem jemand im Internet über den Weg lief, der auch bloggte. Und einerseits war man froh darüber, wenn man gute Empfehlungen weitergeben konnte.

Diese Empfehlungsfunktion erfüllen Blogrolls heute nicht mehr – und ich selber habe schon vor einigen Jahren, vor diversen Umzügen und Crashs, ich habe wohl echt alle WordPress-Versionen mal installiert gehabt, da ging damals nicht immer alles glatt, mich gegen eine Blogroll entschieden. Jedenfalls in der traditionellen Weise, denn das Pflegen einer Blogroll ist ja nicht ebend mal mit dem Reinschmeißen von Links getan. Eine Blogroll zu pflegen ist aufwändig – und genau diesen Aufwand habe ich damals nach mehreren Versuchen nicht mehr investiert. Einerseits weil es absolut nicht mehr wirklich notwendig war, denn die Möglicheiten Blogs zu finden haben sich enorm erweiterte, einerseits fand ich es immer enorm umständlich – und das ist es in WordPress IMHO immer noch – diese Listen zu pflegen. Und drittens lese ich enorm viele Blogs. Was man lange Zeit nachvollziehen konnte, denn statt einer normalen Blogroll hatte ich einfach einen Link auf meine RSS-Feed-Liste bei Bloglines. (Seufz, Bloglines… Auch schon nicht mehr wahr.)

Einerseits also habe ich recht praktische Gründe dafür – würde ich alle Blogs auflisten, die ich gerne lese hätten wir hier in der Seitenleiste ein ellenlanges Elaborat, das klickt sich eh keiner durch – andererseits sehe ich die Notwendigkeit dafür nicht mehr. Wer heute Blogs sucht, der hat etliche Möglichkeiten dazu die es früher ebend nicht gab. Es wird ja desöfteren gejammert, dass durch Twitter und Facebook die gute alte Tugend des Linksetzens bei Blogs verkommen würde. Allerdings gabs damals auch schon den Link-Dump, das automatische Einspielen von Links ins Blog, die man mit Delicious und Co. sammelte. Und ich hab früher auch per Hand einfach mal nur Links ins Blogs gepostet, aber was man übersieht: Man hat diese Links ja für die Liste gesammelt und nicht für jeden Link ein Posting abgesetzt. Und auch nicht zu jedem Link habe ich damals wirklich was geschrieben oder mich damit auseinandergesetzt – insofern greift das Argument zu kurz. Sehen wir mal davon ab, dass Twitter anders als Blogs funktioniert. Man kann durchaus Äpfel mit Birnen vergleichen, wenn man unbedingt Obstsalat machen möchte.

Mag sein, dass früher mehr Gemeinschaftssinn war, der eine Blogroll attraktiver machte – was aber daran lag, dass man sich in der kleinen Bloggergruppe halt über jeden freute, der ein neues Blog eröffnete. Und deswegen auch gerne das mal extra verlinkte. Heutzutage sind Blogs zwar immer noch nicht unbedingt Mainstream, sie sind aber in der Gesellschaft angekommen. Sie sind leicht zu finden, leicht eingerichtet. Sicher war es zu Beginn nett, wenn man jeden Blogger Deutschland quasi persönlich kannte. Aber Blogrolls als Vernetzungsinstrument haben sich überlebt. An ihrer Stelle traten die Widgets – und heute die Twitter-Boxen und die Facebook-Streams für die eigene Homepage.

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