Pergamon: Wachsamkeit von höchster Stelle

Dieser Beitrag ist Teil der Dokumentation einer Expedition nach Pergamon

Wer in der Gegenwart das Wort „Akropolis“ hört verbindet es unweigerlich mit einer Stadt: Athen. Im 2. Jahrhundert nach Christus wäre diese Verbindung nicht so fest in den Köpfen gewesen, obwohl das den Bewohnern von Pergamnon sicherlich entgegengekommen wäre: Als „Neues Athen“ bezeichnet zu werden, das wäre durchaus etwas gewesen. Vorerst begnügte man sich aber mit dem Titel „Neokoros“ – der zweifachen Tempelpflegerin. Das allerdings auch erst nachdem der Trajantempel fertiggestellt war. Immerhin: Den Konkurrenzstädten Smyrna und Ephesos kam man mit diesem Titel einige Jahre zuvor.

Dabei bezeichnet der Begriff „Akropolis“ eigentlich die auf dem höchstgelegenen Teil einer griechischen Stadt gelegenen Festung. Meistens in Form einer Zitadelle – diese gab es nun nicht unbedingt in jeder griechischen Metropole, doch eine Akropolis als Bestandteil der Stadt gibt es in der Antike immer. Egal ob die Stadt dabei in eher flachem Terrain liegt oder nicht, die Akropolis muss einfach sein. Dabei entwickelt sich die antike Stadt dann in der Regel um diesen festen Ortskern, um die Zitadelle, herum – dies wird sich später in der europäischen Geschichte bei den Burgen wiederholen.

Denkt ein Bewohner des antiken Pergamons nun tatsächlich beim Begriff Akropolis an ein reales Gebäude – wobei der Name der Stadt ja schon eine solche impliziert, „Pergamos“ oder „Pergamon“ bedeutet in einer vorgriechischen Sprache ja schließlich „Burg“ oder „Festung. Der Bewohner des 2. Jahrhunderts nach Christus wird eventuell allenfalls an die sagenhafte Festung des Thelephaos, des Stadtgründers, gedacht haben, die sich auf dem Berg befunden haben soll. Mit Sicherheit wird er auf den Königspalast verwiesen haben, der oben über der Stadt thronte. Hauptsächlich aber ist die „Akropolis“ für ihn nur der Begriff für die Oberstadt von Pergamon. Dort, wo der Kaiserpalast und Tempelkult zu finden sind, die Bibliothek und das Theater. Und der ganz in weißem Marmor gehaltene Trajanstempel. Dass die Stadt sich damit besonders schmückt, ist nur logisch – politisch spielt die früher freie Stadt gar keine Rolle mehr und um sich gegenüber den Konkurrenten zu behaupten ist auch in der damaligen Zeit schon mehr als alles Recht.

Dabei spielte die Akropolis in Pergamons Geschichte lange Zeit die Hauptrolle – denn die Besiedlung begann vom Gipfel des Berges und erst nach und nach erstreckte sich die Stadt dann weiter nach Süden. Eumenes II. erweiterte dann die Stadt im unteren Berghang. Dadurch gab es zwei Gebäude in der Stadt: Einen auf der Akropolis und den Unteren Markt. Zwar konnten damals Waren durchaus auf der Hauptstraße nach oben gebracht werden, andererseits – warum sich die Mühe machen, wenn es ein neues Zentrum gibt, das leichter erreichbar ist? Wahrscheinlich diente nach dem Bau des Unteren Marktes der Obere Markt eher Repräsentations- oder Verwaltungszwecken – es gibt Beispiele dafür aus anderen Städten. Wissenschaftlich gesichert ist dies allerdings nicht. Da sich aber das Verhalten der Menschen nicht grundlegend verändert hat, wird hier sicherlich Bequemlichkeit vor Lastenschubserei gegangen sein.

Unser Freund Kyriates ist allerdings erst morgen so richtig in der Lage, sich die Herrlichkeiten – und natürlich den Altar der Stadt – der Oberstadt anzusehen. Er mag sicherlich schon einen Abstecher ins Gymnasion gemacht haben. Nicht so sehr um sportlich zu ertüchtigen sondern eher um zu erfahren, was man in der Stadt denkt – und für den neusten Tagesklatsch ist auch er sich nicht zu fein. Und schließlich gibt es vielleicht den ein oder anderen Geheimtipp. Schließlich hat Kyriates ja noch genügend Zeit für eine ausführliche Besichtigung.

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