Marketingmix heißt genau dies: Marketing-Mix

Den Anstoß für diesen Artikel liefert eine Äußerung eines Vortragenden zum Thema Email-Marketing. Email, so die Behauptung, sei immer noch die direkteste, prompteste und überhaupt beste Art mit Relevanz an seine Kunden heranzutreten.

Ich habe nun nichts gegen Email-Marketing, um Gottes Willen, das ist ein sehr schönes und gutes Instrument im Marketing-Mix natürlich und hat seine Berechtigung – aber mit Verlaub: Wann haben Sie das letzte Mal ihre Mails gelesen? Gerade ebend? Vor einer Stunde? Doch schon länger als 6 Stunden her? Waren das bei Ihnen nun privaten Mails oder eher berufliche?

Sie sind auch ins Grübeln gekommen nicht wahr? So wie ich auch nachdem ich die Aussage, Email sei die direkteste Art und Weise an jemanden heranzutreten. Dies mag stimmen. Aber Emails sind kein Teil des Echtzeitwebs. Das heißt: Wenn ich als Verkäufer tatsächlich am Freitag Nachmittag feststelle, dass ich – hmm – fünfhundert Klassik-CDs zu viel gekauft habe und die alle für einen Riesenrabat loswerden möchte und am besten jetzt sofort – was würde ich tun?

Einen Email-Newsletter schreiben?

Wer sollte den denn am Freitag Abend noch lesen?

Erreiche ich damit meine Kunden noch?

Direkt sind Mails sicherlich. Sie sind aber für kurzfristige Nachrichten oder Verkaufsangebote vollkommen obsolet, weil man als Versender nicht genau weiß, ob die Mail auch noch punktgenau zu dem Zeitpunkt gelesen wird zu dem ich das Angebot mache. (Ja, ja, ich weiß, man kann „Tendenzen“ absehen… Womit wir aber wieder im Ungefähren sind.) Kann ja sein, dass die meisten Leute Freitag Abends besseres zu tun haben als ausgerechnet ihre privaten Mails zu lesen, dann lesen die die Mail erst am Samstag Morgen und unglücklicherweise ist das Geschäft aber Samstags zu. An den Haaren herbeigezogen und übertrieben? Mag sein, aber das Beispiel bringt zugespitzt das auf den Punkt, was mich bei solchen exklusiv gefärbten Aussagen stört. Also: NUR SEO ist toll. NUR Email-Marketing das Wahre. Und ja, NUR Twitter ist toll. Nicht zu vergessen: NUR Print wirkt.

Marketing-Mix heißt Marketing-Mix weil man aus den verschiedenen Tools für sein Geschäft das passende auswählt. Ein Email-Newsletter ist eine hervorragende Sache wenn dahinter eine Webseite steht, ein Blog, sogar wenn es nur eine Facebook-Seite sein sollte – gesehen habe ich das bisher nicht, aber die Aktualisierungen bei Facebook sind ja auch nichts anderes als Emailnewsletter im Grunde genommen – mit Inhalten, die etwas längerfristig angelegt sind. Ich kann natürlich tolle Angebote platzieren, ich kann natürlich auch Coupon-Aktionen integrieren oder halt eine Rabattaktion für Klassik-CDs machen – aber es kann sein, dass die Leute den Newsletter halt nicht zu dem Zeitpunkt lesen an dem die Rabatt-Aktion läuft. (Gut, normalerweise sollte man das ja wissen, dass man größere Aktionen eh mit einem gewissen Vorlauf plant, sollte man…) Aber NUR Email-Marketing als heiligen Gral anzupreisen ist meiner Meinung nach genau so verkehrt wie wenn man nur SEO macht oder nur dies oder nur das.

Marketing-Mix heißt genau ebend dieses: Man nimmt sich das passende Werkzeug hervor. Ein Goldschmied würde vermutlich nicht mit der Dampfwalze daherkommen. Ebensowenig wie ein Schuster Stacheldraht benötigt. Jedes Werkzeug hat seine Vor- und seine Nachteile. Ich kann natürlich nur eines verwenden, aber ich sollte dann auch das passende für die Aufgabe heraussuchen. Eine Mail für kurzfristige Angebote? Wäre da Twitter nicht geeigneter? Nur Google-Ads? Wäre es aber nicht besser auch gleichzeitig bei Facebook zu werben? SEO ist natürlich wichtig, aber sollte man darüber hinaus nicht auch noch eventuell schauen warum es im Shop-System hakt?

Wissen Sie, ich könnte natürlich den ALDI-Newsletter abonnieren damit ich weiß welche Angebote in der nächsten Zeit zu finden sind. Das tue ich aber nicht, weil ich zwei Mal die Woche am Schaukasten vorbeilaufe wenn ich einkaufe. Und weil ich mir die iPhone-Applikation von ALDI installiert habe. Wozu brauche ich dann persönlich noch den Newsletter?

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