Startcamp Essen: Doch noch ein Resümee

Bevor es ganz aus der Erinnerung verschwindet dann doch noch einige Notizen zum Startcamp in Essen aus persönlicher Sicht. Die Open-Air-Planungssession habe ich verpasst, weil ich in der Postfiliale am HBF noch was regeln musste. Und zudem: Eine halbe Stunde länger Schlaf musste dann doch sein nach dem Traumzeit-Tag vorher, ich hoffe man verzeihts mir. :-) Da ich aber nicht vorhatte eine Session anzubieten konnte ich mir die Verspätung leisten und kam gerade zum richtigen Panelbeginn.

Spontan entschied ich mich dann für das Thema Netzlabel. Auf dem Balkon draußen vor 107. Cool, man darf da endlich drauf. Simon Bierwald, den ich seit dem BarcampRuhr2 kenne, meine Güte, ist das wirklich ein Jahr her?, erzählte ein wenig über das kleine aber feine Rec12, bei dem er aktiv ist. Neben Laut.fm bespielt das Netzlabel Bandcamp, Archive.org ist eher so für die Archivierungszwecke gedacht. Den Eindruck, dass die manchmal stinklangsam sind konnte ich bestätigen. Ansonsten drehte sich dann die Frage um CC-Lizenzen, wobei Simon das mit der Nicht-Kommerziell-Verwendung ansprach – und auch gleich meinte, das könne man ja umgehen wenn man ein „Share Alike“ nehmen würde. Große Firmen würden ja wohl kaum ihre Sachen unter einer Share-Alike-Lizenz veröffentlichen… Darüber muss man nochmal nachdenken, im Prinzip aber sollte man auch bei CC-Lizenzen immer darauf achten was für eine Lizenz angegeben ist. Wobei sich mir dann später die Frage stellte: Muss man als Blogger dann nochmal darauf achten dass die Blog-CC-Lizenze 100% mit der anderen übereinstimmt? Sprich: Wenn ich im Blog nur eine NC-Lizenze habe, das Bild aber unter einer NC-BY steht, darf ich das dann eigentlich wirklich noch bringen? Genügt dann der Link zurück zur Linzenz? Knifflig…

Zurück in die Praxis: Das nächste Panel stellte den Pinhole-Day vor. Es gibt Menschen, die am letzten Apriltag mit der Lochkamera – ja, total analog – photographieren und dann einen Monat lang Zeit haben das ins Netz zu stellen. Bilder wie diese kommen dann heraus. Wie erreicht man dort neue Follower? Ha.Wi und Kehrseite stellten die Frage wobei Kehrseite das Ganze von der Eventveranstalter-Seite betrachtete und allgemein mal schilderte was man so im Web2.0 als Veranstalter macht. Einiges kam mir sehr bekannt vor. ;-) Erkenntnisse gabs dann auch.

Beim Mittagessen – ich empfehle das UPH immer gerne was das anbelangt, die machen wirklich tolles Essen mit viel Grünzeug – gabs lockeren Austausch miteinander. Also Gelgenheit zum Networking im Real Life.

Was machen Agenturen eigentlich im Web2.0? Während manche meinen, Agenturen wären derzeit eher obsolet weil man sie dank DIY ja eigentlich nicht mehr braucht mit den sozialen Angeboten im Netz stellte sich heraus, dass Agenturen sehr wohl gebraucht werden wenn es darum geht die schützende Position eines Schäferhundes zu leisten, der das Rudel nicht zwickt sondern einfach nur beisammen hält. Sicherlich kann man auch alles selbst machen – hier eine Parallele zum Netlabel-Panel übrigens – aber manche Leute möchte das einfach gar nicht. Claudia Pirc von Kulturwerkzeug jedenfalls brachte anhand einer Ein-Wort-pro-Folien-Präsentation ihre Gedanken zum Thema dar.

Raus aus dem Klimasaal ab in den nächstgrößeren. Ebenfalls von Claudia veranlasst war das Panel: „Automation versus Handgemacht“ – eine offene Diskussionsrunde zum Thema wieviel Automatismen verträgt das eigene Web2.0-Angebot. Auch drin die Frage, wie man zu Events einladen solle – Claudia gab das Druckluft als Beispiel, das bei Facebook ja präsent ist, aber Dutzende von Veranstaltungsanfragen raushaut – was einfach nerven kann auf die Dauer. Die richtige Balance zu finden ist dabei recht schwierig, etwas Automatisierung schadet wohl nicht aber wann der Punkt erreicht ist, dass es zuviel ist – sehen wir von den Fallstricken der Endlos-Loops ab weil man ja alles mit allem verbinden kann – das ist eine Frage, die auch wir nicht beantworten konnten. Hingewiesen wurde darauf, dass Facebook recht gut als Tool ist, aber die Verbindungsmöglichkeiten manchmal recht beschissen sind – Beiträge von Posterous kann man nicht teilen, man kann sie nur mögen, ähnlich ist das mit anderen Dingen.
Besser man zeigt den Kunden zuerst das händische, dann das automatische – so eine Empfehlung. Und: Social Media kann nicht von Leuten gemacht werden, die nicht brennen. Es muss ein Herz dasein, eine Geschichte. Mag diese Geschichte auch konstruiert sein so wie das Herz – Social Media funktioniert nicht ohne ein wenig Begeisterung. Was ein Fehler der meisten Firmen im Web2.0 ist: Sie nutzen es als neuen Push-Kanal für Werbung, sind aber nicht bereit zuzuhören. Abschalten der Pinnwand-Funktion bei Facebook etwa oder ignorieren von Kommentaren.

Und dann wars auch schon wieder vorbei, weil ein seltsames Raumzeitkontinuums-Ereignis alle schwarzrotgold anmalte und in einem klimatisiertem Saal ein Schland-Loch erzeugt wurde – glücklicherweise war ich schon jenseits der Realitätsverzerrung und konnte noch etwas vom Buffet des UPHs ergattern.
Allgemeines Resümee: Ja, sicherlich lag der Focus mehr auf Technik und Tools als auf Kultur. Bestimmt wäre es auch spannender gewesen wenn sich die eigentlichen Kulturmacher – die Leiter von Museen, Bibliotheken etc. pp. – in die Dikussion mit eingemischt hätten oder einfach mal dagewesen wären. Ich vermute, die werden eher im September bei der StartConference anwesend sein. (Dann sollte man aber bitte nicht über die hohen Preise meckern, es wäre ja möglich gewesen für wenig Geld bzw. dann für lau beim StartCamp anwesend zu sein.) Vermißt habe ich auch Studenten der UDE, schließlich lernen die ja da auch Kulturwirtschaft und einen besseren Ort zur Fortbildung gibts eigentlich nicht als ein Barcamp. Aber: Es war eine großartige Organisation, die Gespräche haben viel Spaß gemacht, mal wieder Tipps und Tricks mitgenommen. Alles in allem also für mich persönlich mal wieder lehrreich. Demnächst dann mal ohne Fußball und Gewitter. :-)

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