Nimm mich nicht in Sippenhaft, Spreeblick

Als vor einiger Zeit meine OMPL-Liste geschrottet wurde und einige Links dabei verlorengingen war der von Spreeblick nicht mehr dabei. Nicht eine einzige Sekunde habe ich seitdem bereut, den Feed losgeworden zu sein – nicht, weil ich denen was Böses wünsche oder so, nein, ich hab ihn einfach nicht vermisst. Wenn man etwas nicht vermisst, dann war es einem auch nicht wichtig genug um es zu behalten – denn schließlich merkt man das ja mit der Wichtigkeit erst, wenn das Item an sich fehlt.

Jetzt hat der Spreeblick sich die ganze Hysterie um Google-Chrome angesehen und einiges dazu geschrieben. Da gehts um Relativierung der Datenangst was Google anbelangt, da wird geschrieben, dass die anderen Browser auch nicht so ganz koscher sind was Datenschutz anbelangt undsoweiterundsofortetceterapepe. Okay. Gut zu wissen. Was aber dann kommt ist etwas, was ich so nicht dulden kann weil ich nämlich nicht in Sippenhaft genommen werden möchte als Blogger. Der Absatz geht so:

Die Antwort ist leicht: Weil Sachlichkeit keine K(l)icks bringt. Weil wir alle BILD sind, auf der Suche nach der Sensation, dem Skandal, der einfachen Erklärung, dem klaren Feind- und damit Weltbild.

Erstmal: Ich bin nicht die BLOED. Und ich lehne es ab mich von euch Blogfröschen auf LSD – thanx Chris – auf ein Niveau herabstellen zu lassen, dass ich als Blogger nun gar nicht nötig habe. Vielen Dank bis hierhin.

Unbestritten habt ihr, das gestehe ich euch zu, ja ein wenig Recht. Aber nicht komplett und somit habt ihr auch ein ein wenig Unrecht. Ja, es mag sein dass ein Teil der Menschheit hinter Skandalen herhechelt, nicht umsonst hat die Yellow Press die Auflage, die sie hat und die von euch erwähnte Zeitung ebenfalls. Denn die macht ihr Geld ja bekanntlich mit „Angst, Hass, Titten und dem Wetterbericht“ – was erstaunlicherweise wohl auch ein Teil der Leute zugeben würde, die das Teil kaufen. Spießer Alfons z.B. Aber solche Leute kaufen sich die BLOED ja nur um zu gucken wie die anderen Leute denken – oder glauben dass sie denken. Und damit sind wir auf eine Ebene gerutscht für die Terry Pratchett eine schöne Vokabel geprägt hat: Headology. Messing with the mind of people wäre eine Beschreibung dafür. Sprich: Boffo.

Denn letztendlich macht ihr genau das, ihr Lieben, die ihr mich nun als Blogger gar nicht kennt. Wobei man auch meinen könnte, dass der Skandal das ist, was das NGC füllt, das hat bekanntlich Werbeanzeigen. Aber hey, moment mal – die HABT IHR AUCH! Ihr habt doch auch eine ganze Firma für das VERKAUFEN VON WERBUNG gegründet! Und womit verkauft man Werbung am Besten bzw. treibt die Klickraten in die Höhe um seinen Partnern gegenüber die Werbepreise zu rechtfertigen? Mit Inhalt. Klar. Und womit verdient ihr euer Geld im Endeffekt?

Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr die Becher und Schüsseln auswendig reinlich haltet, inwendig aber ist’s voll Raubes und Fraßes!

Yepp, genau in die Ecke hätte euch ein Größerer als ich gestellt. (Siehe Link.) Denn das, was ihr allen anderen vorwirft – ihr sprecht damit eine Sippenhaft aus und dagegen bin ich sehr allergisch, liebe Spreeblicker – das tut ihr im Endeffekt nämlich selbst. Denn es ist doch logisch: Je mehr die Leute sich über Skandale und Sensationen erregen und mehr davon wissen wollen, desto schneller erhöhen sich die Klickraten. Ergo: Mehr Geld. Klappt vermutlich nicht immer weil nicht alle Leute auf die Werbeflächen klicken, aber hey, die Zugriffe alleine reichen doch bestimmt aus um prickelnde neue Werbekunden anzusprechen. (Na ja, oder auch nicht…)

Was in aller Welt also hat euch geritten als ihr diese Zeilen geschrieben habt, ihr Blogfrösche auf LSD? Würde ich ein Echo erhalten wenn ich an eure Köpfe klopfen würde? Wohlgemerkt: Nichts dagegen wenn jemand mit seinem Blog Geld macht – solange es nicht bankhofert ist das okay. Aber was bei Hezma fällt euch ein alle Blogger, Menschen, Medien in einen Topf zu werfen und euch auf ein Roß zu setzen, auf das ihr längst nicht mehr gehört? Wenn ich skandalklickratengeil wäre, sähe das Blog hier definitiv anders aus. Aber es geht mir nicht darum. Sicherlich, wenn ich über das Ein oder Andere stolpere was ich seltsam finde, dann schreibe ich darüber. Aber ich verbitte mir in aller Form gefälligst die Unterstellung, ich würde auf dem Niveau der BLOED arbeiten und zudem ALLE sein.

You are all individuals. – Yes, we are all individuals. – I’m not.

Vermutlich seid ihr es gar nicht wert, dass ich mich über euch aufrege. Vielleicht aber doch. Vielleicht ist es für den Ein oder Anderen hilfreich sich mal zu überlegen warum er bloggt. Sicherlich mögen SEO-Bratzen dabei sein, aber das sind nicht alle Blogger, Medienmenschen, Leute, die die BLOED kaufen.

Ach übrigens: Boffo ist ein schönes Wort dafür, dass man den Leuten ein anderes Bild vorspielt als dass, was man selber hat.

7 Gedanken zu “Nimm mich nicht in Sippenhaft, Spreeblick

  1. ehrlich gesagt geht mir die ganze debatte von wegen „dein blog=bild, deiner nicht“ ziemlich auf die nerven. und nur weil basic spreeblick anzickt und umgekehrt heißt das noch lange nicht, dass sich jetzt alle anzicken müssen. im kern gings um chrome… also über das worüber sich alle aufregen. rein marketingtechnisch natürlich ideal…..

  2. Okay, ich nehm dich dann mal kurz aus der Sippenhaft raus. Mo – ment, fertig.

    Im Ausgleich dafür würde ich es ganz herzallerliebst finden, wenn du dir mal den Schaum von Mund abwischen würdest.

    Danke!

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  6. Wer etwas Spannendes schreibt, ist Bild. Wer Kochrezepte und Befindlichkeiten tauscht, ist ein Katzenblogger: Man kann es den Leuten nicht recht machen.
    Aber man kann sie ignorieren, das tun, was man selber will und ab und an mit der kalten Schulter zucken, sofern es einem nicht zuviel Anstrengung ist.

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