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Post-Postludium: Die White-Ravens-Festival-Revue

Im Rahmen des 2. White Ravens Festival 2012 entsteht hier eine kleine Seitenblick-Reihe mit persönlichen An- und Einsichten. Meine Hauptimpressionen finden sich im Festivalblog der White Ravens.

Es regnet als ich mich am 14. Juli auf den Weg zum Bahnhof in Duisburg begebe und zusammen mit Christoph Müller-Girod und Frank Tentler die Reise nach München auf mich nehme. Das White Raven Festival ruft. Genauer: Die Schloss Blutenburg wartet auf uns, eine echte Burg inmitten einer idyllischen Landschaft – falls jemand mal “Wölfe ums Schloss” von Joan Aiken gelesen haben sollte, so stelle ich mir das Schloss im tiefsten Winter vor… ;-) Sechs Stunden Zugfahrt liegen vor uns, die vergehen aber wie im Flug.

Kurz nach der Ankunft in München und nach dem Einchecken ins Hotel werden Frank, Christoph und ich einmal durch die Burg geführt – in den Archivkeller, wo die Bücher aus Angola momentan nicht da sind bis in die Höhe durch das berüchtigte Treppenhaus – man darf gerne persönlich nachfragen, warum das berüchtigt ist, das ist eine Geschichte die ein anderes Mal erzählt werden wird. Der James-Krüss-Turm, das Michael-Ende-Museum, die Kirche, die Gänge und Winkel: Schon beeindruckend. Zudem fließt die Würm in den Teich, der neben dem Schloss liegt. Raben, Wildgänse, Schwäne und Enten bevölkern ihn und im Winter – so lassen Photos schließen – kann man auf ihm schon mal Schlittschuh laufen. Wir haben den Regen hinter uns gelassen und die Sonne dringt in den Innenhof. Wir landen schließlich beim “Alten Wirt”, der 1417 das erste Mal erwähnt wird und seitdem wohl unablässig bewirtschaftet wird. Hier treffen wir zum ersten Mal auf alle eingeladenen Autoren und das erste Mal mischen sich die Sprachen miteinander. Spanisch, Deutsch, Französisch, Englisch…

Ein Eröffnungsfest läutet am nächsten Tag das White Ravens Festival ein. Das Wetter ist dabei wechselhaft, der Regen macht das Festzelt mit den auftretenden Autoren allerdings zu einer wunderbaren Lauschinsel. Erwachsene und Kinder hören aufmerksam zu und lassen sich auf die Erzählungen, Geschichten, Lieder ein. Frida Nilsson entführt die Kinder in die Welt von Hedvig, Sylvain Rivard liest nicht, er erweckt die Elch-Geschichte mit Stimme und Körper zum Leben – ein wahrer Storyteller. Ich werde noch einmal gegen Schluss des Festivals das Vergnügen haben ihm zuhören zu dürfen, dann auch mit Fellen, Federn und dem echten Elch-Horn. (Insgeheim frage ich mich, ob auch Mammuts so geklungen haben…) Viel Spaß machen den Kindern auch die “Kikki und ich”-Geschichten von Jenny Valentine und Jutta Richter liest als Weltpremiere ein Kapitel aus ihrem kommenden Buch “Das Schiff im Baum.” Zum Schluss des Tages ist Benny Lindelauf anwesend, der Lieder im limburgischen Dialekt singt, den Romananfang von “Das Gegenteil von Sorgen” auf niederländisch und zwischendurch viel auf deutsch über die Entstehung des Buches erzählt.
It is amazing to experience and read about so many diverse authors from different parts of the world, with different backgrounds, styles, life experiences and expectations. All the authors come together interrelating, showing their art of writing, promoting and going to schools nurturing the joy of reading in children and teenagers by reading some excerpts of their relevant work. Das schreibt Christina Ward, eine Stipendiatian der IJB und ich kann ihr zustimmen: Es ist wirklich aufregend all die Autoren zu sehen und zu erleben, mit Mirjam Pressler sogar eine Heldin meiner Kindheit.
Jetzt hätte ich doch glatt noch das Tweetup vergessen

Am nächsten Tag des Festivals gibts noch mehr von Frida Nilsson – die Geschichten über Hedvig und ihre Schulerlebnisse treffen bei den Erst- und Zweitklässlern ins Schwarze und auch die anwesenden Lehrer amüsieren sich. Kurz danach gibts dann ein für die älteren Schüler eine Lesung aus dem Thriller von Jenny Valentine – Identitätstausch und Doppelleben sind Themen, die die älteren Jugendlichen ansprechen. Wobei Jenny Valentine viel vom Beginn des Romans liest, aber wenig vom Schluss, denn sie möchte die Spannungskurve des Thrillers – wie eine Achterbahn gestaltet, so dass es einen langsamen Weg nach oben gibt, dann aber zum Schluss hin sehr rasant und spannend – nicht unnötig verraten. Außerdem soll man ja das Buch auch noch irgendwann selbst lesen. Wäre ja sonst auch doof wenn man schon wüßte wie es ausgeht.
Nach den beiden Lesungen gibts immer einen Mittagstisch in der Schloss-Schänke wo wir uns nochmal koordinieren. Dank der ausgezeichneten Vorbereitung ist immer WLAN vorhanden und selbst im Gewölbe, besonders bevorzugt für Heiratsfeiern – am Ankunftstag bekommen wir das noch etwas mit – ist das Internet trotz der dicken Mauern und der Ritterrüstung in der Ecke ausgezeichnet. Kaffee und Kekse in der Nähe – perfekt… Zwischendurch führt Frank ein Interview mit der Bibliotheksdirektorin Frau Raabe, die erzählt warum die White Ravens auch im Social Web zu finden sind. Und bei den reizenden Damen des Webteams musste ich nicht lange nach passenden Fragen suchen. :-)

Mirjam Pressler und Uri Orlev sind am Dienstag in der Burg. Mirjam Pressler liest einen Text von Orlev vor, den dieser für das Festival geschrieben hat und anschließend stellen sich beide den Fragen der Kinder. Selten habe ich so aufmerksame und gebannt dasitzende Kinder erlebt, die voller Fragen über das Warschauer Ghetto und den Krieg sind. Das Vorurteil, man könne Kindern den Holocaust nicht vermitteln wird eindrucksvoll widerlegt. Am späten Abend gab es nochmal eine Lesung, die vom Gastblogger Andrei Craciunescu verfolgt wurde.
Die Bücher von Suzan Geridönmez sind leider nicht auf deutsch erhältlich, es wird zwar viel aus dem Deutschen ins Türkische übersetzt, umgekehrt ist das aber nicht so. Glücklicherweise gibts aber einige Kurzgeschichten doch auf Deutsch, wurden Textauszüge aus ihrem Roman übersetzt. Spannend an dieser Veranstaltung ist, dass es nicht nur meine Sicht des Abends gibt, sondern auch die des Gastbloggers Andrei.

Mittwoch Abend: Die Stunde von Nils Mohl im “Import/Export” – die Definition des Satzes “Das ist ganz nah am Münchener Hauptbahnhof” werde ich neu für mich fassen müssen, gut, wenn man auf der falschen Seite rauskommt IST das auch nicht so nahe dran. Zusammen mit Nils Mohl habe ich am Vorabend die Lesung von Suzan Geirdönmez erlebt und weiß daher, dass der Autor ein sehr sympathischer Mensch ist. Die “Sitzdisko”-Premiere führt anhand des Sountracks im Anhang von “Es war einmal Indianerland” durch den mit Vor- und Rückblenden ausgestatteten Roman. Gastblogger Andrei war auch vor Ort. Später trifft Nils Mohl dann auf die Schüler der 9c der Situlischule, die ein Videotagebuch während des Lesens seines Romans erstellt haben. Ein Interview ist da natürlich im Festzelt Pflicht. Oh, Anne-Laure Boudoux darf ich natürlich nicht vergessen, deren Roman “Die Zeit der Wunder” sich mit dem Thema Flucht beschäftigt und den Klischee-Bildern, die man sich von gelobten Ländern macht. Familienlegenden, so sagt sie, hat jeder und obwohl sie manchmal erfunden sind können sie nach langem Wiederholen doch zu einer eigenen Wirklichkeit werden – ich glaube, da hat jeder so seine Erfahrungen mit.

Kaum zu glauben wie schnell die Zeit vergeht – kaum angefangen neigt sich das Festival auch schon wieder seinem Ende entgegen. Ich lasse mir die Gelegenheit nicht nehmen und schaue schnell noch beim Michael-Ende-Museum rein, gerne hätte ich noch den James-Krüss-Turm mitgenommen aber der läuft einem ja nicht weg. Obwohl – hmmm, wer weiß. Schnell wie das Internet halt so sein kann gibts auch nach dem Ende des Festival schon ein Resümee von Tanja Praske.
So schnell bin ich trotz meines Spitznamens “Flashwriter” nun nicht und die Dokumentation des Festivals wird vom Webteam ja auch noch selbst erstellt. Ich versuche mich stattdessen am Falten eines weißen Raben und stelle fest: Basteln kann ich ab-so-lut nicht. (Bekanntlich kann ich auch keine Kunst. Ich kann nur drüber reden. :-) )


Postludium: Von Raben und der IKIBU

Im Rahmen des 2. White Ravens Festival 2012 entsteht hier eine kleine Seitenblick-Reihe mit persönlichen An- und Einsichten. Meine Hauptimpressionen finden sich im Festivalblog der White Ravens.

An meinen Schuhen klebt noch der Staub von München-Pasing. Das klingt jetzt so nach Klischee-Gedönse, aber der Bahnhof in Pasing wird umgebaut und dieser Schotter-Staub wirbelt durch das Rollen der Koffer halt hoch. Vorher haben wir uns noch von dem Team der IJB verabschiedet, Rabe 1 fährt uns auch zum Bahnhof selbst während im Festzelt noch Mirjam Pressler eine Lesung hat.

Am Abend vorher schrieb ich in einem Tweet etwas von einem Grundvertrauen, dass die Arbeit beim Festival prägte. Jetzt ist das natürlich immer ein wenig geschmäcklerisch wenn man als Mitbeteiligter eines Festivals – der für seine Arbeit bezahlt wird – das Projekt bis in den Himmel lobt. Allerdings wird man mich wohl gut genug kennen hoffe ich um zu wissen, dass ich Lob nicht verteile um zu schmeicheln. So hoffe ich dass man es mir abnimmt wenn ich schreibe, dass ich bisher kaum ein Projekt hatte, bei dem dieses Grundvertrauen dermaßen stark vorhanden war. Die Social Media Policy fürs Festival war einfach das bekannte “Wir vertrauen euch soweit, dass ihr nichts Blödes, Dummes tut.”

Don’t do anything stupid halt – eine Maxime, die bei etlichen Projekten übrigens funktioniert hat. Merkwürdigerweise. Kann doch gar nicht sein, dass das jemand erzählt, der eigentlich immer auch was von “Social Media Guidelines” schwafelt. Aber jede Institution ist halt anders. Hier war halt das Vertrauen da, dass die externen Experten sowie die eigenen Mitarbeiter nichts tun werden, was schaden könnte. Sehr selten. Wirklich. Auch sehr selten: Dass man sich innerhalb des Teams versteht und – großes Lob an Frau Raabe, Bibliotheksdirektorin  – dass die Leitung tatsächlich auch loslassen kann. Dieses vorhande Grundvertrauen sorgte auch dafür, dass die Arbeit Spaß machte. Und wie ich irgendwann mal gelernt hab: Wenn man das tut, was einem Spaß macht, dann macht man das besonders gut. Wenn man nicht nur selbst das so sieht sondern auch das Internet – nun…

Zurück in Duisburg versuche ich Neuigkeiten über die IKIBU, das ist so die kleine Schwester der Raben, rauszufinden. Was angesichts der schlecht optimierten Webseite der Stadtbibliothek nicht so einfach ist, vor kurzem hatte die einen Relaunch – humpf…  Das White Ravens Festival hat mir deutlich gemacht, dass Duisburg so etwas wie die IKIBU braucht. Momentan steht im Raum, dass die IKIBU eingestampft werden soll, aber Genaueres weiß ich leider auch nicht. Angesichts der Sparliste für den Haushalt – und trotz der Beteuerung, man wolle ja nicht an den Bibliotheken sparen, sorry, ich traue dem Duisburger Rat der Stadt seit dem Gezänk um die Deutsche Oper am Rhein nicht mehr wie ich überhaupt auch sonst nicht mehr voreilig Politikern hier in der Stadt vertraue, was schon bitter ist, aber Erfahrunge lehrt manches – ist das aber wohl eine angedachte Option. Das mit dem Einstampfen. Wer jedoch mal bei einer Lesung dabei war und die Reaktion der Kinder und Jugendlichen gesehen hat – härtestes Publikum der Welt! Wenn denen was nicht passt, sind die nicht nur geistig sondern auch körperlich schnell weg – wer gesehen hat wie fesselnd das Erzählen einer Geschichte sein kann wird den Wert eines Festival wie den White Ravens oder der IKIBU zu schätzen wissen. Wäre schade wenn die IKIBU wegen Kurzsichtigkeit von Politikern eingestellt werden würde. Hoffen wir mal, dass das nicht passiert.

Jedenfalls folgt noch ein abschließendes Posting – sozusagen ein Post-Postludium. Jetzt entschuldigt, ich muss mal zusammenrechnen was die ganzen Bücher die ich bestellen möchte so ingesamt kosten damit ich dann morgen beim Buchhändler meines Vertrauens keinen Schock kriege… :-)


Tag 5: Sprachengemisch

Im Rahmen des 2. White Ravens Festival 2012 entsteht hier eine kleine Seitenblick-Reihe mit persönlichen An- und Einsichten. Meine Hauptimpressionen finden sich im Festivalblog der White Ravens.

Oh, oh, Frank klingt heute beim Frühstück eher so nach Krankheit. Verschwindet rasch in sein Zimmer und ist dann auch für den Rest des Tages nicht zu sehen. Nicht so nett und gute Besserungswünsche werden per Internet überbracht. Ich hingegen mache mich auf dem Weg zur Lesung mit Daniel Nesquens – und lande dann doch bei Benny Lindelauf. Denn die Lesung mit Nesquens ist auf Spanisch und das ist so gut wie mein Hindi.

Also nochmal Niederländisch, Limburgisch und Deutsch – einen Teil des Programms habe ich ja am Sonntag erlebt und bin für den Kanon bestens gerüstet. Sehr schön: Lindelauf singt ein Hermann-van-Veen-Lied, das ich auch sehr gerne mag: “Jessie” heißts wohl im Orginal. Und so ganz beiläufig meint er auf die Frage, ob er verheiratet sei, ja, das sei er, aber mit einem Mann. Was – und das finde ich gut – überhaupt keine Reaktion bei den Schülern auslöst. Der ist halt mit einem Mann verheiratet, das ist okay und völlig normal irgendwie. Noch netter: Statt nur Texte zu lesen hat Benny Lindelauf ein interaktives Programm vorbereitet – mit Fragen und Aktionen, mit Bildern, mit dem Kanon zum Mitsingen, mit der Nachfrage was man bei den fremdsprachigen Liedern denn verstanden habe. Schon toll.

Irgendjemand muss dann doch noch applaudiert haben denn kaum soll es mit dem Schlangentanz losgehen beginnts zu regnen. Passt zwar hervorragend zur Geschichte, aber nicht so ganz für die Absicht des Tanzens. Also umziehen und rein in die Burg. Sylvain Rivard erzählt die Geschichten vom Elch, den Hermelindamen und Ottern auf französisch – die Klassen kommen da wohl ganz gut mit, ansonsten gibts natürlich auch noch eine deutsche Version. Es hilft natürlich wenn man die Geschichte vom Riesen-Elch schon am Sonntag gehört hat – hüstel – wobei ich feststelle, dass mein Französisch tatsächlich ausreicht um die Geschichten zu verstehen. Ich finde es ungeheuer faszinierend einem echten Storyteller zu begegnen, der mit Körper, Stimme und Gegenständen die Erzählungen zum Leben erweckt. Das Problem aber dabei ist natürlich, dass wenn der Erzähler der Geschichten stirbt und niemand nachfolgt dass die Geschichten verstummen. Deswegen müssen Geschichten aufgeschrieben werden.

Am Abend erfahre ich dann, dass die Abernaki-Sprache nur noch von 23 Menschen gesprochen wird. Ebenso, dass die Erdbeere bei Geburt und Tod eine wichtige Rolle spielt, die Frucht der Geister sei sie. Und: Neben den Artikeln gibts noch den Unterschied zwischen belebten und nicht belebten Gegenständen – und dafür grammatikalische Feinheiten.
Ein sehr amüsantes Erlebnis noch: Zwei Teilnehmer des Festivals unterhalten sich zu Beginn in Englisch bis sie feststellen, dass sie eigentlich beide Deutsche sind. So ist das halt bei einem internationalem Festival… :-)


Tag 4: Genesis und Soundtrack

Im Rahmen des 2. White Ravens Festival 2012 entsteht hier eine kleine Seitenblick-Reihe mit persönlichen An- und Einsichten. Meine Hauptimpressionen finden sich im Festivalblog der White Ravens.

Und dann passt der Abend wieder ohne dass es geplant ist zur Vormittags-Lesung und das, weil die Frage der Pixies “Where is my mind?” Bernhard Beckett und Nils Mohr perfekt miteinander verbindet. Fight Club meets Philosophy – wobei sich fragen lässt ob Fight Club nicht eh im Grunde schon ein zutiefst philosophisches Werk über den Willen an sich ist. Ist Fight Club nicht eigentlich der Film, dessen philosphische Grundlagen – neben Matrix 1, die anderen Teile gibts für mich einfach nicht, so – ausführlichst debattiert werden müssten im Schulunterricht? Aber da sind wir mit Neuseeland gleich: Philosophie als Schulfach – undenkbar. Allenfalls mal kratzen im Religionsunterricht wenn überhaupt. Ist ja aber auch nicht so einfach das mit den ungleichen Schwestern, die lange Zeit im selben Haushalt gelebt haben und plötzlich stellt sich dann die jüngere hin und meint, sie müsse unbedingt auf eigene Faust nachdenken gehen.

Dabei ist eigentlich doch jeder Autor ein Schöpfer und muss seine eigene Genesis hinter sich bringen. Wie vielfältig diese sein kann kriegt man beim Festival hier schon mit. Boudoux erträumt ihre Gestalten bevor sie sie aufs Papier bringt, Jutta Richter sammelt erste Sätze, manchmal haben die Autoren teilweise doch schon eine feste Struktur der Geschichte im Kopf – Jenny Valentine schrieb einen Thriller, da muss man zumindest das Ende kennen – manchmal scheinen die Figuren auch ein Eigenleben zu entwickeln und ob sie dann das am Ende tun was sie tun sollen ist dann auch so eine Sache.

Manchmal hilft bei der Entstehung eines Romans auch ein Soundtrack. Es gibt Blogger, die posten regelmäßig das, was sie bei ihrer Arbeit hören, ich finde, das wäre doch auch eine schöne Idee für Autoren zu beschreiben, welche Sounds, welche Tracks und welche Songs sie beeinflusst haben. Schmachtet Elvis für eine Liebeszene im Hintergrund wie bei Nils Mohr – der allerdings zu Recht meint, man kann Kitsch nur schreiben wenn man Rock’n'Roll vorher hatte – oder gibts doch Heavy Metal wenn die Welt unterzugehen droht? In den Schubladen meines Gedächtnisses gibts es nur zwei Autoren, bei denen ich das mit Songtexten irgendwie noch verbunden habe und alle sind garantiert nicht auf diesem Festival: Stephen King, der gerne Songzeilen den Kapiteln voranstellt, “I’m a Believer” spielt bei Neil Gaiman eine tragende Rolle. Gut, ja, “Das Wüten der Ganzen Welt” – zugegeben – und dann hat noch ein Hart-Roman eine Figur, die durch eine Bearbeitung einer Mozart-Arie reich geworden ist. Musiker oder Songschreiber tauchen alle Male mal in Romanen auf. Doch ein Roman, dessen Grundthema wirklich die Musik ist?

Was also hören Autoren beim Schreiben ihrer Romane? Vermutlich das Pochen des Herzens.


Tag 3: Drinnen und Draußen

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Wildgänse, Raben, Schwäne und Enten landen regelmäßig im Teich neben dem Schloss. Dieser ist der Schlusspunkt der Würm, deren Quelle ich allerdings jetzt nicht verorten kann. Immerhin: Wenn man sich verläuft und zum Schloss Blutenburg will folge man einfach der Würm. Von Pasing aus geht das auch recht einfach, man folge dem Hinweisschild und einfach der Nase nach. Durch Felder, Wiesen, an Wäldern vorbei im Zwielicht des zu Ende gehenden Tages – oh selig, wie selig ein Kind hier zu sein. Gut, meldet sich dann der Pragmatismus, denk daran: Jugendlicher in einer Idylle ist toll wenn man ein Auto hat aber wenn dann Nachts kein Bus mehr fährt sind an die 1,5 Kilometer zu Fuß nun auch nicht so prickelnd. Obwohl…

Eine gewisse Ländlichkeit zeichnet auch den Sprengel – ein Wort, das man wohl nur im Bürodeutsch verwendet, wohl ein Gegenstück zum Kreis in NRW – aus, in dem das Michaeli-Gymnasium liegt. Zusammen mit Rabe 2 und dem Autor Nils Mohr durch den Park strollen hat einen Hauch von Ungebundenheit. Ziel: Die Lesung der Autorin Suzan Geridönmez. Wir landen schließlich im – Musiksaal. Auf einen Blick kann ich sämtliche an der Wand gehängten Flöten einordnen, weiß natürlich welche historischen Ereignisse während des Barocks und der Wiener Klassik stattfanden – gut, es gibt auch Poster an der Wand darüber – und staune: “Round Midnight”-Cover als Plakat zwischen Mozart und Beethoven. Und: Coole Deckenlichter mit Hebevorrichtung!

A propos Hebevorrichtung: Die U-Bahnen hier in München sehen noch so aus, als hätten sie diese als Standard unter sich eingebaut. Immerhin haben sie keine buntgemustertgeschmacksverwirrten Sitze sondern nur solche aus reinem Plastik. Dafür ist das restliche Innendekor auch wirklich – braun. Yepp. Braun. Kurz fühle ich mich irritiert und in die 70ger Jahre versetzt: HILFE! ERDFARBEN! Ein Blick auf die Mitreisenden rückt das allerdings wieder gerade. Uff. Glück gehabt.

Und durch das Tor der Burg schimmert Licht vom Innenhof als ich am Abend vorbeigehe. Durch die Fenster sehe ich noch Leute debattieren, diskutieren, vermutlich noch Vorbereitungen für Morgen treffen. Wahnsinnig gerne würde ich jetzt reinschlüpfen, den Schlüssel ins Gewölbe stecken und dort auf die – hmm – haben wir das mit den Gespenstern eigentlich schon geklärt?


Tag 2: Von Sälen und Gewölben

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Jede Mal wenn ich meinen Blick vom Bildschirm schweifen lasse, wird dieser magnetisch von der Ritterrüstung angezogen. Das wäre ja noch nicht mal ungewöhnlich in einem Schloss – ungewöhnlicher dagegen ist die Tatsache, dass man alle Vorstellung von einem Schlossgewölbe mal getrost vergessen darf was Schloss Blutenburg betrifft. Weder tropfts auf die Ausrüstung, noch wabern merkwürdige Dämpfe durch die Gegend noch wächst Moos an den Wänden. Schade irgendwie, hatte ich mich gedanklich doch eher so auf Edgar Allan Poe eingestellt was die Vorstellung von Schloss-Gewölben anbelangt. Andererseits: Da das Webteam hier die meiste Zeit des Tages verbringt falls es nicht gerade durch die Gegend wuselt sind trockene, angenehme Temperaturen, gute Luftzufuhr und WLAN auch was.

Abgesehen davon hat Schloss Blutenburg wirklich optimale Bedingungen für Lesungen – der große Saal mit den dicken Dachstreben hat die Erst- und Zweitklässler heute morgen bei der Lesung der Geschichten um Hedwig von Frida Nilsson jedenfalls ziemlich beeindruckt. Zudem traf die Autorin auch ganz den Geschmack der Zielgruppe. (Okay, Geschichten mit rotzenden Jungen sind IMMER ein Hit. ;-) ) Der kleine Saal war dagegen ganz intim für die Lesung von Jennifer Valentine – und ein Thriller passt sowieso enorm gut zur Kulisse. Da darf es ja etwas spooky sein.

A propos spooky: Schlossgespenster sind mir bisher noch nicht begegnet. Jedenfalls nicht am Tag, bisher waren wir ja noch nicht bis zum späten Abend hier…


Tag 1: Geschichtenerzähler mit passender Kulisse

Im Rahmen des 2. White Ravens Festival 2012 entsteht hier eine kleine Seitenblick-Reihe mit persönlichen An- und Einsichten. Meine Hauptimpressionen finden sich im Festivalblog der White Ravens.

So sehr ich dann auch vorgestern erwähnte, dass das Wetter hier in München eigentlich kein Pullover-Wetter sei – ich irrte mich. Tags drauf zur Eröffnung gab es ein Wechselspiel zwischen Wolkenlöchern und Sonnenschilden. Vielleicht stimmt es wirklich, was der Geschichtenerzähler aus Kanada – Sylvain Rivard – meinte: Klatschen locke den Regen an. Wenns nach dem Regenvolumen geht, dann haben wir an diesem ersten Tag jedenfalls viel, viel, viel geklatscht.

Allerdings: Prasselnder Regen auf dem Zeltdach und innen drin fünf Kinder- und Jugendbuchautoren, dazu eine Tasse heißen Tee und die Reaktion der Kinder – und der Erwachsenen natürlich auch, im Grunde sind Kinderbücher ja auch immer Bücher für Erwachsene nur geben die das kaum zu – zu beobachten war am ersten Tag schon sehr, sehr himmlisch. Einzigartig. Immerhin ist hier die Creme de la Creme der Kinder- und Jugendbuchautorin versammelt. Genügend Anregungn für die nächsten Weihnachtsgeschenke für meine Neffen garantiert. (Hmm, Hedwig? Kiki? Aber das sind ja eigentlich Mädchen. Mal schauen.)

Jedenfalls: Doch ganz gut, dass ich noch etliche Pullover mithabe. Das Wetter für morgen soll ja auch so la, la werden…


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