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Merlin: Britisches Familienfernsehen

Irgendwas muss bei den Briten in den Genen liegen wenn es um das Machen von qualitativ hochwertigen Serien geht – und das nicht nur im phantastischem Sektor. Es ist erstaunlich wieviel die BBC mit kleinem Budget hinbekommt – und was wir Deutschen mit hochwertigem Geld in den Sand setzen. Wie dem auch sei: Erstaunlicherweise ist “Merlin” wohl auch hierzulande gelaufen. Bei RTL. Großes Aufsehen hat die Serie allerdings wohl nicht erregt. Dabei steht die doch in bester Xena- und Hercules-Tradition. Merkwürdig.

“Merlin” basiert recht lose auf der bekannten König-Arthus-Sage – so wie Smallville recht lose auf den Superman-Comics basiert. Camelot wird von Uther Pendragon – dargestellt von Anthony “Giles” Steward Head – regiert, der vor 20 Jahren Camelot von aller Magie befreit und dem Land Frieden gebracht hat. Was genau vor 20 Jahren passierte, gute Frage. Offenbar ist Arthurs Mutter damals ums Leben gekommen und Uthers engster Freund, somit ist Uther der Erziehungsberechtigte für die junge Morgana – dargestellt von Kathy McGrath. Arthur – Badley James – , der zukünftige König, ist also ohne Mutter aufgewachsen und hat sich zu einem rechten Kotzbrocken entwickelt: Aufbrausend, arrogant und anmaßend. Merlin – Colin Morgan – und er können sich sofort nicht ausstehen. Wobei Merlins besondere Gaben ein Problem sind: Uther hat die Anwendung von Magie mit der Todesstrafe belegt. (Was man sofort in Folge 1 mitbekommt…) Als Merlin Arthur das Leben rettet wird er zu dessem Diener ernannt. Eine Gradwanderung beginnt: Keiner darf etwas von Merlins Talenten wissen, andererseits ist Arthur als Kronprinz ständig in Gefahr…

“Merlin” steht in der Tradition der Serien, die Ende der 90ger den Bildschirm bevölkerten: “Conan”, “Xena”, “Hercules” oder “Tell” bauten aus vorhandenen Bruchstücken epischer Stoffe ihre mehr oder weniger gelungenen eigenen Versionen. (“Conan” und “Tell” – eher nicht, wobei “Tell” wirklich hervorragend trashig war… “Conan” im ZDF war einfach nur schlecht.) Das macht – neben “Robin Hood” zur Zeit, ebenfalls eine BBC-Serie  – “Merlin” und lehnt sich zumindest in der ersten Staffel eng an “Smalville” an. Hmm, Held mit besonderen Fähigkeiten, die keiner wissen darf… Yepp. Dabei bedient sich “Merlin” aus dem reichen Fundus der “Arthur”-Saga um ein eigenes Fantasy-Universum zu entwickeln – man kann mir nicht erzählen, dass ein mit zwei Schwertern im japanischen Schwertkämpfer-Stil herumfuchtelnder Ritter bei einem Turnier historisch korrekt ist ;-) .

Dabei ist die Serie vom Erzählstil recht altmodisch: Keine schnellen Schnitte, keine großartigen SFX – die Serie setzt auf gute Schauspieler – ANTHONY!!! – gute Dialoge und interessante Bösewichter. Dabei sind die Folgen in die Richtung “Monster der Woche” einzusortieren, zumindest in der ersten Staffel, wobei man im Hintergrund durchaus den ein oder anderen Entwicklungsprozeß der Figuren sehen kann. Großer Vorteil: Die Serie kann man sich mit der ganzen Familie ansehen – Sex und Crime spielen hier keine Rolle, die Monster sind auch nicht so furcht erregend – teilweise muss man ehe an frühe Who-Folgen denken was das anbelangt und schmunzeln – und es gibt jede Menge Humor. Das ist eine schöne Abwechslung wenn man bisher stets sowas wie “Heroes” oder “Mad Men” gesehen hat.

Schön, die Serie hat ihre Schwächen. Wie z.B. kommt Merlin ständig zum Drachen? Muss das den Wachen nicht irgendwann mal auffallen, dass sie dauernd flachgelegt werden? Teilweise geht er Plot mit Gwen und Merlin auf die Nerven – liebe Drehbuchautoren, lasst die Beiden doch endlich zusammen finden! Und sehr groß ist Camelot nun auch nicht, wobei die meisten Folgen sich auf das Schloss konzentrieren. Großartige Landschaftsaufnahmen? Eher nicht…

Doch bei allen Schwächen: “Merlin” ist sehenswert und gutes Familienunterhaltungsfernsehen. Nicht nur wegen Anthony Head – aber auch. (Uther ist sooo cooollll…)

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