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Sherlock: BBC in Bestform

Quelle: Wikipedia

Soldaten, Krieg, Gefechte – und ein Mann, der davon in einem kargen Zimmer aufwacht. Ein Veteran aus Afghanistan, der in London gestrandet ist, seit einiger Zeit in psychologischer Behandlung – und dessen Name John D. Watson ist. Das wäre nun nicht weiter ungewöhnlich – eine weitere Verfilmung von Sherlock Holmes halt, aber in diesem Falle irritierend: Das Setting. Denn “Sherlock” spielt nicht im viktorianischen Zeitalter sondern in der Gegenwart.

Und auch sonst ist nicht alles so wie man es vielleicht von der ersten Zusammenkunft von Watson und Holmes gewöhnt ist – denn “A study in pink” übernimmt nur einige Elemente des ersten Abenteuers von Sherlock Holmes und Doctor Watson. Die Serie ist auch ausdrücklich keine naturgetreue Verfilmung der Abenteuer der Beiden sondern basiert nur auf den Geschichten von Doyle. (Wer eine eher viktorianische, naturgetreuere ebenfalls gute Serie sehen möchte, dem empfehle ich die von 1984 mit Jeremy Brett.)

Allerdings orientieren sich Mark Gatiss und Steven Moffat – ja, die könnte man kennen, doch – sehr eng an Doyle. So wird man vielleicht etwas verunsichert, wenn Holmes in der ersten Folge eine Peitsche nimmt und den Rücken einer Leiche bearbeitet, aus wissenschaftlicher Neugier wann die Striemen zu sehen sein werden – tatsächlich aber erwähnt das Doyle in “A study in scarlet” durchaus. Und wenn Holmes seine Briefpost mit einem Messer auf den Kamin festrammt, dann entspricht das – ebenso wie die Unordnung in der Bakerstreet 221b – genau der Vorlage. Ebenfalls seine Vorliebe SMS zu schicken, die moderne Form des Telegramms also.

Alleine das ist schon clever gemacht. Dazu kommt noch britischer Humor und zwei wunderbare Schauspieler: Martin Freeman als Watson und Benedict Cumberbatch als Holmes. Letzterer ist mir überhaupt nicht bisher aufgefallen, aber Historienstreifen wie “The other Boleyan girl” sind nicht unbedingt meins und offenbar sind – natürlich – die Serien, in denen er bisher auftrat hier nie gelaufen. Nicht weiter überraschend. Als Holmes ist er einfach spitzenklasse: Arrogant, überkandidelt, unhöflich. Ein genialer Kotzbrocken halt. Sehr nah an der literarischen Vorlage also. ;-)

Martin Freeman dagegen könnte man eher kennen: Er war der Arthur Dent in der – unsäglichen – Neuverfilmung des Hitchhikers, war allerdings auch in “Hot Fuzz” zu sehen und in “Shaun of the Dead”. Nicht zu vergessen “The Office”, bekanntlich die Vorlage für “Stromberg”. Als Watson ist er einerseits enorm hilflos teilweise, lässt sich in den Strudel der Ereignisse reinreißen, andererseits aber genießt er auch den Thrill der Ereignisse. Beide zusammen sind einfach wunderbar.

Vor allem beeindruckt auch der visuelle Stil der Serie – das fängt mit den Fake-Modell-Szenen an, geht über die Text-Visualisierung von SMS direkt im Bild, in der ersten Folge zumindest noch, weiter und ebenfalls in der ersten Folge werden die Details, die Holmes sieht, mit kleinen Texten versehen. In der zweiten Folge  wird dann eher durch Nahaufnahmen in den Focus gerückt was an Details Holmes bemerkt. Beide Mittel funktionieren recht gut. Darüber hinaus spielt die Serie natürlich auch mit dem ganzen Holmes-Mythos. So wenn Watson meint: “Erzfeinde? Niemand hat im normalen Leben Erzfeinde.”

Und natürlich spielt auch ein gewisser Moriarty eine Rolle, der in der letzten Folge wohl aus dem Schatten treten wird. Bis die Serie hierzulande läuft dürfte es mal wieder Jahre dauern – ab dem 30. August gibts aber alle 3 Folgen plus Pilotfilm auf DVD und Blue-Ray. ARTE? Bitte kaufen!

(Wie immer hat die BBC übrigens auch virtuelles Marketing für die Serie geschaltet – so gibts das Blog von John Watson, das in der ersten Folge zu sehen ist tatsächlich, ebenso wie die Webseite The Science of Deduction. Aber ich denke, ich gönne euch den Spaß des Selberforschens. ;-) )


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