Es ist Rosenmontag und meine Hosen sind noch in der Reinigung. Perfekter Zeitpunkt also sie am frühen Mittag abzuholen. Was in Köln nicht möglich gewesen wäre. Deswegen liebe ich Duisburg ja auch: Karneval feiert man aber nicht über Gebühr. Als ich also reingehe um meine Hosen abzuholen ist die Reinigungsfachkraft am Telefon und ich höre: “Ja, das ist dann morgen. Hab den Zettel hier noch liegen. – Tja, was soll ich denn machen? Okay.”
Da denkt man sich natürlich zuerst nichts dabei, Zeit habe ich, Hosen hängen auch schon und dann kommt eine andere Kundin herein. Mittlerweile hat die Dame hinter der Theke das Telefonat beendigt und fragt ganz aufregt die Neukundin: “Haste das mit der Evakuierung morgen schon gehört? Ich muss wohl den Laden dichtmachen.” Sie greift hinter die Theke und holt einen Zettel raus. “Mußt mal schauen ob du sowas auch im Briefkasten hast, wenn ja, biste auch davon betroffen.” Es ist ein amtliches Schreiben der Stadt Duisburg, auf der Vorderseite steht man habe auf dem Gelände an der Pappenstraße – dort wo das neue Berufskolleg hinsoll, ja, das mit der Public-Private-Partnership-Finanzierung – eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden und der Bereich darum wird evakuiert.
Auf der Kopie war nun nicht so ganz deutlich ob die Oststraße – also die Fußgängerzone jedenfalls – nun zur Sicherheits-Zone oder zur Evakuierungs-Zone gehört, aber die Dame hinter der Theke meinte, der Bereich der Fußgängerzone würde ebenfalls evakuiert und wo ich denn wohnen würde. Ich wohne in der Nähe der Uni. Nach mehrmaligem Studieren des Plans würde ich wohl eher in die Sicherheits-Zone fallen. Da ich allerdings morgen ganz normal arbeiten gehe – und zwar nicht in Neudorf – würde mich das Ganze nur dann betreffen wenn die Evakuierung bis 17:00 Uhr nicht aufgehoben worden sein würde.
Da ich nun keinen Zettel im Briefkasten habe – “wenn mir Sonntag jemand was reinschmeißt achte ich doch da auch nicht vor Montag drauf” so die Kundin in der Reinigung – habe ich das gute alte Internet gefragt, denn Duisburg ist ja bekanntlich webaffin:
In der Evakuierungszone, die sich zwischen Mülheimer Straße, Graben- und Oststraße befindet, wohnen rund 1500 Menschen, in der 500-Meter-Sicherheitszone weitere 7600 in Neudorf und Duissern. 250 Meter rund um den Bombenfund befinden sich unter anderem Verwaltungsgebäude der Stadt, die Schweißtechnische Lehr- und Versuchsanstalt sowie die Versuchsanstalt für Binnenschiffbau an der Memel- und Bismarckstraße, die Gesamtschule Mitte an der Pappenstraße, das Tectrum, Gebäude der Universität Duisburg-Essen, ein Kindergarten und verschiedene Betriebe und Arztpraxen. Das Hallenbad Neudorf an der Memelstraße wird am Dienstag morgen ab 9 Uhr geschlossen sein – Frühaufsteher können ab 6.30 Uhr schwimmen. Nach Beendigung der Entschärfungsarbeiten wird das Bad voraussichtlich am Nachmittag wieder geöffnet. [...]
Das Gebiet der Evakuierungszone – bis zu einer Entfernung von 250 Metern vom Fundort der Bombe – muss am Dienstag, 16. Februar 2010, bis 11 Uhr, geräumt sein. Als Aufenthaltsraum steht für diese Zeit die Pausenhalle der Zweigstelle der Gesamtschule Mitte, Falkstraße (Zugang Oranienstraße) zur Verfügung.
Ah – ja. Nun, da ich keinen Zettel im Briefkasten hatte könnte ich davon ausgehen nicht betroffen zu sein. Ich bin morgen früh sowieso wie immer zur Arbeit und komme gar nicht in den Kernzeiten wieder nach Hause – insofern werde ich wohl auch nicht anrufen sondern morgen aufmerksam verfolgen ob die Entschärfung der Bombe gelungen ist.
Ist das Gelände eigentlich schon komplett saniert? Mir war so als ob da irgendwie Industrieabfälle… Aber ich kann mich auch irren. Bin mal gespannt ob das die einzige Bombe war oder ob da noch etliche folgen. Neudorf war, wenn ich das richtig erinnere, im Zweiten Weltkrieg wegen der Nähe zum Bahnhof ein sehr bevorzugter Platz zum Bombardieren…

